Aus dem Bücherregal

Ich lese ja gerade – wenn auch etwas verspätet – Steingarts „Deutschland, Abstieg eines Superstars“. Keine einfache Lektüre. Liegt nicht daran, dass Herr Steingart nicht in der Lage ist, sich einfach auszudrücken. Nein, das kann der Spiegel-Mann ganz hervorragend. Allerdings ist die Kost eine Schwere. Nicht, dass ich bisher noch nicht von den leeren Rentenkassen, hohen Arbeitslosenzahlen oder den Strukturproblemen gehört hätte, nein, es allerdings in dieser epischen Breite zu lesen, macht – mit Verlaub – scheiße depressiv. Am liebsten würde ich auswandern.

(Hoffentlich bin ich bald durch, dann muss ich mal wieder ein Frauenbuch lesen. Mit viel Liebe, Herzschmerz und ein bisschen Tragik zum Tränen vergießen.)

Zeitschriften im Test: Teensmag

Ihr kennt Bravo, Yam, Mädchen und Co.? Habt noch nie etwas von Teensmag gehört? Dann geht es euch so wie mir, damals im Januar. Bei einem gemeinsamen Bummel durch Berlin machte er mich auf dieses Magazin aufmerksam. „Trends, Glaube, Action und Tiefgang“? Hey, Klingeltöne, Gott, Arnold Schwarzenegger und coole Gesprächsthemen in einem Heft? Das soll gehen? „Naja“ lautet meine Antwort, aber lest am besten selbst.

Teensmag ist ein ein Jugendmagazin, so wie Bravo und Co., doch es gibt mehrere große Unterschiede zwischen den Heften. Der erste: Teensmag erscheint nur alle zwei Monate. Der zweite: Auf den Titelbildern sind nicht etwa bekannte Popsänger, sondern unbekannte Christen. Der dritte: Wer in Teensmag nach Christina Aguilera, Robbie Williams oder vielleicht den Backstreet Boys sucht, der findet sie nicht. Es sei denn die haben sich irgendwie zu ihrem Verhältnis zu Gott geäußert.

Deshalb kenne ich in der aktuellen Ausgabe auch nur Mia Aegerter (die hat vor Jahren mal in GZSZ mitgespielt), Nicole Kidman (weil sie sich angeblich an ihre katholischen Wurzeln erinnert), Natalie Alison (nee, muss man nicht kennen, ich kenn die auch nur, weil das gerade die Tussi von Dr. Gerner ist), die Fanta 4 (die sind da aber nur drin, weil ein Jungpastor bei ‚troi“ bemerkt hat, dass er eine Konstante in seinem Leben braucht), Mariah Carey (dass die oft von Gott und Co, spricht, ist ja allgemein bekannt), Patrick Nuo (der hat auch überall seine Finger drin). Von Calling all Nations, Sonicflood, Normal Generation oder Focus in God habe ich bisher noch nie was gehört.

Weiter geht es mit der seltsamen Sprache in dem Heft. Ja, ich weiß, auch Bravo will irgendwie jugendlich daher kommen. Aber wenn ich Sätze höre wie „Christ sein ist nicht babysoft“, dann kringeln sich schon meine Fingernägel. Anderes Beispiel ist der Bericht über das Teensmag-Geburtstag-Camp. Dieser Beitrag hätte genauso gut in irgendeiner schlechten Schülerzeitung stehen können, Erlebnisbericht pur, in einem Tagebuch hätte er sich auch gut gemacht. Tja, und dann kommen wir auch schon zum nächsten seltsamen Ding in diesem Heft: den Themen.

Klar, dass ein Heft, welches sich das Wort „Glaube“ auf den Titel schreibt, sich viel mit Gott, Christen und Glauben auseinander setzt. Seltsam ist es allerdings schon. Zum Beispiel die Rubrik: Leben live, Gott auf frischer Tat ertappt. Da schreibt zum Beispiel Sonny (14), dass er schon immer einen Schülerbibelkreis gründen wollte und es nun endlich auch geklappt hat. Oder Franzi (14) berichtet von einem tragischen Unfall, bei dem ihr Bruder beinahe gestorben ist. Manchmal erinnert das ganze sehr an „Im Vertrauen“ für Kleine.

Natürlich darf in einem Heft für Junge keine so genannte „Dr. Sommer-Team“-Seite fehlen. So fragt Juliane (13), wie sie Jens aus ihrer Klasse helfen kann, weil dieser von seinen Mitschülern gemobbt wird. Natürlich wird ihr geraten, dass sie den guten das nächste Mal einmal öffentlich in Schutz nehmen soll. Klar, aber auch, dass die gute Katrin meint, dass das Beten für Jens helfen wird. Mannmannmann.

