Magst du Veränderungen?

Neulich in einem Workshop: Brainstorming für mögliche Themen in einem Unternehmensblog. Idee: Was durch Corona anders geworden ist – vor allem in der Zusammenarbeit im Unternehmen. Eine potenzielle Überschrift entsteht: Was das Home Office verändert hat (und weiter verändern wird). Reaktion eines Teilnehmers: Das klingt aber negativ. Mein Gedanke: spannend. Denn eigentlich sollte es in dem Text darum gehen, welche Chancen und neuen Ideen entstanden sind.

Während die einen erwarten, dass nun eine Vielzahl von Chancen und neuen Ideen aufgelistet wird, sehen die anderen Veränderung im schlimmsten Fall als Bedrohung der eigenen Gewohnheiten. Werde ich wieder einen Arbeitsweg haben und wann? Mit den Kolleg:innen aus den anderen Teams in der Kaffeeküche quatschen? Auf einen Netzwerkabend gehen? Wie kann ich mit meinen Arbeitsergebnissen sichtbar werden, ohne die physische Begegnung? Kopfkino pur.

Wie kommt es, dass die einen Veränderungen durch Corona oder natürlich Automatisierung und Digitalisierung als negativ wahrnehmen, andere aber nicht und diese sogar freudig vorantreiben? Sicherlich liegt das an Vorerfahrungen, aber eben auch an anderen Dingen. Vor ein paar Wochen habe ich mich mit dem Graves-Modell auseinander gesetzt, einigen vielleicht eher unter dem Begriff Spiral Dynamics bekannt. Der Begründer, Clare Graves war Psychologieprofessor und beschäftigte sich u.a. mit der Frage, warum Menschen wie reagieren (sehr verkürzte Darstellung, I know). Sein Modell geht davon aus, dass der Mensch Aktionssysteme bildet, die abhängig sind von der individuellen und kulturellen Hintergründen des Menschen. Wer sich näher damit beschäftigen will, dem empfehle ich einen Blick in die Originalliteratur oder einschlägige Managementbücher.

To make a long story short: Bei der Recherche zu dem Thema fand ich ein paar Leitsätze von Clare Graves, in denen ich mich in meiner Arbeit in Redaktionen und Unternehmen wiederfand und die ich gerne mit dir teilen möchte:

„Jeder hat das Recht, so zu sein, wie er ist. Lehre Menschen, die Qualität ihrer Arbeit zu erhöhen, indem du ihren Denkweisen gerecht wirst und nicht von dir selbst ausgehst.”

„Erleichtere Veränderung und gib Unterstützung für die, die Veränderung wählen. Bestrafe die übrigen nicht, für das, was sie sind (und bleiben wollen).”

Spannend – das werde ich also weiterhin denken, wenn jemand mit einer negativen Grundhaltung auf das Thema Veränderung reagiert und dann mit der Arbeit beginnen.

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Das neue Normal – wie lange noch?

Gestern bei der Einschulung meines Sohnes war er wieder da, dieser Moment: Die Direktorin der Schule begrüßte die Familien der Erstklässler, freute sich alle zu sehen und entschuldigte sich dann sofort, dass wir ja nun heute auf dem Schulhof im Freien seien und nicht wie sonst in der großen Kirche mit allen Erstklässler und deren Familien. Dass die Drittklässler nicht singen würden wie sonst, sich aber auch was Schönes ausgedacht hätten. Dass es eben eine besondere Situation sei. Rechtfertigungen für Dinge, mit denen viele der Anwesenden gar nichts anfangen konnten, weil sie die alte Situation ja gar nicht kannten, aber hier sofort den Eindruck bekamen, dass das hier nur eine Notlösung, nichts richtig Besonderes sei. Meine liebe Kollegin Kerstin Hoffmann nennt das in ihrem Video gerade die Entschuldigungsfalle.

