Heidelberg

Diese wahnsinnig überschätzte Stadt. Klar, steht in jedem deutschen Reiseführer, deshalb kommen die ganzen Japaner und Amerikaner ja alle hierher und das ist sicherlich ein Grund, warum ich diese Stadt so hasse. Ja, ich hasse sie. Am liebsten würde ich nie wieder hierher fahren. Das geht leider nicht. Aber der Reihe nach.
Nehmen wir einen ganz normalen Sonntag im Dezember. Es regnet, eigentlich ein ideales Wetter, um sich in ein kleines Café in der Innenstadt zu setzen. Wer allerdings glaubt, dass man an einem Sonntag einigermaßen entspannt durch die Heidelberger Innenstadt laufen kann, irrt. Gewaltig. Um zu einem solchen kleinen Café zu gelangen, muss man sich nämlich an unzähligen Menschen vorbeischieben. Diese sind mit Kinderwagen bewaffnet. Oder mit kleinen unförmigen Hunden. Oder Regenschirmen. Oder am besten mit allem auf einmal. Dass was diese Leute machen, nennt man wohl spazieren gehen. Doch eigentlich ist es hre Aufgabe, so im Weg rumzustehen, dass andere kaum an ihnen vorbei kommen. Hinzu kommt, dass diese Menschen allesamt aus dem Umland kommen. Das führt dazu, dass sie eine Sprache sprechen, die wohl vom Deutschen abstammt, allerdings so bescheuert klingt, dass man all diese Menschen für unzurechnungsfähig, provinziell oder einfach dumm hält.
Diese Menschen schieben sich also durch die Innenstadt, vorbei an den Geschäften, die es in jeder deutschen Stadt gibt. Und da es neben dieser Innenstadt kaum andere Attraktionen gibt, gestaltet sich die Suche nach einem Café als sehr sehr schwierig. Während das eine von Studenten mit Notebooks besiedelt ist (Kostenloses W-Lan), ist der Eingang des anderen durch Kinderwagen verstellt, so dass nicht einmal ein Eintreten möglich ist. So landet man dann doch wieder im Café Journal. Und auch dieses Café ist so typisch für diese Stadt. Die Bedienung ist grundsätzlich unfreundlich. Bis man seine Bestellung aufgeben kann, vergehen Stunden. Bestellt man dann einen Kaffee mit und einen ohne Vanille-Aroma und fragt bei Lieferung, welcher nun mit dem Zusatz und welcher ohne ist, erhält man immer eine Antwort. Nur nie die richtige. Das führt dazu, dass eines der Getränke nicht mehr genießbar ist, weil man – auf das Gute im Menschen vertrauend – eine ordentliche Ladung Zucker in den Kaffee gießt. In den falschen, nämlich den mit Aroma.
Aber nicht nur die Bedienung in diesem Laden ist ein Graus. Denn obwohl dieses Café „Journal“ heißt, sieht man es sehr ungern, wenn Menschen dorthin kommen, um die Zeitung zu lesen. Das führt dazu, dass bei einbrechender Dunkelheit, also so gegen vier, das erste Mal das Licht per Dimmer heruntergedreht wird. In 15-minütigen Abständen wird es immer dunkler, so daß man ab 17 Uhr jede Lesetätigkeit einstellen muss. „Gemütlich“ nennt die Bedienung das auf Nachfrage. Ich nenne es schlicht „eine Frechheit“.
Genervt verlässt man daraufhin das Lokal, um sich dann wieder durch die Innenstadt zu schieben. Mittlerweile haben auch die alten Damen und Herren ihren Kaffee ausgetrunken und „spazieren“ durch die Straße. Der Regenschirm darf nicht fehlen. Kommt man dann irgendwann doch noch am Auto an, ist die Stimmung im Keller, der Hass auf die Menschheit groß – sprich der Sonntag ist gelaufen.
Doch Heidelberg ist nicht nur an einem Sonntag ungenießbar. Die Stadt hat zwar einen Fluss, aber auch dieser eignet sich nicht, ihn zu mögen. Wer an seinem Ufer entlang laufen will, muss sich ebenfalls an Menschenmassen vorbeidrücken. Wer im Sommer auf der nahegelegenden Neckarwiese ein wenig verweilen möchte, kann dies lediglich mit unzähligen Studenten, Bierflaschen oder Grillgesellschaften tun. Sowieso der Sommer. In dieser Jahreszeit kann man Heidelberg ebenfalls vergessen: Wegen der Berge steht die Luft, es ist drückend heiß.
Ich könnte noch mehr Gründe gegen Heidelberg benennen. Zum Beispiel den völlig beschissenen öffentlichen Nahverkehr. Die irrationale Straßenführung. Die überhöhten Mieten. Die teuren indischen Restaurants. Aber es hilft nichts. Solange der Mann meines Herzens in dieser Stadt lebt, werde ich immer wieder zurückkommen müssen. Einziger Ausweg ist, ihn hier wegzulocken. Doch wie stelle ich das bloß an?

(Dieser Text erscheint parallel auch im Motzblog.)

Hach, Harald.
(Wenn ihr wüsstet, wie doppeldeutig eine wie ich diesen Satz interpretieren kann.)