Ein paar Seiten weiter findet man dann auch das Pendant zu „Liebe, Sex und Zärtlichkeit“. Hier heißt das ganze natürlich nicht genauso (nur so ähnlich: Liebe, Sex und Körperkult) und klar auch, dass es weniger um Abspritzen, Ausfluss und Analfixiertheit geht. Die Frage des Beitrags lautet: Gehört Sex einfach dazu? Und was rät die gute Ute? Nach mehreren Spalten pädagogischem Scheiß gibt es noch ein Bibelzitat, bis sie dann mit den Worten schließt, dass man seinen Gefühlen vertrauen und sein Herz behüten soll. Na, prima, würde man in der deutschen Parallelgesellschaft sagen.

Am lustigsten ist allerdings die „Gruß & Kuss“-Seite. Da Teensmag vor allem in der Schweiz gelesen wird, findet man dort Geheimbotschaften à la „Ganz fedde Griaße an d’Fisherman’s Friends: s’Himberle, s’Äpfele, dr Schofskäs, s’Oschderei, s’Brätzele, d’Kiwi, d’Flips ond s’Geckele. Hab eich elle super-mega-arg-lieb. Eier Caprisonne.“ Ja, und wenn wir fertig sind, dann treffen wir uns alle in der großen Salatschüssel wieder. Amen.

Link des Tages

Herr Broder und die Briefe von WinWin. Ein Rechtsabteilungsfuzzi mit Humor.
(via)

Uwe Timm: Am Beispiel meines Bruders

Auf der Zugfahrt begleitete mich an diesem Wochenende Uwe Timms „Am Beispiel meines Bruders“, ein Buch. Timm beschreibt darin die Auseinandersetzung mit seiner Familie und ihrer Rolle im Dritten Reich. Timms Bruder, der bei der SS war, kam nicht mehr aus dem Krieg zurück, so dass eine Auseinandersetzung mit ihm und seinen Gedanken nicht möglich war. Eine solche Familiengeschichte hat sich wahrscheinlich tausendfach in Deutschland zugetragen.
Trotzdem: Mich hat die Sprache des Buches unheimlich genervt, viele unzusammenhängende Sätze. Das Buch liest sich eher wie eine Gedankensammlung in einem Tagebuch. Das mag authentisch sein, gefallen hat es mir aber nicht.

Der Thees schreibt

„Aus kapitalistischer Sicht sind Festivals überhaupt genial. Ein Bekannter von mir erwirbt die Lizenz für den Verkauf von Getränken auf Festivals, welches zu neunzig Prozent natürlich Bier ist. Charmant umschrieben von Sven Regener: „Der Kerl macht im Sommer halb Niedersachsen besoffen!“ Ein anderer Freund von mir verdient sein Auskommen unter anderem mit dem Aufbau und der Instandhaltung der Toiletten auf Rock-Festivals. Ein Job, der mir ähnlich schwierig scheint wie das Leiten einer Nahost-Konferenz.“

Thees Uhlmann in der FAS (freundlich bereitgestellt von Spiegel Online, damit es keine Verwirrung gibt)

J. K. Rowling: Harry Potter and the Half-Blood Prince

So, und da ihr ja eh alle davon ausgeht, dass ich es in die Welt hinausposaunen werde, tu ich es auch: Ich bin durch, hab die über 600 Seiten hinter mich gebracht. Zum Schluss ging`s ganz schnell, denn da wird es ja auch endlich richtig spannend. Auf den ersten knapp 400 Seiten war ich manchmal genervt. Ist ja ok, wenn 16-Jährige sich ihrer pubertären Phase hingeben, allerdings hätte man sich da, liebe Frau Rowling, auch etwas kürzer fassen können, dieses ganze Rumgeknutsche, fürchterlich. Aber wie gesagt, hat mich zwar ein bisschen gestört, allerdings nicht davon abgehalten, in jeder freien Minute der vergangenen Tage weiterzulesen.
Für mich bleibt der vierte Band immer noch der beste, spannendste und überhaupt. So, und nun reicht`s dann auch wieder mit dem Potter-Content.

Scotty ist tot.

Und die dazu wirklich beste Zeile hat meiner Meinung nach die Tagesschau gemacht: Scotty im Alter von 85 Jahren „raufgebeamt“.

Und sonst?

Potter lesen. Erst auf Seite 124.

(Natürlich war das Buch gestern um halb elf in meinem kleinen Heimatörtchen bereits ausverkauft. Aber die nächstgelegene Stadt war um einiges besser bestückt. Hinter mir erstand dann ein Mann um die 40 ebenfalls ein Exemplar. Er sah nicht so aus, als ob er Vater ist.)

Lesen!

Weinende Frauen sind wie saufende Männer.
Harald Schmidt im Weltwoche-Interview (via ix)

Wie man sich eine Exklusivmeldung bastelt, schreibt Christoph Schultheis heute in der taz.