Vanity Fair revisited

In der Wohnung gibt es die aktuelle „Vanity Fair“ (Kostet die eigentlich immer noch oder schon wieder einen Euro?). Nichts Spannendes entdeckt. Nur lobhudelnde Leserbriefe, aktuelle Bilder, die man auch schon überall anders gesehen hat und das, was ich noch am besten an der deutschen „Vanity Fair“ fand, ist auch weg: der Fragebogen. In den ersten Ausgaben war das ja immer ein vorgeschriebener Brief mit Lücken, die die so genannten Prominenten dann ausfüllen sollten. Und jetzt? Bekommt Heiner Lauterbach langweilige Fragen wie „Was verabscheuen Sie am meisten?“ oder „Wer sind Ihre Helden des wahren Lebens“ und so gefragt. Erbärmlich. Wirklich.

Jupp und die tanzenden Männer

CIMG0025.JPG

Ich war in Krefeld. Beim Konzert. Die „Editors“ spielten. Leider erst um kurz nach halb elf. Da fühlte ich mich sehr alt. Und noch älter fühlte ich mich, als das blonde Walross vor mir anfing, wie blöd rumzutanzen. Und ihren Kopf dann immer nach hinten schmiss, so dass ich ihre Haare im Gesicht hatte. Und ihre Tasche im Bauch. Immer wieder. Genau in diesem Moment spielten sie lustigerweise gerade ihr Cover von The Cures „Lullaby“: „His arms are around me and his tongue in my eyes“. Hätte also schlimmer kommen können.

Ich habe auch noch nie so viele Männer gesehen, die wie blöd getanzt haben. Also wirklich getanzt und nicht nur Kopfnicken oder mit dem Fuß wippen. Ich halte tanzende Männer für überschätzt.

(Der Sänger erinnerte mich wegen seines Körpers und seiner Schlacksigkeit und seiner Mimik extrem an ihn hier. Und ja: Disclosure-Alarm!)

(Oh Gott. Jetzt mach ich schon so komische Job-Insider.)

Mit Charlotte Roche in den Puff

Wer sich in den vergangenen Tagen die Bestsellerliste des Internetbuchhändlers Amazon betrachtet, findet dort auf dem oberen Plätzen immer ein Buch: Es heißt „Feuchtgebiete“ und stammt von der Moderatorin, Schauspielerin und Sängerin Charlotte Roche. Für ihre Musiksendung „Fast Forward“ wurde sie von den Feuilletonisten gefeiert. Jetzt ist sie also unter die Buchautorinnen gegangen.

Die ekligste Passage des Buches ist die, in der die 18-jährige Protagonistin Helen Memel erzählt, dass sie auf öffentlichen Toiletten am liebsten erst einmal mit ihren Schamlippen über die Toilettenbrille fährt. Also sich ihrer Mutter widersetzt, die ihr wie alle guten Mütter geraten hat, in solchen Situationen das Hinsetzen zu vermeiden und im Hocken zu pinkeln.

Somit sind wir auch gleich im Thema. Charlotte Roche hat ein Buch geschrieben und will vor allem eins: provozieren. Deshalb geht es um eine 18-Jährige, die sich bei der Intimrasur an ihren Hämorrhoiden geschnitten hat und operiert werden muss. Während sie das Krankenhausbett hütet, erzählt sie dem Leser von ihren sexuellen Phantasien, ihrem Verhältnis zum eigenen Körper und ihren Körperausscheidungen. Sagen wir es so: Alles wird angesprochen. Thema Sex: Sie lässt sich von einem eigentlich Wildfremden im Intimbereich rasieren und geht auch gerne mal zu Prostituierten. Thema Selbstbefriedigung: Sie mag den Kopf ihrer Dusche ganz gerne. Thema Ekel: Sie isst sehr gerne Körperausscheidungen (Stichwort: Ohr. Stichwort: Nase. Stichwort: Vagina.)