Bewusst oder unbewusst lenkte die Direktorin also die Aufmerksamkeit auf all die von ihr empfundenen Defizite, weil sie es so in den vergangenen Jahren so gemacht hatte und ungewohnt war. Für mich allerdings und ich denke für viele andere und vor allem für die Kinder war dieser Moment ein besonderer. Wir saßen auf dem Schulhof unter dicken Bäumen, die Schatten spendeten, wir erlebten einen feierlichen Moment, in dem unsere Kinder voller Stolz ihre Schultüten hielten und gemeinsam mit der Klassenlehrerin gemeinsam die Schule betraten und danach freudestrahlend verkündeten, sogar schon Hausaufgaben zu haben. Für mich passte das alles ganz wunderbar und ich fand es sogar besser als in der überfüllten Kirche zu sitzen. Die Situation hatte also sogar Vorteile!

Und das ist ja kein Einzelfall. Online-Seminare und digitale Workshops wurden in den vergangenen Monaten – oft zu unrecht – als Notlösung verkauft, obwohl sie bei guter Vorbereitung und Anpassung von Tools und Methoden einen mindestens genauso großen Nutzen haben. Eine eigentlich in Präsenz geplante Fortbildung schaffte durch die digitalen Räume eine noch viel größere Intimität und intensive Momente, die im realen Zusammentreffen gar nicht möglich gewesen wären.

Viele sprechen vom neuen Normal, aber nur in der Abgrenzung zum alten und in der Abwertung des Neuen. Dabei haben die vergangenen Monate doch gezeigt, dass wir uns sehr gut anpassen können. Und das nicht nur, wenn wir es müssen. Wenn wir ehrlich sind, gab es doch bei vielen eben diese Momente, die gezeigt haben, dass es sich auch lohnt, Veränderung zu wollen.

Inspirieren wie Kafka

Ich bin in meiner Sommerpause, war an der Nordsee, um etwas genauer zu sein, mitten im Grün. Wenn ich aus dem Küchenfenster schaute, sah ich ein Kornfeld, Weizen um genau zu sein. In der Ferne sah ich den Deich und manchmal fuhr dort ein „Turm“ vorbei, der zu einem der großen Schiffe gehörte. Für mich war das in diesem Jahr nicht nur ein Sommerurlaub, sondern auch eine Reise zurück in die alte Heimat, denn hier habe ich meine Jugend verbracht, Abitur gemacht.

Apropos Abitur, mein Deutsch-Abitur habe ich über Franz Kafka geschrieben, den ich in den vergangenen Wochen wiederentdeckt habe. Grund: Nachdem ich im Buchladen gehört hatte, dass dort das Buch „Die Kakerlake“ von Ian McEwan empfohlen wurde, in dem eine Kakerlake in den Körper des britischen Premierministers Jim Sams schlüpft, um mal eben das Wirtschafts- und Gesellschaftssystem umzudrehen. Wer Satiren mag, wer wissen will, wie die Kakerlake das anstellt und welche Rolle die deutsche Bundeskanzlerin dabei hat, dem empfehle ich die Lektüre.

Du ahnst nun vermutlich bereits, was das ganze mit Kafka zu tun hat. Denn vor knapp 100 Jahren ist „Die Verwandlung“ erschienen, in der ein junger Mann namens Gregor Samsa sich in einen Käfer verwandelt und das Leben seiner Familie sagen wir mal vorsichtig ziemlich durcheinander bringt.

Was mich nach der Lektüre so beeindruckt hat? Vor allem die Kraft, die ein 100 Jahre altes Buch noch haben kann, so dass selbst Autoren wie Ian McEwan diese in ihren aktuellen Werken huldigen. Die Aktualität, denn Kafka spricht Dinge an, die uns natürlich auch heute noch beschäftigen und die durch die Corona-Krise aktueller denn je erscheinen. Welche Rolle spielt Familie in deinem Leben? Was ertragen wir, weil Familienmitglieder hinter bestimmten Handlungen stecken? Welche Rolle spielt Arbeit in deinem Leben? Welche Werte sind dir wichtig und wie sehr vertrittst du sie auch sichtbar?

Eine Frage beschäftigt mich seitdem besonders: Wäre es nicht ebenso faszinierend, wenn es dir gelingen könnte, heute einen Inhalt zu erschaffen, ein Produkt, das deine Nachfahren noch in 100 Jahren inspiriert? Oder müssen wir das auch dann noch Kafka überlassen?

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Der Sinn von QR-Codes – endlich entdeckt!

