Mein April #21

Lacht nicht, ich habe mich heute morgen über ein Interview mit Howard Carpendale gefreut. Beim Frühstück im Hotel Zeitung gelesen, Frankfurter Rundschau. Irgendwie war es bisher an mir vorbeigegangen, dass Mr. Carpendale Südafrikaner ist. Er hat ein paar Fragen beantwortet, die bei mir im Kopf offengeblieben waren. Danke, Zeitung.

Den Rest des Tages verbrachte ich im Videotrends-Seminar von Roman Mischel. Sehr spannend. Zwar bemerkte ich, dass ich sehr viele Beispiele schon kannte, diese aber noch einmal durch eine andere Brille wahrzunehmen, Vor- und Nachteile im redaktionellen Alltag zu besprechen und nebenbei immer zu überlegen, ob sowas Ähnliches nicht auch für das eigene Haus eine gute Idee sei, war super.

Was ihm übrigens auch gelungen ist: Meine Vorurteile gegenüber Audioslideshows abzubauen, auch wenn ihm das mit einem Beispiel gelungen ist, dass aus einer Kombination von Audioslideshow mit Videoelementen besteht. Könnt ihr euch das bitte alle mal anschauen und mir Bescheid geben, ob euch das auch so berührt hat? Hier geht’s zu Text und Slideshow.

Ansonsten bin ich immer wieder begeistert, welche Bilder dabei herauskommen, wenn Fotografen Videos drehen. Liegt sicherlich daran, dass sie viel mit ihren Spiegelreflexkameras rumprobieren, die diese tollen Schärfe- und Unschärfeeffekte hervorrufen. Ich glaube aber, dass es vor allem auch an ihrem Auge für das perfekte Bild liegt.

Ein bisschen Lob für unser Videoteam gab es auch. Das hat mich natürlich besonders gefreut. Wir haben da vor einigen Wochen das Format „Lev you“ gestartet, in dem wir junge Bands aus Leverkusen porträtieren. Wer auch mal gucken will, hier der Link zur neuesten Folge. (Direktlink zum Video)

Bahnfahrt war beinahe unspektakulär, bis auf die Tatsache, dass das Bordbistro ausverkauft war. Erst in Köln hat es Nachschub gegeben, was das Personal zu einem sehr zynischen Unterton beim „Hamwanichtmehr“ bewogen hat. Muss gestehen: Machte die sympathisch.

Noch ein Oh-Gott-wie-traurig-Video als Rausschmeißer:

Last Minutes with ODEN from phos pictures on Vimeo.

Mein April #20

Die Strecke zwischen Düsseldorf und Frankfurt ist definitiv zu kurz, um alle liegengebliebenen Mails vom Tag zu beantworten. Kaum hatte ich den Rechner kurz vor Köln-Deutz hochgefahren, fuhr der Zug auch schon in Frankfurt-Flughafen ein.

Foursquare und Gowalla sind in der Android-Version viel cooler.

Das erste Mal in meiner iPhone-Zeit habe ich von der Telekom eine SMS erhalten, die mich darauf hinwies, dass ich nun mit begrenzter Geschwindigkeit surfe. Ich fühle mich ein wenig überführt, ertappt, schiebe aber alles auf das erhöhte Kommunikationsaufkommen während der re:publica. Und fühle mich nun noch überführter, weil da ja so gut wie nie Netz war. Mmpf.

In Darmstadt gelandet. Mein erstes Mal. Der Bahnhof ist um halb neun bereits sehr ausgestorben, ebenso wie der Bahnhofsvorplatz. Auf dem Weg zum Hotel festgestellt, dass die Ampelphasen sehr lang sind. Werde das morgen noch einmal prüfen.

Mein April #19

Das doofe am Tagebuchbloggen ist ja, dass die Einträge, auf die man dann besonders stolz ist, weil man sich den Abend dafür Zeit nimmt. Fotos sichten, kleinrechnen, hochladen, beschriften, auswählen. Text schreiben, nochmal drüber nachdenken, ein paar Details recherchieren und irgendwann dann durchaus stolz auf den „Publizieren“-Button drücken. Weil ich aber auch noch den Sonntag und den heutigen Tag wegbloggen will, landet der Blogeintrag, in den ich Arbeit hineingesteckt habe, ganz unten. Mmpf.