Und dann liest man und liest und fragt sich die ganze Zeit, warum muss uns diese Helen Memel all diese Dinge erzählen? Die Antwort liefert so jedes Interview, das Charlotte Roche in den vergangenen Wochen gegeben hat. Weil sie keine Slipeinlagen mag. Weil sie gegen die Komplettrasur im Intimbereich aufbegehrt. Weil sie sich einen modernen Feminismus wünscht, in dem auch Pornographie kein Tabu mehr ist.

Und da sind wir auch schon bei dem Problem dieses Buches angelangt. In einem der zahlreichen Interviews hat Charlotte Roche erzählt, dass sie eigentlich ein Sachbuch habe schreiben wollen. So liest sich „Feuchtgebiete“ dann auch. Als eine Abhandlung von Körperlichkeiten, um die noch schnell eine Geschichte gestrickt werden musste. Das ist anstrengend zu lesen. Und sicherlich nicht das Debüt einer ernstzunehmenden Schriftstellerin.

Das Radio und ich.

In dieser Woche verhöre ich mich ständig. Montagmorgen: Ich müde auf dem Weg zur Arbeit. Spricht der Typ in den Nachrichten von den Problemen der hessischen SPD. Was verstehe ich? „Die Krise der WestLB“.

Dann heute: EinsLive interviewt irgendeinen Geiger, der das Wort „kristallklar“ benutzt. Was höre ich? „Christian Klar“.

Radio ist nicht mein Medium.

Ist schon Frühling?

Jetzt hab ich es mir doch gekauft. Als ich nämlich in Berlin war, hatte ich es in einem Laden gesehen. Und erstmal nur ne Weile angeschaut. Dann habe ich es anprobiert. Mich vor dem Spiegel gedreht und gewendet. Und mich dann doch für den Rock entschieden. Und gegen das Kleid. Und dann habe ich es nicht vergessen, ein bisschen im Internet rumgeklickt und gesehen, dass der Laden in Berlin einen Online-Shop hat. Einen, in dem man sogar mit Internetgeld bezahlen kann. Und in einem schwachen Moment ist es also geschehen. Heute kam das Paket. Und hat den eher doofen Tag dann wenigstens noch schön enden lassen. (Obwohl ich ja gerade vorher noch 3:1 (Sätze) im Squash gewonnen habe. Frust kann so schön sein.)

Jetzt muss es nur noch warm werden.

The Trouble with Steve Jobs

Super-Porträt über Steve Jobs, den so viele Apple-Jünger verehren. Und irgendwie beruhigt es, wenn man dann sowas liest:

„As soon as people heard I was writing a book on assholes, they would come up to me and start telling a Steve Jobs story,“ says Sutton. „The degree to which people in Silicon Valley are afraid of Jobs is unbelievable. He made people feel terrible; he made people cry.“

FILM: Teufelsbraten (1+2)

30_T1_Teufelsbraten.jpg
Foto: WDR/Thomas Kost

Ich verstehe nicht, warum der Film so heißt, wie er heißt. Die Vorlage für diesen Zweiteiler ist ein Buch von Ulla Hahn, „Das verborgene Wort“. Aber nur weil die Großmutter der kleinen Hildegard zweimal in der ersten halben Stunde das Kind als „Teufelsbraten“ bezeichnet – nein, das war ein schlechter Titel für diesen Zweiteiler.

Es geht um Hildegard, ein Kind eines ungelernten Arbeiters, der mit seiner Familie (mehrere Generationen) im Rheinland der 50er Jahre lebt. Das Problem: Das Kind ist schlau, viel zu schlau für die Familie, die die altklugen Sprüche Hildegards als schlechtes Benehmen abwatscht. Der einzige, der „dat Hildejard“ versteht, ist der Großvater. Sehr früh im ersten Teil des Filmes mahnt er an, dass Hildegard was Besonderes sei. Etwas was ihre Mutter nicht versteht. Etwas was die katholische Großmutter nicht einmal ahnt, etwas was dem Vater Angst macht, der immer wieder zum Stock greift, weil er mit Worten nicht punkten kann.

