Arschgeweih

Ich habe gestern ein neues Wort gelernt und das kam so. In der Mittagspause daher flanierend darüber geplaudert, was einen echten Flipflops ausmacht. Dass es ganz besonders auf dieses Platschen ankommt und diesen ganz spezifischen Gang. Irgendwie kamen wir dann auch auf dieses Wort zu sprechen. Und dann konnte der Kollege glänzen, indem er mir erklärte, dass sich dahinter diese Tattoos kurz über dem Hintern von weiblichen Geschöpfen meist unter 25 verbergen. Später ließen wir uns dann über die Unansehnlichkeit der meisten Exemplare aus, die meist mit einem glitzernden Stein im Bauchnabel am Strand rumliegen. Wenig später fühlte ich mich sehr alt, weil ich weder mit dem einen, noch mit dem anderen aufwarten konnte. Die einzigen Verunstaltungen, die ich aufweisen kann, sind Narben an den Beinen, durchs Rasieren und kindliche Leichtsinnigkeit hervorgerufen sowie langweilige Ohrlöcher. Wenn auch am linken Ohr zwei Löcher vorhanden sind – ich Rebell!

Zurück am Schreibtisch dachte ich dann darüber nach, ob es stimmt, was ein Freund letztens zu mir sagte. Chauvinistisch sei ich. Manchmal.

Der supercoole Star-Anhänger

Was hatte man eigentlich früher an seinem Schlüssel? Einfach nur einen Ring? Ich weiß, dass ich schon immer irgendein Spielzeug oder zumindest etwas Auffälliges benötigte, um ihn in meinem Kram in der Tasche oder im Zimmer zu finden. Nur dunkel kann ich mich daran erinnern, dass ich mal eine – da war ich sehr jung! – pinkfarbene Telefonschnur hatte, die mein Schlüsselbund für mich kenntlich machte. Furchtbar. Alle anderen Peinlichkeiten scheine ich verdrängt zu haben, denn ich erinnere mich nicht.

Derzeit, und das dauert nun schon so ungefähr zwei Jahre, habe ich ein rotes langes Band(?) dran, total hip und angesagt, lief doch eine Zeit lang jeder mit sowas rum. Jede Firma war sie ihren Kunden und anderen Menschen auf der Straße hinterher, total cool waren die, die ein Exemplar von Becks ihr Eigen nennen konnten. Mittlerweile fühle ich mich wie ein Auslaufmodell, die meisten haben diese überaus praktischen Anhängsel wieder verdrängt, letztens musste ich mir gar von einem Düsseldorfer(!) sagen lassen, dass die total out seien. Ts. Dabei fische ich seitdem immer unter einer Minute meinen Schlüssel aus der Tasche!

Allerdings habe ich heute was Neues entdeckt. Grund: In der aktuellen Bravo, ja ich bekomme sie jetzt jeden Mittwoch und werde immer über die neuesten Trends berichten, gibt’s den total chicen KEY-HOLDER mit 56 starken Motiven zum Wechseln! Mit dem werde ich in meiner Clique für Aufsehen sorgen, steht da und ich bin schon mal gespannt, wer alles dazu gehören wird. Allerdings: Ganz schön viele, total coole Motive, aus denen ich wählen kann.

Jeanette? Britney? X-Tina? Justin? Eminem? Oder Robbie? Oder doch lieber eines der Dream-&Fun-Pics?

Irgendwie war ich dann aber doch neugierig und öffnete das Plastiktütchen, indem mein neuer Schlüsselanhänger verpackt war. Und dann das: Kaputt. Ich hoffe, dass ich nicht die einzige bin, die von diesem Schicksal getroffen wurde. Keine neuen Freunde werde ich nun finden, es sei denn ich kaufe mir heute Abend am Kiosk noch ein Exemplar. Dann kann ich mir das Superposter von Blue nicht nur im Badezimmer übers Klo sondern auch noch über mein Bett hängen. Damit das mit den Alpträumen auch endlich mal wieder klappt.

Weggefährten

Immer noch schaue ich verwundert, wenn ich auf der Straße jemanden treffe, der mir irgendwie bekannt vorkommt. ‚Kann ja nicht sein, du kennst in dieser Stadt ja gerade einmal 20 Leutchen‘ geistert es in meinem Kopf herum und doch konnte ich nicht anders, als dem Rotschopf in der gestrigen Mittagspause verdutzt hinterher zu starren. Irgendwie war mir dieses Gesicht vertraut. Aus Berlin? Kann nicht sein – zu jung. Aus dem Job? Fehlanzeige, aber mir schien, als sei ich auf der richtigen Spur. Und dann heute morgen das große Wiedersehen. In der Straßenbahn dann erblickte ich ihn. Schnell war er noch in die Bahn gehüpft, als diese bereits die Türen schloss. Hatte ich mich nicht schon des Öfteren gefragt, wer von den mitreisenden Personen ebenfalls immer an der Endhaltestelle ausstieg. Spannend irgendwie, dass man diese Gemeinsamkeit erst nach fast drei Monaten wirklich wahrnimmt, wenn feststeht, dass wir im selben Viertel, wenn nicht sogar Bürogebäude arbeiten. Dass wir die selbe Kantine nutzen.
Und so frage ich mich, ob auch er sich bereits diese Gedanken gemacht hat, ob auch er auf der Straße in seinem Kopf nach meinem Gesicht suchte.