Wusstest du, dass es den QR-Code schon seit 1994 gibt? Laut Wikipedia wurde er zur Markierung von Baugruppen und Komponenten für die Logistik in der Automobilproduktion von Toyota entwickelt. Ebenfalls dort zu lesen ist, dass die Erfinder 2014 mit dem Publikumspreis des Europäischen Erfinderpreises ausgezeichnet wurde. Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber bisher hat mir der QR-Code keine Vorteile gebracht. Vielmehr war ich mal genervt, wenn eine Zeitschrift mich mit Hilfe des kryptischen Codes auf seine Webseite locken wollte. Oder fragte mich, ob es auf großen Out-of-Home-Plakaten nicht sinnvoller wäre, die Website gut leserlich draufzudrucken, als zu hoffen, dass ich an viel befahrenen Straßen eine Vollbremsung hinlege, um mir den QR-Code abzufotografieren. 

Es mussten einige Jahre ins Land gehen, bis endlich ein Use Case entstanden ist, an dem auch ich verstehe, wie nützlich ein QR-Code sein kann. Denn einige Restaurants, die ich gerne in der Mittagspause besuche, sind dazu übergegangen, das Hinterlassen der Kontaktdaten zur Nachverfolgungen von Infektionsketten per QR-Code zu regeln. Auf Tischen liegen also nicht Formulare, die es auszufüllen gilt, sondern QR-Codes, die jeder abfotografieren und danach direkt das Online-Formular ausfüllen kann. Herrlich einfach, wenn du deine Daten dann noch per Autofill eingibst. 

Nutzt du QR-Codes und schüttelst den Kopf, wie ich deren Sinn erst jetzt erkennen konnte? Dann schreib mir gerne. Ich lerne gerne dazu.

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Twittern wie Ruprecht Polenz

„Wenn man die Menschen, die einen gewählt haben, ordentlich vertreten will, muss man sich auch ein Bild von deren Lebenswirklichkeit machen“ – das waren die Worte, die der ehemalige Bundestagsabgeordnete Ruprecht Polenz am Dienstagabend wählte. Der 74-jährige Goldene-Blogger-Gewinner in der Kategorie „Newcomer“ war im „Goldene Blogger Quartett“ zu Gast. Da er selbst – damals schon coronabedingt – nicht anwesend sein konnte, habe ich mich sehr gefreut, als er auf unsere Anfrage per Twitter-Direktnachricht sofort zusagte.

Und natürlich sprachen wir über sein Twitter-Engagement. „Jeder sollte eine Stunde am Tag mit den Menschen in sozialen Medien sprechen“, empfiehlt er seinen Politikerkolleginnen und -kollegen. Und ganz nebenbei gibt er jede Menge Tipps, wie er Twitter verwendet und wie das Netzwerk zu einem geschätzten Rückkanal werden kann. Ich erlaube mir, diese Punkte hier in seinen bzw. meinen Worten zusammenzufassen. Twittern wie Polenz – los geht’s.

Warum Polenz auf Twitter ist: Warum Ruprecht Polenz in die Politik gegangen ist? Um zu gestalten, mindestens genauso wichtig, sei es ihm aber schon immer gewesen, Menschen von dem zu überzeugen, von dem er selbst überzeugt gewesen ist. „Wenn man das will, muss man mit den Menschen reden.“ Gleichzeitig habe er schon früh festgestellt, dass sich sein Leben als Bundestagsabgeordneter sehr stark von dem Leben anderer unterscheide. Noch eins ist ihm wichtig: Er will Artikel, die er gut findet, zu mehr Sichtbarkeit und Reichweite verhelfen.
tldr: Überlege Dir, was Du auf Twitter erreichen möchtest – dann ist es wahrscheinlicher, dass Du dran bleibst.

Wie Polenz seine Argumente verbreitet: Wer durch Polenz‘ Twitterstream scrollt, der wird feststellen, dass es dort viele ähnliche, wenn nicht sogar komplett wortgleiche Tweets gibt. Das kommt, weil er seine Argumente mehrfach postet – in jeden Diskussionsstrang, den er wahrnimmt. Und auch wenn das für einige seiner Follower seltsam erscheinen mag, verdeutlicht es, wie wichtig es ihm ist, seine Argumente zu teilen.
tldr: Überlasse es nicht dem Zufall (oder dem Algorithmus), dass deine Argumente gefunden werden.

