FILM: Natürlich Blond

So ein Film kommt im Ersten? An einem Donnerstag um 20.15 Uhr? Hätte ProSieben ihn gekauft, wäre er mindestens an einem Sonntag gelaufen. Zur besten Sendezeit natürlich. Na, egal, ich habe ihn mir angeschaut. Perfektes Futter für das Hirn, wenn man sich den ganzen Tag mit Zahlen auseinandergesetzt hat und nicht mehr so aufnahmefähig ist. Kleines Blondchen wird in Harvard angenommen. Alle halten sie für doof und am Ende zeigt sie es allen, wird die Beste des Jura-Jahrgangs und darf die Abschlussrede halten. Und damit es auch jeder (zum Beispiel Leute, die sich den ganzen Tag mit Zahlen auseinandergesetzt haben und nicht mehr so aufnahmefähig sind) verstanden hat, hat sie in der Abschlussrede noch einmal gesagt, worauf es im Leben ankommt: Glaub immer an dich selbst! Na, ist das nichts? Eben.

NEU


Schon schlimm, dass RTL jetzt neue Sendungen mit „Neu“ oder neue Folgen mit einem Schriftzug „Neue Folge“ kennzeichnen muss.

FILM: Broken Flowers

Ach ja, und im Kino war ich am Wochenende ja auch noch. Noch nie habe ich in einer 17.30-Uhr-Original-mit-Untertitel-Vorstellung (jaja, musste ich unterbringen, Image aufbessern) so viele Menschen jenseits der 50 gesehen. Ich hatte auch wirklich gehofft, das einige von denen nach der Werbung fluchtartig das Kino verlassen, weil sie merkten, dass das ganze ja auf Englisch ist, aber vielleicht wirken in solchen Kreisen die Untertitel doch sehr beruhigend (musste ich jetzt nochmal unterstreichen, aus Imagegründen natürlich). Aber egal, ich war ja nicht im Kino, um mich mal wieder in solchen Kreisen aufzuhalten, sondern um einen Film zu schauen. Einen schönen, wie ich fand, aber lest doch lieber selbst.

Der in die Jahre gekommene Don Johnston hat sich mittlerweile aus dem Berufsleben zurückgezogen. Seine jugendliche Freundin, die von Familie und Kindern träumt, hat ihn soeben verlassen. Da erhält er einen Brief einer Verflossenen, der ihm mitteilt, dass er der Vater eines 19-jährigen Sohnes ist. Leider wurde der Brief ohne Absender aufgegeben, so dass sich Don zunächst einmal einen Überblick über potenzielle Mütter machen muss. Sein Nachbar Winston, Hobby-Detektiv und glücklicher Familienvater, macht die Damen ausfindig und legt für Don eine Reiseroute fest, die er – teils widerwillig – antritt.

Dort trifft er auf Laura (Sharon Stone), mit der er prompt im Bett landet, Dora (Frances Conroy), die ein unbefriedigtes Eheleben zu führen scheint und Don immer noch schmachtend nachtrauert, Carmen (Jessica Lange), Tierkommunikatorin und arg durchgeknallt und Penny (Tilda Swinton), die aufgrund seines Erscheinens derart aufgebracht ist, dass sie ein paar Motorrad-Freaks auf ihn hetzt.

Er kehrt nach Hause zurück, keineswegs schlauer und trifft auf einen jungen Mann, den er für seinen Sohn hält, ja, sich mittlerweile sogar wünscht, dass dieser seine Suche beendet. Ob das gelingt, ist unerheblich, viel wichtiger ist, dass diese Suche nach einer Vergangenheit, nach einer möglichen sinnmachenden Zukunft so wunderbar anzuschauen ist, dass ich nur jedem empfehlen kann, Bill Murray dabei zuzuschauen. Ich mag ihn ja. Nicht erst seit „Lost in Translation“. Und auch in „Broken Flowers“ schafft er es, stehende Bilder mit Leben zu füllen. Auch wenn er nichts weiter tut, als in die Leere zu starren. Wunderbar.