Marzahn

Mein April #18, Rückfahrt

Wer wie ich darauf steht, im Kalten zu schlafen, also so, dass in Temperaturen, in denen man sich ganz tief in seiner Bettdecke vergraben muss und beim Einschlafen seine Nasenspitze unter der Bettdecke wärmt (im Frühling gerne mit Vögelgezwitscher, aber das ist meist der Bonus-Track für den Landbesuch), dem sei das Park Inn als Absteige in Berlin NICHT empfohlen. Weil das Gebäude sehr hoch ist und man offenbar nicht allzu gute Erfahrungen mit offenen Fenstern gemacht hat, gibt es nämlich keine. Und die Klimaanlage ist leider so verhaltensgestört, dass ein Herunterregeln leider nichts bewirkt.

Was für eine Schlange am Berliner Hauptbahnhof. Und der Himmel ist so blau wie schon lange nicht mehr. Dafür kein überfüllter Zug. Yeah. Der Rest im Schnelldurchlauf: Spaziergang, Essen, Polizeiruf, Sendung vorbereitet, Bett.

Mein April #17, marzahn-edition

Marzahn

Ich habe ungefähr neun Jahre meines Lebens in Marzahn verbracht. Ein Satz, der, wenn man ihn jemanden erzählt, gerne mal mit ungläubigen Blicken aufgenommen wird. Marzahn? Das klingt nach Plattenbauten, die auf die grüne Wiese gebaut worden sind, nach Ghetto-Wohnen, nach rechter Szene. Marzahn ist für mich aber auch nach Kindheit. Und wenn ich an Marzahn denke, dann denke ich an mein eigenes Zimmer, unsere Schildkröte Erna, der nahe gelegene Kindergarten, Schulkameraden, nach draußen gehen und immer einen Spielkameraden finden, einen kurzen Schulweg, Versteckenspielen im Elfgeschosser, Tischtennis-Rundlauf. Natürlich kommen irgendwann auch die Gedanken an den Pionierdrill dazu, an Fahnenappell, daran, dass plötzlich keiner mehr mit dir redet, weil deine Eltern einen Ausreiseantrag gestellt haben, dass deine beste Freundin nicht mehr mit dir reden darf (und wir uns daran aber nicht gehalten haben).

Der Samstag führt mich also mal wieder dorthin. Alle paar Jahre eine Stipvisite.

Franz-Stenzer-Straße

Anreise mit der S-Bahn. Die wenigsten hatten ein Auto in dieser Zeit und die Geschichten, dass man selbst auf einen Trabant zwölf Jahre lang warten muss, stimmen. Aber wer braucht in einer großen Stadt schon ein Auto. Die Straßenbahnen fuhren schon damals regelmäßig, genauso Busse und Bahnen. Spätestens an der Haltestelle Springfuhl werden Erinnerungen wach – das Schwimmbad, in dem ich schwimmen lernte, die Bücherei, in der ich mir regelmäßig Mädchenbücher auslieh. Die Station „Karl-Maron-Straße“ wurde umbenannt, heißt jetzt Poelchaustraße. Ich wusste nicht, dass Karl Maron mal Innenminister war. Ich weiß nur noch, dass einer unserer letzten Wege dorthin führte, weil wir dort unsere Unterlagen für die Ausreise erhielten.

Basdorferstraße 30

Es geht entlang der Märkischen Allee zur Basdorfer Straße. Der Flachbau, in dem die frühere Sero-Annahmestelle (Für die Rückgabe von Papier, Glas und Co. gab’s damals Geld) steht seltsamerweise immer noch. In der Basdorfer Straße, da wo früher die Kinder auf dem Spielplatz tobten, herrscht nun eine Stille. Eine Stille, die bedrückend wirkt, wenn man bedenkt, dass um einen herum mehrere hundert Menschen wohnen. Doch: kein Kindergeschrei, nicht einmal ein Auto ist zu hören, stattdessen Vögelgezwitscher.

Schulweg

Natürlich will ich auch meine Schule sehen. Die 25. polytechnische Oberschule „Hans Seigewasser„. Die alte Turnhalle und die ehemalige Cafeteria, noch mehr Flachbauten, stehen noch. Doch meine Schule ist weg. Stattdessen blicke ich auf eine grüne Wiese. Die haben wirklich die Schule abgerissen. Nach der Wende beherbergte das Gebäude noch eine Gesamtschule, seit 2004 ist auch das Vergangenheit.

Schulgelände

Der Rückweg dann über die Marzahner Promenade, die Einkaufsstraße, die mittlerweile ein wenig traurig anmutet. Das neue Einkaufszentrum Eastgate dürfte den Rest der einigermaßen ernst zu nehmenden Geschäfte bald den Garaus machen. Lustiges Detail: Das Tiergeschäft, bei dem wir damals Schildkröte Erna kauften, gibt es immer noch.

