FILM: Memento

Manchmal verwundert sie mich doch. Wochenendberichte unter Freundinnen müssen einfach sein. Detailliert wird über wichtige Programmpunkte am Wochenende gesprochen. Was hast du dir beim Shoppen gekauft, was hat der Verkäufer dazu gesagt, warum stand der Liebste draußen vor dem Geschäft und rauchte lieber, anstatt dich beim Anprobieren in der Kabine zu betatschen? Alle, wirklich alle Fragen müssen diskutiert werden. Und so berichtete ich ihr auch, dass ich an diesem Zähne-raus-aua-aua-Wochenende diesen Film geschaut habe.

Nein, wer jetzt glaubt, dass man sich jetzt über die Handlung austauscht, das originelle Drehbuch lobt oder die perfekt aufeinander abgestimmten, unterschiedlichen Handlungsstränge diskutiert, irrt. Mit nur einem Satz kommentierte sie den äußerst ansehnlichen Hauptdarsteller dieses wunderbaren Films: „Bei dem geht mir wirklich einer ab“. Herzlichen Dank, abtreten. Und ganz wichtig: Anschauen.

FILM: 23

Ja, ich habe es an diesem Zähne-raus-aua-aua-Wochenende auch geschafft, Filme zu sehen, bei denen Ton und Bild nicht auseinander liefen. Denn glücklicherweise laufen ja manchmal auch Filme im TV, die man sich durchaus anschauen kann. So geschehen am Freitag. Auf Vox lief 23 und ich schaute hin.

Schaute hin. Und bereute diesen Film nicht schon viel früher gesehen zu haben. Auch weil er nicht schlecht gemacht, spannend erzählt ist. Wirklich bereut habe ich es aber aus einem ganz anderen Grund: Ich habe vor einiger Zeit diesen Koelbl-Film über unseren Popliteraten Stuckrad-Barre gesehen. Und ganz ehrlich, es fällt mir furchtbar schwer, August Diehl in der Rolle des Karl Kochs seinen Kokain-Konsum abzunehmen. Magst ja ein guter Nachwuchsschauspieler sein, aber das üben wir nochmal.

FILM: Laurel Canyon

Die erste Hälfte war ganz ansehnlich. Bis dann irgendwann Ton und Bild auseinanderliefen.

FILM: L’Auberge Espagnole

Das Schöne an den sommerlichen Freiluftkinos ist, dass man viele Filme schauen kann, die man damals, als sie gerade aktuell im Kino waren, verpasst hat. Das Doofe an Freiluftkinos ist allerdings, dass die Auswahl der Filme, die mich interessieren und die ich noch nicht gesehen habe, äußerst begrenzt ist. Den meine filmischen Lücken liegen so viele Jahre zurück, dass auch das Freiluftkino diese nicht schließen kann.

Schön allerdings, dass trotzdem ein Film dabei war und für diesen wunderbaren Abend habe ich sogar eine weitere Premiere gehabt: Mein erster Ausflug ins Ruhrgebiet. Wer nämlich glaubte, dass Düsseldorf da irgendwie auch dazu gehört, der irrt gewaltig. Das ist nämlich im Rheinland.

Aber zum Film: Xavier beschließt aufgrund seiner mangelnden Spanischkenntnisse das schöne Paris zu verlassen und nach Barcelona zu fahren. Dort erlebt er – wie man dem kreischenden Publikum entnehmen konnte – ein typisches Erasmusjahr. Das war hübsch anzusehen, weil der Film wunderbar schnell war, mit schöner Musik unterlegt.

Seltsam allerdings das Gefühl, mit dem ich aus dem Film ging. Ich konnte so viele Dinge nachempfinden, auch wenn ich nicht während meines Studiums im Ausland war, sondern ’nur‘ nach dem Abi ein Jahr in England und doch war ich seltsam distanziert, weil da von einer Welt erzählt wurde, mit der ich erst vor wenigen Monaten abgeschlossen hatte.

