Hatten wir nicht mal Sex in den 80ern?

Ich lese wirklich gerne und rede auch gerne darüber. Gutes Smalltalk-Thema, besonders bei Konferenzen, bei denen man kaum eine Person kennt. Und da ich am Abend des Konferenztages noch zur Benjamin-von-Stuckrad-Barre-Lesung gehen wollte, sprachen wir darüber und über „Panikherz“ und besagter Herr empfahl mir „Hatten wir nicht mal Sex in den 80ern?“ von Timo Blunck (Achtung, Affiliate-Link!). Was für ein Titel, aber so sind sie halt die Autoren, Sex sells und so, dachte ich noch. Weil das Gespräch sehr angenehm und es auch sonst ein paar Übereinstimmungen im Buchgeschmack gab, kaufte ich mir das Buch und begann einige Wochen später darin zu lesen. Um es kurz zu machen: Ich habe auf Seite 118 beschlossen, das Buch nicht weiterzulesen, die Sex-Phantasien des Protagonisten nerven mich und ich überlege nun, ob das Buch wirklich eine Empfehlung war oder ob ich da einen Flirt verpasst habe. Ich bin aus dem Business ja irgendwie raus.

(Nehme ernstgemeinte Hinweise entgegen, sollte es sich lohnen, noch ein wenig durchzuhalten. Bitte aber um gute Begründung!)

VIVID No. 2 ist da!

Wer mir auf meinen Social-Media-Kanälen folgt, wird es schon bemerkt haben: Die zweite Ausgabe von VIVID ist fertig. VIVID? Ja, das ist das Düsseldorfer Wirtschaftsmagazin, das ich in den vergangenen sechs Monaten als Chefredakteurin unterstützt habe. Was und wer treibt die Düsseldorfer Wirtschaft an – diese Geschichten erzählt VIVID.

Wie schafft man es eigentlich permanent innovativ zu sein? Sich ständig neu zu erfinden? Und wer ist wirklich innovativ? Diesen Fragen sind wir in der zweiten Ausgabe in unserem Schwerpunktthema nachgegangen. Meine Lieblingsgeschichte: die über 3M. Ist es nicht faszinierend, dass ein Unternehmen rund 35 Prozent seines Umsatzes mit Produkten macht, die weniger als fünf Jahre alt sind. Was in diesem Unternehmen für eine Innovationskraft und Treffsicherheit steckt! Und trotzdem verbinden die meisten mit 3M nur die Post-Its.

Doch auch die Ansichten von Christopher Peterka sind höchst spannend. Er hat die Glaskugel herausgeholt und ein paar steile Thesen geliefert, wie wir in zehn Jahren leben werden. Die gute Nachricht: Wir werden weniger arbeiten. Die schlechte: Deutschland wird als eines der letzten Länder noch Bargeld haben.

Ich finde auch dieses Mal haben wir viele tolle Geschichten aus der Düsseldorfer Wirtschaft ausgegraben. ein Porträt über Füchschen-Chef Peter König, die Geschichte über die Start-up-Offensive von QVC und die Antwort auf die Frage, wie der Breidenbacher Hof eigentlich zum Wahrzeichen von Düsseldorf wurde. Ich selbst habe über Blockchain geschrieben und Rainer Kunst und Alexander Saul von Vodafone beim Joggen begleitet. Wie schon beim letzten Mal freuen wir – das gesamte Team – uns über Feedback und Anregungen. Die Anregungen werde ich dann an Britt Wandhöfer weitergeben, die die Chefredaktion übernommen hat, da ich mich – wie von vornherein geplant – nun wieder anderen, digitalen Projekten zuwenden werde.

Mein Fazit: Das VIVID-Team ist super. Grüne Wiesen sind super. Und drittens: Tot ist diese Form von Print noch lange nicht.

Die „Zielgruppe“ ist kein Buzzword

(Dieser Text ist ein kleiner Teil meines Newsletters, der derzeit recht regelmäßig erscheint. Hier kannst du dich anmelden)

Ich bereite gerade ein zweieinhalbtägiges Seminar zum Thema „Digitale Kommunikation“ vor und plane dabei – damit sich das Wissen am Ende des Seminars nochmal ordentlich setzt – mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern „Buzzword-Tabu“ zu spielen. Dazu habe ich über Twitter und Facebook aufgerufen, mir beliebte Buzzwords zu schicken – ein Segen. Innerhalb kürzester Zeit hagelte es wunderbare Begriffe wie Influencer, Snackable Content, Skalieren und Co. Als ich dann den Satz „Wer ist unsere Zielgruppe?“ las, wurde ich kurz stutzig. Ist die Frage nach der Zielgruppe, bereits buzzwordig? Ist sie nicht eigentlich essentiell, wenn es um jede Strategie- oder Produktentwicklung geht? Für wen machen wir das eigentlich und brauchen die das überhaupt? Wenn sich diese Frage der eine oder andere Produktmanager in den vergangenen Jahren öfter mal ernsthaft gefragt hätte – es hätte viele Smartphone- und iPad-Apps mit Medieninhalten nicht gegeben. Aber das nur am Rande.

Auf einer langen Autofahrt hörte ich am Mittwoch die Hotel-Matze-Folge mit Micky Beisenherz. Der erzählte von seinen zahlreichen Projekten: den Kolumnen für den Stern, seine Autorenarbeit beim Dschungelcamp, für Oliver Polak und diverse TV-Sendungen und Matze Hielscher fragt, wie er es eigentlich schafft, über Jahre hinweg Autor für so viele unterschiedliche Projekte zu sein und dennoch gefragt zu bleiben. Und Micky Beisenherz sagte so was wie: ‚Ich überlege genau, für wen ich das eigentlich schreibe‘. Beim Print-Stern sei die Zielgruppe weiblicher, bei online gemischt, Polaks Publikum möge es ein wenig heftiger und so weiter.