Kindisch

Dieses Gefühl, in der Straßenbahn sitzend, gegenüber eine rastabezopfte Schönheit mit fiesen Blick, die Attitüde unterstreichend, dieses Gefühl eben diesem Mädchen höchstens Anfang 20, einfach die Zunge rauszustrecken.

Brunch

Man nehme vier Frauen im besten Alter, Kaffee, viel Obst, Orangensaft und was sonst noch zu einem ausgedehnten Frühstück nötig ist, setze besagten Damen in einen Raum und schließe die Tür. Herauskommen gelungene sieben Stunden, die in einer Regenpause dann doch abrupt enden, weil irgendwann auch mal genug geklatscht, gekichert, geredet und geklamottenanprobiert wurde. Ach, was war das schön. Vielleicht hat mich Berlin ja doch noch lieb.

Doppelpack

Befremdet starrte ich im Rossmann auf den Doppelpack im Regal: Schwangerschaftstests. Und fragte mich, in welchen Situationen man denn das Doppelpack benötigen könnte.

Variante 1: Freundinnen, beide 15. Das erste Mal Liebe gemacht und dann die Angst: Ist was daneben gegangen? Gemeinsam also den Test machen, die vorgegebene Anzahl an Minuten warten, das schweißt zusammen.

Variante 2: Die Übervorsichtige, die sich auf den ersten Test nicht verlassen mag, weil, ja weil, könnte ja kaputt gewesen sein.

Variante 3: Der nette Draufgänger. Hat mit zweien kurz nacheinander geschlafen und bei beiden ist das Kondom geplatzt.

Weitere Vorschläge?

Und seit einigen Stunden denke ich darüber nach, ob es nicht doch „Das“ Doppelpack heißt. Das Pack, der Pack, eins ist sicher: die Packung.

Warnschilder

‚Bitte während der Zugfahrt unseren Führer nicht ansprechen!’ Ist es also schon wieder soweit.

The Cure

Neues Album – auf dem Weg zum Zahnarzt gehört. Gut. Genau das Richtige im Moment. Danke.

FILM: Zatoichi

Ort: Filmtheater am Friedrichshain. Zeit: halb neun. Plätze: Mitte, vorn, weil meine Brille am Freitag morgen leider unauffindbar war. Aber egal, ich war im Kino und habe den Film über den blinden, blonden Wanderer gesehen, der sich sein Geld mit Massagen, Würfeln verdient und der mit viel Charme auch immer eine Bleibe findet. Das ist die Fassade, denn eigentlich ist dieser Mann, der vom Regisseur Takeshi Kitano gespielt wird, ein großer Schwertkämpfer.

Er kommt in ein Dorf, in dem eine Gang die Bewohner unterdrückt. Jeder, der sich gegen sie richtet, wird brutal beseitigt, insbesondere seitdem ein anderer Samurai seine Dienste angeboten hat. Zatoichi lernt dann noch zwei Geishas kennen, die auf der Suche nach dem Mörder ihrer Familie sind.

Viele Handlungsstränge, die geschickt miteinander verknüpft werden, so dass man, als ungeübter Japan-Filme-Seher leicht den Überblick verliert. Der Film ist unheimlich schön erzählt, mit vielen lustigen Akzenten, jeder Menge Kampfszenen und spritzenden Blutfontänen – Kill Bill lässt grüßen. Denn auch dieser Film persifliert die japanischen Samuraifilme.

Nachdem ich zunächst mehr als skeptisch war, war ich positiv überrascht, was dieser Regisseur auf die Beine gestellt hat. Unklar bleibt dem unbedarften Zuschauer, warum jedermann diesen Zatoichi kennen sollte, weshalb dieser so eine Kultfigur in Japan ist. Die Musik hat ebenfalls überzeugt, auch wenn mir die Schlussszene mit Tanz weniger gefallen hat.

Beschwingt ging ich aus dem Kino, guter Film und zum Elfmeterschießen war ich dann auch noch rechtzeitig vor dem Fernseher. Wenn das kein Timing war.

Am Wochenende also das erste Mal das Gefühl, in diese Stadt nicht mehr zu gehören. Nicht unerwünscht, aber nicht mehr hierher gehörend. Immer wieder der Gedanke, ob ich mich nicht einfach in den Zug setzen soll, dem Ganzen ein Ende bereiten, wir werden an diesen Tagen nicht mehr warm miteinander. Nicht dieses Hinhalten, erwünschte Gemeinsamkeiten, die keine mehr sind. Ein Blick auf die Spree, der nicht derselbe ist wie der auf den Rhein. Nicht mehr derselbe sein kann, weil die Dinge sich verändert haben.

Befremdet den CSD in der Stadt tobend wahrnehmen, obwohl ich noch vor einigen Wochen mit demselben in Düsseldorf fremdelte. Lächelte – süß das.

Aber es ist nicht mehr, wie es war. „Mir kommt es schon viel länger als zwei Monate vor“ – wie recht sie mit diesen Worten hat. Es ist Zeit vergangen, Zeit, die Barrieren aufbaut. Welten trennt. Für immer? Und ganz?