Schönheitsfehler hatte L’Auberge Espagnole aber doch. Da schmeißt der Typ seinen Job bei der Europäischen Kommission hin, weil er zu dröge ist und er lieber das machen will, was er sich bereits als kleiner Junge wünschte: Schreiben. Unrealistisch und verträumt kam dieses Ende daher, nicht ohne vorher den Hinweis zu geben, dass er sich ja weder französisch, noch spanisch, sondern irgendwie europäisch fühlt. Irgendwoher mussten ja die Fördergelder für das bunte Spektakel kommen.

Und mein Ausflug ins Ruhrgebiet? Ich weiß nicht. Wenn ich mich an das Publikum erinnere, welches zunächst ewig quatschte, dann an den unmöglichsten Stellen lachte, kann ich nur sagen, dass die noch viel lernen müssen. Zum Beispiel, dass man auch im Freiluftkino das Handy ausschaltet und es nicht lautstark klingeln lässt. Das wäre zumindest ein Anfang.

FILM: The Big Lebowski

Ich könnte mich immer wieder ärgern, dass ich so viele schöne und gute Filme einfach nicht schon im Kino gesehen habe. Dafür musste ich mich diesmal dann über die ewigen Werbeunterbrechungen ärgern. Die erste bereits nach einer Viertelstunde, es kribbelte so sehr, dass ich beinahe abgeschaltet hätte. Hab ich dann aber doch nicht. Und ich bereue es nicht.
Ein bisschen nervend fand ich einzig die Szenen, in denen der Dude ausgeknockt wurde und er dann die verschiedensten Dinge haluzinierte. Ein bisschen lang. Aber was sag ich: Schöner Film, kann man ja auch einfach mal so stehen lassen, ohne Wenn und Aber.

FILM: Being John Malkovich

Wie konnte ich diesen Film damals nur NICHT im Kino sehen? Ich könnte mich dafür immer noch treten.

Craig Schwartz ist Puppenspieler und damit wenig erfolgreich. Er hat eine Frau, die besessen von ihren Tieren ist und diese auch in der gemeinsamen Wohnung hält. Ihr zuliebe sucht er sich einen richtigen Job, einen Job als Archivar im siebeneinhalbten Stock eines Bürogebäudes. Fasziniert versucht er bei seiner Arbeitskollegin zu landen, die ihn, nachdem er seine wahre Berufung kundtut, abblitzen lässt. Zu allerlei Gefühlswirrung sorgt seine Entdeckung: Eine Tür, die direkt in den Kopf von John Malkovich führt. Er offenbart sich seiner Frau, die dieses Spielzeug zugleich ausprobieren möchte und glaubt sehr schnell ihre Zweigeschlechtigkeit entdeckt zu haben. Mit seiner Arbeitskollegin vermarktet er sehr bald den Trip in John, der bei dem ganzen Verkehr in seinem Kopf sehr schnell merkt, dass irgendetwas mit ihm nicht stimmen kann.

Was wäre, wenn? Ja, wenn wir in der Lage wären, in den Körper eines anderen zu schlüpfen. Ihn beherrschen könnten, ihn so beeinflussen könnten, dass er nur die Personen liebt, die wir auch lieben. Eine ähnliche Geschichte kam vor einigen Monaten mit „Vergiss mein nicht“ ins Kino, dem – unverkennbar – ebenfalls ein Charlie-Kaufman-Skript zugrunde lag.

Schön aber auch, dass die Moral eine ähnliche ist: Wahre Liebe kann man nicht erzwingen. Und das ist doch ein schönes Schlusswort für einen verregneten Sonntag.

FILM: The Stepford Wives

Wer in diesem Sommer noch einen Film auf seiner Muss-ich-sehen-Liste braucht, der ganz unten stehen soll, also die Notlösung, wenn sonst nichts Gutes mehr kommt und die Sonne auch weiterhin nicht vor den Wolken hervorkriecht, dann seid ihr in diesem Film ganz, ganz hervorragend aufgehoben. Wirklich gelernt habe ich aber, dass Nicole Kidman ein wunderbar verständliches Englisch spricht. Nur mal so am Rande.
Und bevor Ihr dann doch ins Kino rennt, lest diese Kritik. Reicht völlig.

