Das erste Mal

Stolz bin ich, wenn ich mit meinen 25 Jahren immer noch Dinge tue, die ich bisher noch nicht getan habe.

Gestern also der Moment, in dem ich mich in einer Videothek anmeldete, um mir einen Film auszuleihen. Denn ich gehöre auch noch zu der Gatte Menschen, die noch nie einen Videorekorder besaßen und sich Filme nur im Fernsehen oder im Kino anschauen. Oder bei Freunden.
Insbesondere in Beziehungen verabscheue ich Videoabende. Schließlich kann man sich mit anderen Dingen beschäftigen. Oder reden.
Als ich dann ungefähr 1 Jahr nach Erwerb des DVD-Players bemerkte, dass ich auch ein so genanntes Scud-Kabel (schreibt man das so?) besitze, dieses mit meinem Fernseher in Verbindung setzte und feststellte, dass ich von nun an in der Lage war, Filme zu schauen, kribbelte es bereits das erste Mal. Aber nein, ich in eine Videothek gehen – irgendwie konnte ich mich mit diesem Gedanken nicht anfreunden.

Und auch der gestrige Gang in eben diese Einrichtung bestätigte meine Zweifel, die ich seit so langer Zeit hegte. Menschen, die vor den Regalen stehen, sich Filmcover anschauen, insbesondere Paare, die sich nicht einigen können, welcher Film sie über den heutigen, ach so gemütlichen Abend bringen soll.

„Och nö – nicht schon wieder so ein Romantik-Quatsch“ – „Kenn ich schon“ – „Muss das heute sein?“ – „Können wir jetzt nicht endlich los?“ – „Och, lass mich doch noch mal ein bisschen gucken…“.
Furchtbar.

An der Kasse angekommen, musste ich die Worte über die Lippen bringen: „Nein, ich bin neu hier“. Woraufhin der junge Mann, der wahrscheinlich gerade einmal 20 Lenze zählte, um meinem Ausweis bat, meine Daten notierte und mir dann eine Mitgliedskarte aushändigte! Nicht ohne mich mit seiner leisen Stimme und gutem Proll-Berliner-Deutsch über die Ausleihmodalitäten aufzuklären. Puh – geschafft. Wieder was gelernt in meinem kleinen Leben.

FILM: Der Stellvertreter

Gestern Abend dann auf DVD dieser Film, und vielleicht liegt es ja an mir, aber ich hatte eben dieses Gefühl bei diesem Film wie bei Luther. Da wurden wiederum viele viele Szenen aneinander gereiht, es konnte keine wirkliche Atmosphäre entstehen. Immer und immer wieder Menschen, die elend lange Treppen besteigen, hinabsteigen, irgendwo ankommen, einige Worte wechseln oder bedeutungsvoll schauen. Oder Züge, die dahintuckern, mit Menschen drin. Immer unterwegs.

FILM: Luther

Ein Film, den ich eigentlich nicht sehen wollte, aber dann doch getan habe. Fehler, meiner Meinung nach. Der Film versucht die komplexe geschichtliche Handlung schnell abzuhandeln – wie gesagt, er versucht es. Ich hatte das Gefühl, dass es ein Aneinanderreihen von Szenen war. Einziger Lichtblick in diesem Film war Sir Peter Ustinov, der selbst, wenn er nichts sagte, eine außerordentliche Präsenz auf der Leinwand hatte. Es reichte, wenn er den Mundwinkel verzog.

FILM: Dogville

Der Film war perfekt. Ein anderes Urteil ist nicht drin. Reduziert auf die wesentlichen Dinge. Das Schauspiel. Das nur angedeutete Setting, was völlig ausreicht, um die Handlung zu verdeutlichen.

Grace (Nicole Kidman) flüchtet vor ihrem Vater, der sie zuvor mit Schüssen verfolgen ließ. Sie gelangt nach Dogville, einem kleinen Dorf in den Bergen. Mit Hilfe von Tom, dem Philosophen des Dorfes und Sohn eines Arzts, will sie in dem Ort bleiben. Dieser macht allerlei Pläne und versucht auf seine Art und Weise die Bewohner des Dorfes davon zu überzeugen, dass Grace bleiben kann.

Zunächst sind die Bewohner offen gegenüber dem Neuankömmling. Doch mit dem zunehmenden Besuch der Polizei wird die Stimmung nervöser, Eifelsüchteleien tauchen auf.

Besonders beeindruckt hat mich das Ende des Films. Obwohl ein Wandel von Nicole Kidman zur Tötungsmaschine à la Uma Thurman in Kill Bill grandioser gewesen wäre. Nacheinander hätte sie jeden einzelnen Bewohner umgebracht. Herrlich wär´s gewesen.