Wie Polenz Twitter versteht: Schon auf Facebook habe er sich nicht gescheut, in den Dialog mit den Menschen zu gehen – zu Sarrazin, Flüchtlingen und anderen Themen diskutierte er mit. Immer und immer wieder. Twitter, Facebook, ja, soziale Medien seien für ihn „dialogische Medien“. Es mache keinen Sinn, diese nur als Sendekanal zu verstehen oder zu hoffen, dass das, was du postest, in diesem Moment auch alle anderen interessiert. „Nicht du entscheidest, ob ein Thema gerade relevant ist, sondern oft die anderen. Man muss sich drauf einlassen, auch über Themen zu sprechen, über die die anderen gerade sprechen.“
tldr: Auf sozialen Medien werden Dialoge geführt. Jeder hat die Möglichkeit zum Agendasetting. Lass dich darauf ein.

Wie Polenz Twitter zur eigenen Meinungsbildung nutzt: 600 bis 800 Kommentare bekomme er täglich, auf Twitter und Facebook, erzählt Polenz. „Ich lese nicht jeden, aber ich schaue mir an, was zu meinen Posts und Tweets gesagt wird.“ Die Rückmeldungen interessieren ihn, um „Argumente anders zu formulieren und was dazuzulernen. Wenn ich das Gefühl habe, missverstanden worden zu sein. Ich lerne sehr viel durch diese Diskussionen“, sagt er.
tldr: Es gibt immer mehrere Perspektiven. Höre gut zu.

Was Polenz durch seine Twitterei (immer noch) lernt: Obwohl Ruprecht Polenz bereits 2015 den Twitter-Account einrichtete, legte er erst 2019 los. Die Erweiterung der Zeichenzahl auf 280 habe dabei geholfen. Nun trainiere er, schnell(er) auf den Punkt zu kommen und noch präziser zu formulieren.
tldr: Schnell auf den Punkt kommen kannst du lernen. Zum Beispiel mit Twitter.

Wie Polenz von Twitter überzeugen will: Seit längerem versuche er Kolleginnen und Kollegen mit einem politischen Mandat davon zu überzeugen, soziale Medien zu nutzen, „um mit Menschen im Gespräch zu sein. Nicht nur mit denen, die sie wählen, sondern darüber hinaus. Ich finde, das gehört dazu.“ Viele sagen, dass sie für Twitter keine Zeit haben, dafür aber kein Schützenfest auslassen. Für Polenz eher eine Frage der Effizienz. Sein Argument: Während er dort oft wenige Menschen gleichzeitig erreiche, fange er bei Twitter mit einem Tweet bereits mit ein paar hundert gleichzeitig an.
tldr: Wenn Du einen Job hast, in dem Kommunikation eine Rolle spielt, solltest du auch digital ins Gespräch kommen.

Das komplette Gespräch kannst du dir hier anschauen.

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Wie digital ist Deutschland wirklich?

Wie digital ist Deutschland? Wenn ich da in meinen eigenen Freundes- und Bekanntenkreis schaue, dann antworte ich darauf: sehr. Gerade in den vergangenen Wochen ist Deutschland in vielen Kreisen ein bisschen digitaler geworden, Social-Distancing, Homeoffice und Co. sei dank. Doch um einen umfassenderen Blick zu erhalten, gibt es glücklicherweise Umfragen, Studien und so weiter. Einen Blick gestattet zum Beispiel der Digital-Index der Initiative D21, für den seit 2013 jährlich 20.500 Menschen in Deutschland befragt werden. Laut dieser Befragung sind 86 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahren online. Doch es gibt dann doch einen nicht unerheblichen, wenn auch sinkenden Anteil der Bevölkerung, die diese Entwicklung nicht unbedingt mitgehen.

14 Prozent gehören zu den so genannten Offliner:innen. Warum diese Menschen das Internet nicht nutzen? Fehlendes Interesse, zu hohe Komplexität und mangelnder Nutzen sind nach wie vor die Hauptgründe, so die Studie. Und wenn man sich das Profil der „Offliner:innen“ einmal anschaut, dann sind sie im Schnitt 71 Jahre, weiblich und haben einen Haupt- oder Volksschulabschluss. Und das, weil diesen Menschen bisher der Nutzen immer noch nicht klar ist, weil ihnen die Funktionsweise nicht gezeigt wurde oder weil die Bedienung einfacher sein müsste. Alles Dinge, die vermeintlich einfach zu lösen sein müssten. Findest du nicht?