FILM: Die große Depression

Konstantin Faigle ist ein schwäbischer Filmemacher und geht in seinem Dokumentarfilm der Frage nach, warum es Deutschland eigentlich so schlecht geht. Oder besser: Warum wir Deutschen eigentlich so viel jammern. Diesen Fragen nachgehend fährt er durchs ganze Land. Er interviewt Touristen, die eifrig Vorurteile wiedergeben. Er spricht mit Menschen aus Starnberg, die laut Studie zu den glücklichsten Menschen Deutschlands gehören sollen. Er testet auf Schloß Neuschwanstein, ob Deutschland wieder einen König braucht. Aber er macht sich auf in den Osten auf, nach Dessau, die Stadt mit den unglücklichsten Menschen. Und nach Leipzig, wo er zur Montagsdemo geht und auf jammernde Menschen trifft. Aber er spricht auch mit allerlei Experten. Ein Psychiater des Max-Planck-Instituts attestiert Deutschland eine „gehemmte Depression“, Walter Jens spricht über Depressive an sich und auch Alice Schwarzer darf ein paar Worte zum Rollenverteilung in der modernen Familie los werden.

Womit wir bei dem Teil des Textes angekommen sind, der das Problem des Films beschreiben soll. Denn eigentlich will Konstantin Faigle sich ja mit dem Problemen von UNS Deutschen beschäftigen, dennoch driftet er irgendwann ab und beschäftigt sich vor allem mit seinen Problemen: Seiner Beziehung, seiner Rolle als werdender Vater. Er nennt diesen Teil des Films einen Exkurs, leider keinen gelungenen.

Ansonsten bemüht sich Faigle um die distanzierte Rolle des Beobachters, der mal ironisch, mal witzig, über weite Teile hinweg aber leider sehr albern, die Geschichte der Deutschen erzählt (der Barbarossa-Tanz zum Beispiel). Und, wie sollte es anders sein, am Ende seines Films will er natürlich auch noch Bild-Chef Diekmann vor die Kamera holen, den Mann, den er dafür verantwortlich macht, dass in Deutschland so eine schlechte Stimmung herrscht. Michael Moore lässt grüßen. Gelingt ihm aber nicht.

Man kann nicht sagen, dass der Film mich nicht unterhalten hätte. Nein, das ist ihm durchaus gelungen. Andererseits war er für einen Dokumentarfilm zu belanglos. Es gab nur wirklich wenige Momente, in denen er wirklich nah dran war, am Thema. In denen es ihm wirklich gelang, die Stimmung einzufangen bzw. klar zu machen, wo das Problem der Deutschen liegt.

Mächtige Verbände?

Mann, Mann, Mann, diese ganzen in die Jahre gekommenen ARD-Magazine. Meine Fresse.

„Lobbyarbeit ist in einer Demokratie wichtig, damit Öffentlichkeit und Politik über das Für und Wider der Argumente informiert sind und die richtigen Entscheidungen treffen können. Anders sieht es aus, wenn mächtige Verbände sich hinter scheinbar neutralen Organisationen verstecken und mit viel Geld die öffentliche Meinung in Ihrem subjektiven Sinne beeinflussen, ohne dass das Publikum das erkennen kann.“

Plusminus hat sich in seiner heutigen Ausgabe ein bisschen auf die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft eingeschossen und kritisiert im großen Stil seine nicht offen kommunizierte Nähe zum so genannten Arbeitgeberforschungsinstitut „Institut der Deutschen Wirtschaft“. Derweil werden eine Menge Köpfe genannt, die im Auftrag der Initiative in Talkshows und anderen Medien unterwegs sind. Das Volk müsse auf Linie gebracht werden durch die Meinungsmache von Redakteuren und Werbern, die ein Budget von 100 Millionen Euro zur Verfügung haben.

Dann wird ein Politologe zitiert, der im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung eine Studie über die politischen Strategien der Initiative geschrieben hat. Und siehe da: Allein ein Blick auf die Internetseite verrät (auch Wikipedia), dass besagte Stiftung als „Mitbestimmungs-, Forschungs- und Studienförderungswerk des Deutschen Gewerkschaftsbundes“ fungiert. Und das verrät Plusminus natürlich nicht. Muss wohl daran liegen, dass der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) nicht zu den „mächtigen Verbänden“ Deutschlands gehört.

PS: Herr Metzger stellt ein paar Dinge klar.