Und so sieht man Hildegard aufwachsen. Mit Nina Siebertz und Charlotte Steinhauer, die die Figur in ganz jungen Jahren verkörpern. Kurz vor Ende des ersten Teils übernimmt dann Anna Fischer (Panda-Sängerin, falls jemand nicht genau weiß) die Rolle. Und dann passt es meiner Meinung nach nicht mehr. Keine Frage, sie macht das super, aber sie ist so anders als ihre Kolleginnen und ich nehme ihr die Rolle nicht mehr ab.

Toll ist, dass es mal wieder einen Fernsehzweiteiler gibt, der nicht den klassischen Prinzipien (Große Liebe, bisschen Verwirrung und dann klappt’s doch) des Fernsehzweiteilers folgt. Denn hier geht es wirklich nur darum den Kampf von Hildegard gegen ihre proletarischen Wurzeln zu verfolgen, der Kampf um die Bildung. Diese Ruhe, die der Film dann doch die ganze Zeit ausstrahlt, ist so anders und tut deshalb gut.

Doch muss es gleich ein ganzer Zweiteiler sein? Ich meine nicht. Trotzdem war’s schön.

(Bitte bitte, könnt ihr demnächst darauf verzichten, Harald Schmidt überall mitspielen zu lassen? Er als kichernder Wäscheverkäufer ist genauso schlimm wie er als Gigolo auf dem Traumschiff. Und wenn er dann auch noch vom Traumkorsett und vom Traumrabattkorsett spricht, dann möchte man ihn einfach nur anschreien. Also ich. Also, egal.)

Wer nochmal gucken will: 12. und 13. März, jeweils 20.15 Uhr, Das Erste

Fleisch ist mein Gemüse – Trailer

Oh wie großartig! Der Trailer zu der Verfilmung von „Fleisch ist mein Gemüse“ ist online und ich kann mir sehr gut vorstellen, dass das ganz toll wird. Weil Gurki von dem schlaksigen Andreas Schmidt (Ja, der aus „Sommer vorm Balkon“) gespielt wird. Guckbefehl!

(via)

Namenstag

Vorhin hat mich ein Kollege angerufen. Vom Handy, weil er schon auf dem Weg nach Hause war. Er gratulierte mir. Weil ich heute Namenstag habe. Toll, oder?

Mit Tomtom in Essen

Da ich immer noch immer mal wieder auf den Tomtom-Content von vor ungefähr einem Jahr angesprochen werde (Männer sind so durchschaubar, Frauen aber auch), dachte ich, ich schreib mal wieder drüber: Ich war mit Tomtom in Essen.

Eigentlich sollte das ganz schnell gehen: 25 Minuten. Aber da gestern ja Streik war und die ganze Welt ins Auto gestiegen ist, habe ich mehr als eine Stunde gebraucht. Und dann konnte ich feststellen, dass Tomtom die Gegend rund um den Hauptbahnhof nicht so richtig gerne mag. Denn: Von dort ging es noch ein bisschen weiter, zu einem libanesischen Restaurant. Doch leider nicht direkt. Denn erst einmal fand Tomtom die Straße nicht, auf der ich gerade fuhr (Es ist ein sehr lustiges Gefühl, in einer Stadt unterwegs zu sein, aber auf dem Bildschirm sieht es so aus, als ob man über freies Feld fährt.) Und dann führte er (Ja, ich weiß, wahrscheinlich würde jeder Mann das Gerät als „die Tomtom“ bezeichnen, aber für mich ist es „der Tomtom“) mich im Kreis.

Nach ungefähr einer Viertelstunde waren wir dann da, ich fuhr rückwärts in die nächste Parklücke.

Für den Rückweg nach Hause benötigte ich 25 Minuten. Ohne Umweg.