Gute Mischung

Bevor es wieder zurück geht noch ein kleiner Spaziergang über den Friedhof auf der anderen Seite der S-Bahn. Auch da werden Erinnerungen wach. Spielen, ein bisschen durch den nahegelegenden Wald streunen, auf dem Weg hin oder zurück haben mein Bruder und ich uns manchmal heimlich eine Ketwurst gekauft. Erinnerungen aber auch an die Vereidigung als Pionier. In der Jetztzeit stehen bei dem Denkmal immer noch frische Blumen und Kerzen. Auch das ist Marzahn.

Denkmal

Der Rest des Tages in Kurzform: Kleid gekauft. Leckerer Kaffee von Dunkin Donuts. Sonnenschein. Pizza essend über verschiedene Hochzeiten gesprochen. Später Bier in einer Kneipe, in der Sascha Lobo Mayor ist. Nachdem ich das bemerkte, lief Sascha am Fenster vorbei. Verrückte Internetwelt.

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Menno. Das erste Mal, dass ich mit dem Tagebuchbloggen in Verzug komme. Dabei gibt es soviel vom Samstag zu erzählen. Nnnja. Morgen abend dann.

Mein April #16, re:publica-edition

Der dritte Tag beginnt für mich mit Götz Werner. Ich hatte den Namen irgendwo schon mal gehört, konnte ihn aber nicht zuordnen und war im Vorfeld der re:publica auch zu faul zum Googeln. Und dass er unter dem Titel „Revolution im Kopf“ über seine Thesen zum bedingungslosen Grundeinkommen referieren würde – frei und in einer beinahe altertümlichen, dafür aber extrem charmanten Art, damit hatte ich nicht gerechnet. Auch wenn ich seine Ansichten dazu nicht wirklich teile, hat er ein paar kluge Gedanken geäußert, über die ich sicherlich noch eine Weile nachdenken werde. Dass wir, wenn wir von unserem Arbeitsplatz sprechen, eher unseren Einkommensplatz meinen. Arbeit muss für jeden Einzelnen einen Sinn haben, ist dies nicht der Fall, sollte man sich eine andere Arbeit suchen. Wir können seiner Meinung nach nur leben, weil andere für uns arbeiten. Schön war auch: „Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe.“ Wie recht er hat.

Nach ihm sprach Miriam Meckel, die ich ebenfalls noch nie bei einem Vortrag beobachten durfte. „This object cannot be liked – über die Grenzen menschlichen Ermessen und das Ermessen menschlicher Grenzen„. Ausgangspunkt für ihren Vortrag war die Tatsache, dass Facebook ihr vor einigen Monaten nicht erlaubt hatte, die Geburtstagstorte für einen Freund zu mögen. „This object cannot be liked“ stand da geschrieben und hat sie zum Nachdenken gebracht. Im Grunde ging es darum, wie die Technik unser Verhalten (auch im Netz) beeinflusst, wie wir Empfehlungen erhalten. Ihr Vortrag war aber auch ein Plädoyer für die Zufälligkeiten, die eben nicht nur auf Empfehlungen basieren und die man (bisher) im Internet auch nicht erzeugen kann, nur berechnen. Sie wagte aber auch einen guten Rundumschlag, ging auf das iPad ein (Sie buche ja auch keine Pauschalreise von Neckermann) und beeindruckte mich aber vor allem mit ihrem klaren Kopf, ihrgen Gedankensprüngen und ihrer überaus sympathischen Vortragsart.

Über „Let’screw up the entire internet to save newspapers“ will ich gar nicht viel sagen, weil ich mich ein bisschen gelangweilt habe, die Runde krankte ein wenig an der Nichtanwesenheit der Leistungsschutzrecht-Befürworter. Auch „Vom Livestream zum Lifestream“ war ein bisschen unspannend, ich wollte aber unbedingt nicht wieder die „Ich-hasse-das-Internet“-Veranstaltung verpassen, weshalb ich da einfach mal durchmusste. Felix und Bov hassten ordentlich und auch sehr pointiert, ich empfehle jeden, sich diese Veranstaltung noch einmal im Video anzuschauen. Das Fazit seines Vortrags wird in diesem Bild eigentlich ganz treffend dargestellt.