Robert Smith

Vorhin das erste Mal das neue Cure-Video gesehen und eine seltsame Reportage zum Entstehen des Albums. Ein lachender Robert Smith. Lange überlegte ich, zu welchem Zeitpunkt ich diesen düsteren Herren zuletzt habe lachen sehen. Bei den ganzen alten Aufnahmen dachte ich darüber nach, wie der Herr Smith das eigentlich mit seinen Haaren hält. Früher, bei ‚Why can’t I be you‘ trug er sie kurz. Und wild. Jetzt sind sie lang, voller Haarspray, wild zurecht gezupft und schwarz wie eh und je. Ob der Mann auch dann so rumläuft, wenn er mit seinen Neffen und Nichten spielt und ihnen aufträgt, mal ein paar Bilder für sein neues Album zu malen? Oder ob er in seiner Heimat schnoddrig mit Jeans, Turnschuhe und Zopf über die Straßen schlurft, auf in den Supermarkt, die Milch ist alle, und was sollen die Kleinen sonst morgen früh zum Frühstück essen.

Dachte sie und machte sich, in Jeans und ohne Zopf auf, für die Verpflegung der nächsten Tage zu sorgen. Denn was soll die Kleine morgen früh verspeisen.

FILM: Muxmäuschenstill

Irgendwie hinterlässt dieser Film bei mir vor allem Wut. Wut auf die Menschen. Es gibt so viele Verrückte auf den Straßen, die Tag für Tag irgendwelche Scheiße anstellen, kleinere und größere Straftaten. Das ist die eine Seite. Andererseits gibt es aber verdammt viele Menschen auf den Straßen, die sich „verantwortlich“ fühlen. Sie wollen die Welt retten und klagen andere Menschen dafür an und bestrafen diese mit einer Selbstverständlichkeit, mit der sie nicht einmal sich selbst richten. Und es gibt sie, diese Menschen, die sich über diese Sachen noch amüsieren, sitzen im Kino, lachen sich tot, wenn da einer völlig über die Stränge schlägt, einfach mal einen Typen fast um sein Leben bringt, weil dieser eine Wand besprüht hat. Recht so! Recht so? Was bleibt: Es gibt verdammt viele Idioten. Gut gemacht, Herr Mittermeier.

Nein danke, Anke?

… schreibt Herr Mohr gerade bei Spiegel Online. Er habe genug von ihr, würde sich sogar gern schützend vor sie stellen, damit sie nicht verheizt werde. Selbst Kritiken schreiben über Anke Late Night mache keinen Spaß mehr.

Irgendwie nerven sie mich langsam. All die Kritiker, die ständig nur schreien, dass Late Night nur von einem gemacht werden könne, dass Anke Engelke der nötige Zynismus fehle, dass sie einfach nicht in dieses Fach passe. Ja, auch ich bin bekennende Schmidt-Guckerin gewesen, würde auch heute noch den Spruch von seiner Nachfolgerin „Harald ist Gott…“ unterschreiben. Aber: Er ist weg. Macht Urlaub und sucht nach neuen Herausforderungen. Das ist in Ordnung und gerade deshalb sollte man anderen eine Chance geben. Es wird niemals jemanden geben, der Late Night so wie er machen kann. Nie.

Ich habe in den vergangenen Wochen immer mal wieder in ihre Sendung geschaltet und fand, dass sie von Mal zu Mal besser geworden ist. Nicht so politisch, bissig, aber lockerer und mit spontaneren Sprüchen – hat sie sich gestern nicht sogar über einen ihrer blöden Gagschreiberwitze lustig gemacht? Wirklich gut fand ich das Interview mit dem Herrn Küblböck, in dem sie ihn nicht nur direkt fragte, wie er denn seine Musik finden würde. Es war amüsant.

Gebt der guten Frau doch noch ein bisschen Zeit, die Quoten können nach dem Sportsommer auch wieder steigen und bis dahin hat Anke genügend Zeit, sich selbst zu finden. Auch wenn das Publikum ein kleineres ist. Oder vielleicht gerade.

Falls sie dann immer noch schlecht ist, könnt ihr sie ja gerne tot schreiben. Und dann ersetzen. Aber Harald wird so schnell nicht wiederkommen, glaube ich. Und was könnte die Alternative sein?