Über das Trinken

Gibt es eigentlich noch Menschen, die den Samstagabend mit Trinkspielen begehen? Runden, die es sich zum Ziel gesetzt haben, den Abend in keinem Fall nüchtern zu begehen. Dieses Kräftemessen, wer am meisten Alkohol verträgt. Dieses Gebuhle um die starke Schulter, an der man sich zu später Stunde anlehnen kann. Dann, wenn der Vorgarten bereits für die erste Entleerung erhalten musste.
Es gibt viele Spielarten des gemeinsamen Betrinkens. Das Kartenpusten ist eine Variante. Man lege einen Stapel Karten auf eine Flasche und puste reihum. Wer die letzte Karte herunterpustet, muss trinken. Klarer Fall. Oder Mäxchen. Oder Bierdeckelwerfen. Oder, oder oder.
Von einer weiteren Variante erfuhr ich kürzlich. Unter dem Motto „Die große Merkelei“ werden sich am heutigen Abend in Frankfurt einige Menschen zusammenfinden und die Regierungserklärung der neuen Kanzlerin ansehen. Jeder der Anwesenden wird Wörter zugeteilt bekommen. Werden diese von Frau Merkel gebraucht, heißt es „Prost“. Politisches Saufen sozusagen. Mit ethymologischem Anspruch. Oder auch: Saufen auf hohem Niveau.

Wieder was gelernt

Hach ja, Real Life hatte gestern abend auch ein neues Wort für mich parat. „Lutschstück“ ist das auserwählte, an dem ich mich stundenlang ergötzte. Die wunderbare Französin hat’s erfunden, mit der ich gestern Glühwein trinken durfte. Und nein, sie meinte nicht mich oder sich, sondern so etwas wie einen Lolli. Lollis sind nur was für Kinder. Für die Alten sollten es Lutschstücke sein.

Vorweihnachtliches Gedöns

Gestern, als ich mich dann doch irgendwann auf den Weg nach Hause machte, traf ich in der S-Bahn zwei Mädchen. Sie waren 16, vielleicht 17 und setzten sich auf die beiden Plätze vor mir. Sie gackerten vor sich hin, so wie 16-Jährige es nun einmal tun, kennen wir ja alle, sprachen ein wenig über dies und das, bis ja bis plötzlich ein Typ hinter ihnen stand. Die eine von beiden begann nun sich – im Gespräch mit der anderen – ständig umzusehen. Erst da bemerkte ich, dass dieser Typ ebenfalls sehr begierig auf das Mädchen starrte. Sie hingegen blickte immer wieder fort, leicht schüchtern, aber mit fester Absicht. Was fühlte ich mich verklemmt? Nie war ich bisher in der Lage gewesen, so offensiv zu flirten. So offensiv klar zu machen, dass dieser Typ da in der U-Bahn mir gefiel und ich mehr von ihm wollte. In diesem Moment beneidete ich das Mädchen sehr.
Dann musste ich aussteigen. Ich bekam noch mit, wie sich der Typ auf meinen angewärmten Platz setzte. Ihr genau gegenüber. Was dann passierte: Keine Ahnung. Ich hoffe, sie hat ihre Reize auch weiterhin so gekonnt ausgespielt.

Tagebuch einer Volontärin (16)

Donnerstagnachmittag-Blues. Ich hasse ja diese Stunden zwischen halb drei und halb fünf. Der Körper schreit förmlich nach einem Mittagsschläfchen, der Kopf raucht, weil man stundenlang am Telefon gefachsimpelt hat. Man quält sich, ein paar Zeilen in das leere Fenster zu schreiben. Zwischendurch die Kollegen, die erzählen, dass sie gar keine Lust haben, mit dem Schreiben zu beginnen. Oder davon plaudern, was sie gerade herausgefunden haben. Was fehlt? Der elterliche Arschtritt! Ein großes Schild, auf dem der Abgabetermin zu lesen ist! Vielleicht aber auch einfach ein Kaffee. Ich werd’s mal damit versuchen.

Gestern beim Mittagessen über Marken gesprochen. Wieder einmal festgestellt, wie sehr GAP fehlt. Wie scheiße diese ganzen kackbraunen und anderen ökogefärbten H&M-Sachen sind und dass keine von uns jemals im Leben Buffalos getragen hat. Frauenthemen halt.

Empfehlung des Hauses

Blond sind sie, natürlich. Leicht bekleidet ebenfalls. Die „Terrorschwestern“ reiben – auf der Theke gut sichtbar – sich an den ihn zugeteilten Kerlen, die natürlich ebenfalls wenig tragen. Ihr solariumgebräunter, schwitzender Körper glänzt im Licht der Thekenbeleuchtung. Rhythmisch bewegen sie sich zur Musik. Und die Gäste starren. Glotzen sich die Augen aus. Wenn schon nicht zuhause die Liebe wartet, dann hier ein bisschen schauen. Und – vielleicht geht ja doch noch was, hier in der „Banker & Brokers After Work“-Party. Denn unter die unzähligen Anzugträgern haben sich auch einige Frauen gemischt. Zu gut aussehend, um in ähnlichen Positionen zu sein, zu wenig bekleidet, als dass sie sich vom Büro in diese Lokalität aufgemacht haben können.
Wer erleben möchte, wie Banker und Broker den Feierabend an einem Dienstag begehen, dem sei das Eurodeli wärmstens empfohlen. Wer allerdings ohnehin nicht auf der Suche nach diesem Laden ist, wird sich auch nicht dorthin verirren.

Ein bisschen Kryptik am Abend

Neues Wort für mich entdeckt: Der gemeine Heiz- oder Warmficker. Letzteres als Ersatz für Warmduscher benutzen.
Man sollte öfter mit Bloggern telefonieren.

Am Kiosk

Ach ja, und dann noch für all die Menschen, die auf dieser Seite landen, weil sie bei Google nach „PM Sudoku“ gesucht haben. Ihr Lieben, das neue Heft gibt’s seit vergangener Woche am Zeitschriftenkiosk eures Vertrauens.