Was ist das eigentlich für eine Welt, in der man um 6.40 Uhr mit einem Bericht zum gestrigen TH-Konzert geweckt wird? Steht die Zielgruppe um diese Zeit etwa auf?

Buchhändlerinnen im Test

Und dann geht man in den Buchladen und denkt sich, ach, heute testest du mal wieder die Kompetenz der Buchhändlerin.

Ich: Haben Sie was, was so ähnlich ist wie Dorfpunks von Rocko Schamoni oder Fleisch ist mein Gemüse von Heinz Strunk?
Sie: Hätten Sie jetzt nur eins von beiden gesagt, hätte ich Ihnen das andere empfohlen.
(Tja, so einfach wollte ich es der Buchhändlerin natürlich nicht machen.)
Sie: Meinen Sie, dass Benjamin von Stuckrad-Barre oder Judith Herrmann in die gleiche Richtung geht?
(Puh, das meint sie hoffentlich nicht wirklich.)
Ich: Nee, ich glaube, dass wäre nicht so das richtige.

Und was kam raus? Sie konnte mir tatsächlich ein Buch empfehlen, das ich als passend für meinen Bruder empfand. Nach anfänglichen Schwierigkeiten. Jetzt muss es ihm nur noch gefallen.

(Welches es ist, kann ich leider nicht verraten. Er liest hier mit.)

Nada Surf

Kleiner Nachtrag zu dem wunderbaren Konzert in der Frankfurter Batschkapp Ende November.

Liebe Düsseldorfer Musikfreunde,

Am 31.1. spielt Tomte im Zakk.
Ich würde da gerne hingehen.
Hat jemand Lust, mich zu begleiten?

(Oder kürzer: Ich will zu Thees. Wer will mit?)

Der Mann

Wieder war es dunkel in dem Lokal. Fast zu dunkel, um dort in aller Ruhe zu sitzen und zu lesen. Sicher, man konnte die Hand vor den Augen noch erkennen. Und auch die Menschen, mit denen man die Örtlichkeit teilte. Aber wirklich passend für ein allabendliches Bier und eine ausführliche Zeitungsschau war das Lokal nicht. Schon gar nicht für die kleine Schrift bei einem Kreuzworträtsel. Deshalb hatte ich mich schon bei meinem ersten Besuch gewundert, dass er dort saß. Den Kopf nach unten geneigt, so dass man bei seinem Anblick zu allererst auf seine Kopfhaut sah, die durch die letzten Haare kaum zu verdecken war. Mit den Fingern der rechten Hand sich über die Schläfe streichend. In der anderen Hand die Zeitung. Akurat neben dem Bierglas das Brillenetui liegend. Und der Stift.
Auch heute saß er wieder da. Diesmal versteckt in der hintersten Ecke, in die ich mich hätte setzen wollen. Und wieder fragte ich mich, was dieser alte Mann hier in diesem Lokal machte. Ein paar Anzugträger saßen herum und ansonsten vor allem junge Leute. Was bewegt diesen Mann, immer wieder hierherzukommen? Ist es, weil seine Wohnung genau über dem Lokal liegt, und er den Lärm ohnehin nicht ertragen kann? Ist es die keifende Ehefrau, die ihn bei der ausführlichen Lektüre der Zeitung stört? Der ewig bellende Hund? Die um Zärtlichkeit heischende Katze, die mit ihren Pfoten auf dem Zeitungsrand herumtappst? Oder die schlichte Einsamkeit? Das Nichts, dass seine kürzlich verstorbende Frau in den eigenen vier Wänden und im Herzen hinterlassen hat. Die drückende Ruhe, der es zu entfliehen galt.
Vielleicht sollte ich ihn das nächste Mal danach fragen.

Nutzloses Wissen

Die Kinder von Michael Ballack heißen Louis, Emilio und Jordi. Und jetzt raten wir alle mal, wo der gute Mann geboren ist.

Tagebuch einer Volontärin (17)

Going to Göppingen über Stuttgart ist nicht wirklich eine Weltreise. Knapp zwei Stunden und man ist da. Ich bin ja im Süden Deutschlands bisher wenig bewandert und war so auch überrascht, dass der Bahnhof in Stuttgart noch viel kleiner als der in Mannheim ist. Klar, kann dran liegen, dass der in Mannheim neuer ist, aber irgendwie hätte ich von Stuttgart einfach mehr erwartet. Klingt allein schon viel größer und wenn ich darüber nachdenke, fallen mir auch mehr große Unternehmen ein, die in Stuttgart angesiedelt sind als in Mannheim. Aber das ist kein Kriterium, sondern soll lediglich mein persönliches Empfinden ausdrücken – mehr nicht.
Und ansonsten? Kalt war’s. Und viel gesehen hab ich dann doch nicht von der Stadt, weil es in die nahegelegende Provinz ging. Was ich da suchte, wird man irgendwann lesen können. Nicht hier. Sondern an anderer Stelle.

War eigentlich schon mal jemand in der Weltmetropole Göppingen?

Bedrohliches

Eigentlich sind Weihnachtsmärkte doch ein Graus. Man isst ungesundes Essen: Frittiertes oder Gegrilltes. Oder viel Zucker. Man trinkt eine eklige Plörre, die nur heiß genießbar ist. Durch das viele Rumstehen werden die Füße entsetzlich kalt, vom Rest des Körpers ganz zu schweigen. Da der Alkohol zusätzlich das Immunsystem schwächt, liegt man im schlimmsten Fall danach eine Woche lang krank im Bett, um sich dann im Weihnachtsendgeschäft mit unzähligen anderen Menschen – triefende Nasen inbegriffen – durch die Geschäfte zu quälen.

Über die (Nicht-)Arbeit

Arbeitslos sein. Ich kenne viele, die das ertragen müssen. Einer von ihnen hat den Kampf gewonnen, Ende vergangener Woche. Die anderen suchen noch. Sie sind alle gut, keine Frage. Trotzdem sind sie einer der knapp fünf Millionen Menschen, die keinen Job haben. Sie fühlen sich unwohl, zweifeln an sich, obwohl vielleicht gar kein Grund besteht und die seltsamen Personalverantwortlichen einfach nur ihre Haarfarbe nicht mochten, oder ihren Namen oder einfach einer ihrer Kumpel den Job kriegen sollte. So funktioniert das oft, das hört man immer wieder und die anderen, vielleicht viel besser Qualifizierten bleiben zurück. No job ist immer noch ein bisschen wie aus der Gesellschaft herausgefallen zu sein. Leider. Wir alle müssen einen haben, nicht nur, um die Existenz zu sichern sondern auch, weil es das Selbstvertrauen hebt. Weil man in der Lage ist, für sich selbst zu sorgen, etwas zu erreichen. Und sei es auch nur die Tatsache, am Ende eines Tages, die Kollegin zum Lachen oder dem Chef ein „Guten Morgen“ entlockt zu haben.
Heute gehen sie wieder in die Gespräche, das Hemd ist gebügelt, der Rock wird kurz vorher noch einmal zurechtgezogen, die Haare müssen sitzen. Sie kramen das freundlichste Lächeln hervor, antworten begierig und warten auf die alles entscheidenden Worte. That’s how it works. Immer und immer wieder. Zermürbende Routinen.
Also, Kinder, Daumen drücken.