Murakami: South of the border, west of the sun

‚After a certain length of time has passed, things harden. Like cement in a bucket. And we can’t go back anymore. What you want to say is that the cement that makes you up has set, so he you you are now can’t be anyone else.‘

Herbst

Endlich mag ich den Herbst wieder. Durch den Park laufen, durchs dichte Laub schlürfen, in den Himmel schauen, die Bäume bedauern, weil sie so nackt sind.
In Gesellschaft macht der Herbst natürlich noch viel mehr Spaß. Und mit Hund sowieso.
So, wie es gestern war, mag ich den Herbst. Keine depressive Stimmung, obwohl alles grau in grau ist, keine Tränen. Eher ein kribbelndes Gefühl im Bauch. Des Wohlgefallens.

FILM: (In)tolerable Cruelty

Schon lange ist es mir nicht so schwer gefallen, etwas über einen Film zu schreiben. Irgendwie haben die meisten irgendwelche Emotionen ausgelöst, dieser ließ mich erstaunlich kalt. Es war ein Dahingeplätscher. Manche Dialoge waren gut durchdacht und auch witzig. Doch um daraus einen guten Film zu machen, hat einiges gefehlt. Es war von Anfang an klar, dass die beiden sich kriegen würden. Catherine Zeta-Jones verkörperte die geldgeile Zicke. Ich hatte teils das Gefühl sie würde eine schlechte Kopie von Lucy Liu in Kill Bill spielen. Wenn auch ohne Gemetzel. Und es hat seine Gründe, warum ich dazu neige, eine Abneigung gegenüber Filmen zu entwickeln, in denen George Clooney mitspielt. Belanglos.

Motto des Tages (1)

„Mach dich rar und du bist der Star“

FILM: Kill Bill

Der neue Tarantino – alle haben auf ihn gewartet. Und deshalb druckt die einschlägige Presse nicht nur Rezensionen sondern auch gleich jede Menge Interviews. Hohe Messlatte hinter der sich der Film aber keineswegs verstecken muss.

Die Geschichte ist sehr schnell erzählt. Sie (Uma Thurman) wird auf ihrer Hochzeit mit einer Kugel hingerafft, überlebt und begibt sich nach vier Jahren Krankenhauskoma auf einen Rachefeldzug.

Genial ist wirklich, wie Tarantino seine Welt inszeniert. Die Musik ist perfekt auf die Handlung abgestimmt. Die Vermischung von Schwarz-weiß-Szenen und Comic wirken nicht nervend, sondern geben dem Film eben diese gewisse Stimmung, die ich gar nicht weiter beschreiben kann.
Uma Thurman, die ich eigentlich nicht besonders mag, spielt ihre Rolle super, und wirkt auch nicht – wie sonst – wegen ihrer knabenhaften Figur deplatziert.
Grandios spielt Lucy Liu. Eine Schauspielerin, die man viel öfter sehen möchte.

Und obwohl ich normalerweise Filme hasse, in denen nur wild rumgeschlachtet wird, hat mir dieser Film gefallen. Auf seine ganz bestimmte Art.

FILM: Das Wunder von Bern

Nein. Unter normalen Umständen wäre ich niemals in diesen Film gegangen. Nur weil es für die Redaktion Freikarten gab, bin ich mitgegangen. Ein Mitgänger sozusagen. Und das hatte seine Gründe.

Es scheint als ob das einzig wichtige an diesem Film die Tatsache ist, dass wir gewinnen. Mehr nicht. Die restliche Handlung wirkt inszeniert, nur um die 90 Minuten zu füllen, die normalerweise ein Fußballspiel dauern. Das Schicksal einer typisch deutschen Familie: Der heimkehrende Vater, dem das Wiedereingliedern in die Gemeinschaft nicht einfach fällt. Der seinen Sohn nicht kannte, da dieser kurz nach seiner Abreise geboren wurde.

Doch dann beginnt der Film bereits zur Farce zu werden? Warum muss der älteste Sohn unbedingt flüchten? Nach Ostberlin, um dort ein FDJ-Hemd zu tragen. Warum muss der Jungredakteur bei der Süddeutschen Zeitung arbeiten? Und um dem ganzen noch eins drauf zu setzen, seine Frau zu all den wichtigen Fußballspielen mitnehmen? Dass es sie ist, die in den Gesang „Deutschland vor“ anstimmt. Und die wunderbare Geschichte, dass sie bei Sieg für Deutschland die Namen ihrer Kinder aussuchen kann. Dass Vater und Sohn – natürlich gerade noch rechtzeitig – ins Stadium kommen. Und der Kleine natürlich seinem „Boss“ den Ball zuschießt, der daraufhin das alles entscheidende Tor verwandelt.

Ein furchtbarer Film. Auch wenn Fragen bleiben: An welcher Stelle des Filmes musste der Kanzler weinen? Und wollen wir einen Kanzler, der bei einem solchen Film weint?