Es gibt so Momente im Leben, da sehne ich mich nach der Anonymität von keinem Leser.
(Back to the roots: Wo ist eigentlich mein Offline-Tagebuch geblieben?)
Enthüllung!
Nachdem ich diese Meldung gelesen habe, dachte ich mir, dass ich es nicht länger verheimlichen sollte:
Ja, ich bin seit 28 Jahren unverheiratet und erwarte auch kein Kind. Mein Lebensgefährte und ich haben uns „nichts in die Hand versprochen“. Trotzdem halten wir es ganz gut miteinander aus. „Wir wollten es nicht nach außen tragen“, bestätigte der Lebensgefährte in einer ruhigen Minute. Ich kann mir sehr gut vorstellen, Kinder zu haben, möchte vorher aber noch „schlicht und ergreifend“ leben.
Bei Rückfragen erreichen Sie mich unter der bekannten E-Mail-Adresse.
Neulich in der Bahn
Die Horde Dreißiger. Sie tragen schwarze Poloshirts, auf denen in pinkfarbener geschwungener Schrift „Golden Girlies“ steht. Die meisten trinken Sekt, andere nuckeln an einer Plastikflasch „Adelskronen“, eine geht herum und schenkt in kleine Plastikbecher Selbstgemischtes mit Multivitaminsaft. Ich denke an die Zeiten, in denen wir den Korn mit Sprite verdünnten oder Wodka in Frühstückssaft kippten. Die Mehrzahl ist sonnenbankgebräunt, die künstliche Sonne hat bereits Spuren in ihren Gesichtern hinterlassen. Je länger die Fahrt, desto röter ihre Wangen, desto höher der Geräuschpegel. Ihr Kichern, Kreischen, ihre Worte, sie dröhnen nicht nur in meinen Ohren. Ganz verloren sitzt ein kleines Mädchen mit rosa Haarspangen im langen Haar. Angestrengt starrt sie in den Bildschirm vor ihr. Die Kopfhörer fest auf den Ohren, immer tiefer sinkt sie in den Sitz.
Als eine von ihnen die blechernde Musik („Boom, boom, boom, boom, I want you in my room“) lauter dreht, um sie drei Sitze weiter noch hören zu können, steht der erste Fahrgast auf.
Buch: Thommie Bayer – Singvogel
Gestern im Zug habe ich eines der schlimmsten Bücher des Jahres durchgelesen. Nur weil ich hoffte, dass es doch noch eine Wendung in dieser wahnsinnig vorhersehbaren Geschichte gibt. Die einzige Überraschung war, dass es sie natürlich nicht gab. Absolut seichter, klischeebeladener Scheiß.
Durchsage
Das nächste Mal, wenn ich mit meinem Bruder durch Bremen laufe, werde ich ein T-Shirt mit den Worten „Ich bin nur seine Schwester“ tragen.
Ach, diese moderne Technik
Eben am Telefon.
– Freundlicher Pressesprecher: Wie lautet denn Ihre E-Mail-Adresse?
Ich sag sie ihm.
– Freundlicher Pressesprecher: Groß- oder kleingeschrieben?
Servicewüste? Von wegen!
Telefon klingelt. Nummer unterdrückt. Ich geh trotzdem ran.
Sehr freundliche Männerstimme: Hallo. Hier ist ihre Zahnarztpraxis. Sie hatten ja gestern die Behandlung. Wir wollten uns nur mal erkundigen, wie es Ihnen so geht und ob Sie alles gut überstanden haben.
Mein Zahnarzt ist eigentlich immer sehr genau. Wenn man einen Termin hat, kommt man meist sofort dran. Wenn der Termin für eine Stunde angesetzt ist, dann ist es nicht besonders gut, wenn man sich verspätet. Weil man sonst die Termine der nachfolgenden Kunden Patienten verschiebt. Das mag er nicht, aber genau dafür ich ihn.
Heute war es dann anders. Ich, wirklich pünktlich, musste warten. So lange, dass ich dann wirklich den gesamten SPIEGEL einmal durchgeblättert hatte. Wie gesagt, geblättert. Aber dann war ich dran. Termin war für 45 Minuten angesetzt, Betäubung wurde gesetzt und dann ging’s irgendwann auch los. Dann sagte er Sätze wie „Oh, das blutet ganz schön, da warten wir mal lieber ein bisschen“ und schwubbs hatte er seinen Terminkalender selbst durcheinander gebracht. Nach 90 Minuten war ich wieder raus. Mit Schmerztabletten in die Hand gedrückt, für den Notfall.
Die Pointe? Nebenbei lief „Taff“. Als dann über irgendsoeinen widerlichen Fuzzi berichtet wurde, der auf P. Diddy machte (Name wird nachgereicht, ich muss jetzt los), stellte er den Ton an. Und sah sich sehr interessiert den Beitrag an.
Gedanken nach drei Gläsern Wein und als Grundlage nur Salat
Und ich hätte gerne, dass einer mal darüber eine Studie macht, ob es effizienter ist, wenn ein Taxifahrer stundenlang durch die Stadt fährt und Leute einsammelt, oder wenn er sich irgendwo an einen Taxistand stellt und wartet.
Heiteres Unternehmenraten
Bei welcher Firma ertönt Melanie Cs „First day of my life“ in der Warteschleife?
Wer richtig rät, hat gewonnen.