Zwischendurch und danach ein bisschen Smalltalk – wobei ich merkte, dass ich des Redens langsam etwas müde wurde. Am Abend meine Twitter-Timeline mit den neuen Gesichtern in meinem Kopf verglichen und bemerkt, dass ich wohl noch ein paar re:publicas benötige, um alle mal kennenzulernen. Irgendwie kann man drei Tage auf einer gemeinsamen Veranstaltung sein und trotzdem eine große Anzahl an Menschen NICHT treffen. Schade eigentlich.

Mein Abendprogramm in der realen Welt brachte einen Spaziergang bei Sonnenschein (Ich verstehe immer noch nicht, warum der Himmel derzeit blau statt rot ist) und ein anstrengendes aber gutes Gespräch mit Dingen, über die ich in den kommenden Tagen erstmal ein bisschen nachdenken muss. Viel zu spät kam ich dann in Kreuzberg an. Dort gutes Essen, Bier und ein schöner Abend. Bei Nacht das Alexa in seiner vollständigen Hässlichkeit betrachtet, beinahe mit der Berliner Jugend aneinandergeraten, die prollig betrunken durch die Gegend zog. Alexanderplatz, du schaffst es echt nicht mehr.

Ach ja, der Palast der Republik ist weg. Übrig ist nur noch eine grüne Wiese. Auch wenn ihr mich auslacht, das macht mich traurig.

(Fotos folgen.)

Mein April #15, re:publica-Edition

Bei vielen anderen endet der Tag dort, bei mir beginnt der zweite Tag re:publica im „Quatsch Comedy Club“. Geert Lovink erzählt über „Web-2.0-Kritik und Politik der Netzkultur“ und gibt einen guten Überblick über all die Debatten, die dazu in den vergangenen Monaten angestoßen worden sind. Einen Satz, den ich mir aufgeschrieben habe: „At least you have intellectual culture here“. Er hat das im Zusammenhang mit Frank Schirrmachers Buch „Payback“ gesagt. Seiner Meinung sei es in den Niederlanden undenkbar, dass ein Medienmacher nebenbei noch eine philosophische Debatte anstoßen würde. Und da wir hierzulande alle dazu neigen, die Dinge negativ zu sehen, musste ich mir diesen Satz aufschreiben.

Ich bleibe sitzen, weil Mark Glaser nun über „US-Media: Tales from the battlefield“ erzählt. Gemeinsam mit Wolfgang Blau und Kristin Zeier bejubeln sie erst einmal die „goldenen Zeiten für den Journalismus“, gestehen sich aber immerhin die „Krise der Businessmodelle“ ein. Später merkt er an, dass es zum einen regionale Unterschiede der Krise gebe, zum anderen aber auch nationale. „People here love print“, ist sein Eindruck. Das wird viele freuen.

Zum ersten Mal konnte ich bei einer re:publica nicht in alle Veranstaltungen gehen. Weil es zu voll war. Mein komplettes Nachmittagsprogramm musste ich deshalb über den Haufen werfen. Deshalb verpasste ich leider „Was am deutschen Internet wirklich hassenswert ist“ mit Bov Bjerg, Jens Scholz, Miss Caro und Co. Dabei hasse ich derweil doch auch sehr gerne.

Ich befürchte, dass es das daran liegt, dass es den Organisatoren bei der Planung ein bisschen an Mut gefehlt hat, die Räume nach Massentauglichkeit der Themen aufzuteilen, stattdessen wurden viele Räume eher nach Wichtigkeit des Themas zugeordnet. Es ist sicherlich total löblich, dass die Veranstaltung „Mobile Activism in Africa“ im großen Saal im Friedrichstadtpalast abgehalten wird. Doch die Ränge waren weitestgehend leer. Zu unrecht, wirklich, denn das Thema war durchaus interessant, obwohl ich, wie ich im Nachhinein erfahren habe, den spannenderen ersten Teil von Sokari Ekine leider verpasst habe. Laut Erzählungen hat sie da ein mobiles Bezahlsystem vorgestellt, mit dem die Nigerianer per SMS Geld überweisen können.

Meine erste Veranstaltung im „Blauen Salon“ der Kalkscheune ist dann „Haha, ich lachte, Bernd!„. Unfassbar viele Fremdschämmomente, die einen guten Eindruck in Teile der Netzsubkultur lieferten. Das beste Zitat von „Bernd“ Lieferts: „Wir sind weniger einflussreich, als man vielleicht denkt.“ Haha, ich lachte, Bernd.

Ansonsten: viel geredet, aber immer noch nicht zu viel. Interview geführt,