Und auch der Anteil der so genannten Digital Mithaltenden ist mit 38 Prozent ziemlich groß. Und Bewegungen in den unterschiedlichen Clustern sind zwar erkennbar, aber für die Schnelligkeit der derzeitigen Entwicklungen doch immer noch gering. Das liegt zum größten Teil an uns selbst. Gerade einmal 50 Prozent der Befragten ab 14 Jahren geben an, daran interessiert zu sein, ihr Wissen im Bereich Computer, Internet und digitale Themen auszubauen. Ein Trauerspiel, könnte man sagen. Zumal die meisten auch nicht bereit sind, dafür Geld zu investieren. Sie bringen es sich entweder selbst bei, fragen Freunde oder Bekannte, alles Dinge, die unter das informelle Lernen fallen. Formell wird fast nur gelernt, wenn es der Arbeitgeber finanziert. Die Bereitschaft, sich auf eigene Kosten weiterzubilden, ist gering. Wenn hier also mehr geschehen soll, sind Unternehmen und Institutionen gefragt. Auch wenn das Vertrauen in eben diese recht gering ist. Gerade einmal 36 Prozent meinen, dass Schulen notwendige Digitalisierungsfähigkeiten vermitteln.

Fazit: Trotz stetiger Weiterentwicklung ernüchternde Zahlen. Dabei sollten wir doch gerade jetzt endlich mal richtig Gas geben.

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Die spannendsten Erkenntnisse aus dem Digital News Report 2020

Einmal im Jahr erscheint der Digital News Report vom Reuters Institute und es ist ein wunderbarer Rundumschlag, wie es der Medienbranche, wie es dem digitalen Journalismus so geht. Du kannst Erkenntnisse darüber gewinnen, wie Medien konsumiert werden, wie erfolgreich Geschäftsmodelle sind und welche Trends es in den unterschiedlichen Ländern gibt – um eben daraus auch Schlüsse für die eigene Strategie zu gewinnen. Die Corona-Pandemie hat da bestimmte Trends noch einmal verschärft und viele Geschäftsmodelle kurzfristig unter Druck gebracht. Eine der Kernerkenntnisse: Langfristig werden die Publisher erfolgreich sein, die eine starke und tiefe Verbindung zu ihren Zielgruppen aufbauen – mit neuen Formaten und Produkten, die Treue und Engagement fördern wie personalisierte Newsletter oder Podcasts. Nicht neu, aber schön das auch hier mal wieder zu lesen. Mein Fazit: Medien müssen jetzt erst recht so richtig Gas geben.
Die aus meiner Sicht zehn spannendsten Fakten aus dem Report.

1. Die Corona-Pandemie hat den Medienkonsum digitalisiert – TV-Nachrichten und Online-Newsquellen stillten das Informationsbedürfnis. Gleichzeitig ist der Konsum von gedruckten Zeitungen gesunken – die digitale Zukunft ist nun also noch ein bisschen näher gerückt. Sprich: Die Digitalisierung der Medien wurde noch einmal beschleunigt.

2. Nachdem die ARD/ZDF-Massenkommunikationstrends im vergangenen Herbst ja eine Abkehr vom Lesen hin zum Hören und vor allem Sehen von Nachrichten attestiert hatten, zeigt der Digital News Report immer noch eine deutliche Dominanz des Lesens. 58 Prozent bevorzugen es, Nachrichten im Internet zu lesen, 26 Prozent schauen Videos und 7 Prozent hören. Hinsichtlich dieser Verteilung gibt es kaum Unterschiede zwischen den Altersgruppen.

3. Der Nachrichtenkonsum ist noch mobiler geworden: 58 Prozent der befragten Internetnutzer ab 18 Jahren verwenden das Smartphone auch, um Nachrichten im Internet zu lesen, zu schauen oder zu hören (2019: 56 Prozent).