FILM: Besser geht’s nicht

Ein Film, den ich schon immer mal sehen wollte und nun im TV geschaut habe. Im ZDF. Im ZDF? Sonntags? Kein Herzschmerz mit Rosamunde Pilcher, Traumschiff oder so? Nein. Dafür aber Herzschmerz der amerikanischen Art. Hach, war dit schön.

Eben gesehen

Was ist denn mit Stefan Raab passiert? Friseur gewechselt oder warum sind die Haare so verdammt kurz? Oder will er so von der leichten Lichtung auf seinem Kopf ablenken? Gelingt ihm aber nicht wirklich.

FILM: L.A. Crash

Zwei junge Kerle unterhalten sich in einem Restaurant über Rassendiskriminierung und überfallen wenig später den Bezirksstaatsanwalt und seine Frau Jean (Sandra Bullock), um ihr Auto zu klauen. Wenig später regt sich Jean darüber auf, dass ausgerechnet ein Schwarzer die Schlösser im Haus auswechselt. Als dieser nach Hause kommt, überredet er auf unheimlich rührende Art und Weise seine ängstliche Tochter, unter dem Bett hervorzukriechen. Am darauffolgenden Tag repariert er das Schloss eines persischen Einzelhändlers, der allerdings seinen Rat, die Tür zu reparieren, nicht versteht. Und da wären auch noch die beiden Polizisten Ryan und Tom, die bei nächtlicher Streiffahrt ein schwarzes Pärchen kontrollieren. Ryan – gefrustet, weil seinem Vater seiner Meinung nach ärztliche Hilfe verwehrt bleibt – demütigt die beiden, indem er die Frau betatscht. Nicht zu vergessen der schwarze Detective Graham, der seinen Bruder tot auffindet und sich von seiner Mutter Vorwürfe gefallen lassen muss, nicht mehr genug Zeit für die Familie zu haben.

Was all diese Handlungsstränge gemein haben? Sie sind Teil eines wunderbaren Films, der mich zum einen sehr an P.T. Andersons Magnolia erinnerte und mich zum anderen sehr berührte. Alle handelnden Personen werden mit ihren Vorurteilen konfrontiert, einerseits bestätigt, andererseits widerlegt, was für Verwirrung sorgt. Immer wieder dreht sich alles nur um Schwarz oder weiß, Über- und Unterordnung, Demütigung und Bestätigung. Ein wunderbares Abbild der Gesellschaft.

FILM: Allein

Maria ist Studentin und arbeitet in der Uni-Bibiliothek. Wenn sie nicht gerade arbeitet, vögelt sie herum. Entweder mit Wolfgang (Richy Müller) oder mit irgendeinem Typen, den sie in einem Nachtclub kennenlernt. Sie ist einsam, traurig und kommt mit sich selbst – insbesondere dann, wenn sie allein ist – nicht klar.

Dann lernt sie plötzlich Jan kennen, einen Tiermedizin-Studenten. Von ihm bekommt sie zum ersten Mal die Geborgenheit, das Vertrauen und die ernsten Gefühle, nach denen sie sich durchaus gesehnt hat. Doch schon nach kurzer Zeit fällt sie in alte Schemata zurück: Sie ritzt sich die Arme auf, sie trinkt und zweifelt. Als Jan dann auch noch für ein paar Tage wegen seines Studiums unterwegs ist, schläft sie auch wieder mit Wolfgang.

Keine wirklich dankbare Rolle, die Richy Müller (ja, der mit der Riesennase) da übernommen hat. Ein bisschen Vögeln, dann die obligatorische Zigarette danach, bei der er jedes Mal zeigen kann, dass zwischen der Größe der Nase und der des besten Stücks nicht unbedingt ein Zusammenhang bestehen muss. Naja.

Der Film ist eigentlich sehr schön, wobei ich mir nicht sicher bin, ob er nicht besser auf dem heimischen Fernseher hätte laufen sollen. Kann aber auch sein, dass mich das Pärchen hinter mir durch ihre In-der-Popcorntüte-wühlen-Nase-hochziehen-und-rumplappern-Geräusche einfach zu sehr genervt hat.

zappen

Und jeden Abend „das schwierigste Wort, was wir hier bei Neun Live haben“. Dazu der geschockt dreinblickende Blondie,, wenn der „hot button“ pulsiert.