4. In vielen Ländern ist die Zahlungsbereitschaft für Online-Nachrichten gestiegen – weil sie der Meinung sind, dann bessere Informationen zu erhalten. Allerdings ist eine große Anzahl an Menschen zufrieden mit den Inhalten, die zur freien Verfügung stehen. Rund die Hälfte sagt, dass es für sie kein Argument gäbe, online für Nachrichten zu bezahlen.

5. Zehn Prozent der in Deutschland befragten Teilnehmer:innen geben an, dass sie im vergangenen Jahr für Online-Nachrichten bezahlt haben. Das entspricht einem Anstieg von zwei Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr und ist der höchste Wert, der seit 2013 gemessen wurde. In Norwegen liegt der Anteil im Vergleich bei 42 Prozent, in den USA bei 20 Prozent, in Frankreich wiederum bei zehn Prozent.

6. Gerade die Lokalzeitungen hat es durch die Corona-Pandemie stark getroffen. Allerdings geben 54 Prozent der Deutschen geben an, dass sie ihre Lokalzeitung vermissen würden, wenn es sie nicht mehr gäbe – in keinem anderen Land ist dieser Wert höher. 79 Prozent der Internetnutzer ist in Deutschland ist der Ansicht, dass ein unabhängiger Journalismus für das Funktionieren einer Gesellschaft wichtig ist.

7. Die Sorge vor Fake News im Internet ist in Deutschland mit 37 Prozent vergleichsweise schwach ausgeprägt.

8. Bei den Social Networks prescht Instagram als Newsquelle vor allem für die jüngere Generation voraus. In Deutschland gaben 38 Prozent der 18- bis 24-Jährigen an, Instagram in der vergangenen Woche für den Nachrichtenkonsum genutzt zu haben. In der Gesamtbevölkerung dominiert Facebook.

9. Auch wenn soziale Netzwerke für viele als Newsquelle dienen, der Anteil derer, die sich selbst aktiv an der Nachrichtenberichterstattung beteiligen ist gering: Elf Prozent teilen regelmäßig Nachrichtenbeiträge in sozialen Medien und zehn Prozent kommentieren auch.

10. Der Podcast-Hype ist in Deutschland nicht so ausgeprägt wie in anderen Ländern, trotz steigender Zahlen.

Wenn dir das alles nicht reicht, hier der Link zum gesamten Report.

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Digitale Abos: Haltbarkeitsdatum abgelaufen

In den vergangenen Wochen gab es aus der deutschen Medienbranche viele Jubelmeldungen: 10.000 neue Plus-Abonnenten bei der FAZ in nur einer Woche, 8000 zusätzliche Digitalabos bei Stuttgarter Zeitung und Nachrichten, DIE ZEIT verkündete eine Verdopplung der Neuabonnenten im Vergleich zum besten Monat in 2019 und auch Madsack freute sich über fünfmal so viele Digitale Plus-Abos pro Tag wie sonst. Endlich Hoffnung könnte man meinen.

Doch so einfach ist es natürlich nicht, Menschen für ein Digitalabo zu begeistern, die vor allem wegen eines Themas bereit waren, Geld auszugeben. Denn wer sich für Corona und die (direkten) Auswirkungen interessiert, der interessiert sich nicht zwangsläufig für die aktuellen Entwicklungen der Kommunalpolitik oder des ansässigen Fußballvereins.

Und obwohl es eines der wichtigen Themen des diesjährigen Paid Content Summit bei Axel Springer war, beschäftigen sich immer noch viel zu wenige damit, wie sie ihre gerade gewonnenen Abonnenten am geschicktesten bei der Stange halten, die sogenannte Haltbarkeit erhöhen.

Beispiel gefällig? Vor ungefähr drei Wochen habe ich ein digitales Probe-Abo bei einem Regionalverlag abgeschlossen. 30 Tage Testphase und so. Und nun rate mal, wie häufig besagte Medienmarke seitdem versucht hat, mit mir in Kontakt zu treten. Richtig. Kein einziges Mal. Kein Morgen- oder Abendnewsletter, kein Begrüßungsschreiben des Chefredakteurs, kein Hinweis auf Updates zu besagtem Thema, weshalb ich das Abo abgeschlossen hatte.

Offenbar ist es immer noch einfacher, Subventionen durchzudrücken, als das mit dem digitalen Geschäftsmodell mal ernsthaft zu probieren.

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Rutger Bregman: Im Grunde gut

Lies das Buch „Im Grunde gut“ von Rutger Bregman oder höre es. Es ist eine wunderbare Reise durch unsere Geschichte. Es geht um Vorurteile und Vorannahmen, die wir treffen, die von vielen Seiten – und Bregman kritisiert dabei immer wieder die Rolle der Medien – verstärkt werden. Am beeindruckendsten war für mich eines der letzten Kapitel: Bregman beschreibt von einer Begebenheit aus dem ersten Weltkrieg, Weihnachten 1914, und wie dort Soldaten, die sich am Tag zuvor noch bekämpft haben, gemeinsam Weihnachten gefeiert haben. Weil sie gemerkt haben, dass die andere Seite ja doch nicht so schlimm und böse gewesen ist, wie ihnen immer vermittelt worden war. Bregman verweist dort auch auf eine BBC-Reportage (Ich finde gerade nur das hier).

Das Buch ist wichtig, gerade auch in den heutigen Zeiten, in denen der Ton in den sozialen Netzwerken rau geworden ist. Die Politik des Wegschauens ist keine gute. Nur wenn wir in den Kontakt mit dem Fremden gehen, können wir Vorurteile abbauen. Die Einstellung, die Bregman progagiert, im Zweifelsfall vom Guten auszugehen, oder zumindest von der positiven Intention, kann dabei hilfreich sein. Also: gutes Buch, lesen lohnt sich.

Goldene Blogger Quartett: Ein Gespräch mit dem Volksverpetzer

Es gibt sie die Helden im Internet. Die, die Fakten aufdecken, Verschwörungstheorien aufklären, gegenhalten. Einer davon ist Thomas Laschyk. Er betreibt seit 2015 das Blog Volksverpetzer. Während er sich damals vor allem mit Unrichtigkeiten und Stimmungsmache in Bezug auf Geflüchtete und Politik beschäftigt hat, ist er seit einigen Wochen nun damit beschäftigt, verdrehte Fakten rund um die Corona-Pandemie aufzuklären. Und davon gibt es derzeit genug. Die Themen werden abgedrehter, sagt Laschyk und auch, dass es gefährlicher werde. In seinem aktuellen Instagram-Post erklärt er, dass er noch nie so viele Beleidigungen, Hassmails und Bedrohungen erhalten habe wie derzeit. 

Eine Stunde lang sprechen wir in unserem „Goldenen Blogger Quartett“ mit Thomas Laschyk. Wie alles entstanden ist und darüber, wie es weiterging und was passierte, nachdem der Volksverpetzer im März zum Blogger des Jahres gewählt wurde.

Wir sprechen darüber, wie Social-Media-Kanäle zu Brandbeschleunigern werden können. Das ist nicht neu, nur dass der Messengerdienst Telegram dabei mittlerweile eine größere Rolle spielt. Messengerdienste fungieren dabei quasi als ‚Hochfrequenznewsletter’ – was für ein treffender Begriff. 

Verschwörungstheorien machen süchtig, sie reduzieren Komplexität, wecken gleichzeitig den Spieltrieb, Rätsel werden gelöst, Menschen wollen mehr davon. Nur eine gute Geschichte gibt den richtigen Kick. Sie leisten einen Beitrag, das Leben zu meistern, geben Orientierung. Und für alle Internetkritiker: Verschwörungstheorien gibt es schon immer, das Internet begünstigt nur die Verbreitung. 

Laschyk setzt sich mit seinem Team tagtäglich mit diesen Phänomenen auseinander, recherchiert, be- und widerlegt und hält aus. Das kommt auch in unserem Gespräch rüber. „Es ist in Ordnung, pointiert zu sein“, sagt er ganz nebenbei und beschreibt dabei ganz nebenbei, wie gutes Storytelling funktioniert: Fakten alleine liest keiner, es kommt drauf an, diese in Geschichten zu verpacken. 

Warum ich das schreibe? Weil ich dir diese Stunde Talk mit Thomas Laschyk wirklich ans Herz legen will. Bei Youtube kannst du das Gespräch anschauen.

Die Podcast-Version folgt in den kommenden Tagen. 

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