In diesem Zusammenhang zitiere ich auch regelmäßig Kurt Tucholsky: „Wer auf andere Leute wirken will, der muss erst einmal in ihrer Sprache mit ihnen reden.“ Nein, Zielgruppe ist kein Buzzword. Sorry, Leute.

Testament der Angst

(Dieser Text war Teil meines Newsletters, den du hier abonnieren kannst)

Eigentlich ist Angst ja eine ziemlich gute Sache. Sie schärft unsere Sinne, aktiviert unsere Kräfte und leitet ein der Gefahrensituation angemessenes Verhalten ein. Jeder von uns hat Ängste, kleine wie große. Allerdings funktioniert das mit dem Aktivieren nur, wenn nicht die Angst selbst das Handeln blockiert oder zu wenig Angst reale Gefahren ausblendet. Die Angst vor dem Fremden scheint derzeit in bestimmten Bevölkerungsschichten recht stark ausgeprägt zu sein. Geschichten des positiven Zusammenlebens werden ausgeblendet und es besteht keine Chance, dass diese auch für das eigene Leben gelten könnten – die Angst blockiert die Sicht auf die positiven Dinge, die Sicht auf die Möglichkeit, konstruktiv zu gestalten als nur blockierend rumzumotzen.

Der Grund für meine Philosophierei: Ich war in dieser Woche Teil einer Diskussion über die Gegenwart und Zukunft: Eigentlich sollte es darum gehen, was sich Leser von ihrem Regionalverlag wünschen, die Diskussion blieb aber irgendwann bei der Frage stecken, wie viel Datensammeln eigentlich in Ordnung geht und welche Regeln in diesem Business vielleicht gelten müssten oder ob es vielleicht doch alles ganz egal ist so lange der Nutzen aus der Herausgabe meiner Daten groß genug ist. Stichwort: Whatsapp und Co. „Ich möchte das nicht, dass ich manipuliert werde“, sagt eine Frau, Mitte 60, bei einer Diskussion und war so erregt, dass sie zwischenzeitlich den Raum verließ, um ein bisschen runterzukommen. Denn emotional ist diese Diskussion allemal. Nicht erst seitdem man aus China hört, dass dort bereits mit Social-Scoring-Modellen experimentiert wird: Wer sich (regierungs-) konform verhält, kann Bonuspunkte sammeln, wer gegen die auferlegten Regeln verstößt, dem droht Punktabzug.
Wie krass getrennt unsere Gesellschaft schon jetzt ist – auf der einen Seite die Digitalisierungsbegeisterten und auf der anderen Seite die -Verweigerer – ist mir an diesem Nachmittag mal wieder aufgefallen. Ich vergesse das immer wieder, denn natürlich bewege ich mich vor allem in Kreisen, in denen die Chancen der Digitalisierung im Fokus stehen. Und auch wenn es oft aufwühlend ist, ich glaube, dass diese Diskussionen trotz aller verhärteten Fronten ein bisschen was bringen. Auf der einen Seite mehr Verständnis, auf eben diese Ängste einzugehen, und auf der anderen Seite die Hoffnung, dass man die Ängstlichen zumindest ein kleines Bisschen bewegen kann, auch über ihren Tellerrand hinweg zu denken.

Und ja: Wir reden noch immer viel zu selten, in großen wie kleinen Runden, ob virtuell oder face-to-face. Denn der Bedarf an Austausch ist auf jeden Fall vorhanden, das merke ich auch immer an den Seminaren und Workshops, die ich in den vergangenen Monaten gegeben habe. Wer sich für „Storytelling mit Instagram Stories“ anmeldet, will oft noch viel mehr als nur dieses Thema: verstehen, wie Dinge funktionieren, ausprobieren, Mechanismen begreifen, Hypes nachvollziehen und Fragen stellen, ohne verurteilt zu werden. Könnten Journalisten dabei nicht grundsätzlich eine viel stärkere Rolle spielen?

Ein bisschen pöbeln übers Pöbeln

(Dieser Text war auch Teil meines fast wöchentlichen Newsletters, für den du dich hier anmelden kannst)

Leider würde ich gerne gerade nur herumpöbeln. Das ist ein bisschen schwierig, denn der Hauptgrund für diese Pöbellust ist, dass in meinem digitalen Umfeld gerade gepöbelt wird. Oft natürlich zu recht: Eine Frau wird dafür angegriffen, das ssie WM-Spiele kommentiert. Die einzige Hündin Sky bei Paw Patrol spielt meist nur eine Statistenrolle. Im EU-Rechtsausschuss werden eklatante Eingriffe in das freie Internet vorbereitet. („EU stimmt für Uploadfilter“) Darüber regen sich wiederum zu recht viele Menschen in meiner Internetblase auf, sie schaffen es aber nicht, die Konsequenzen eines so genannten Uploadfilters (Bis auf ein paar Ausnahmen) so zu erklären, dass auch nicht ganz so digitale Menschen sie verstehen. Stattdessen wird davon gesprochen, dass die Meme-Kultur gefährdet sei. Und ob nun wirklich lustige Katzenbilder gerettet werden müssen, da kann ich leider sogar ein bisschen verstehen, dass sich da einige Politiker abwenden und ihr Händchen heben. Nicht zu vergessen: Ein US-Präsident mischt sich mit Tweets nicht nur in die Politik anderer Länder ein, er betreibt an seiner Außengrenze auch noch eine unmenschliche Politik, indem er Kinder von ihren Eltern trennt und in Käfige sperrt. Bonustrack: sich angiftende Politiker, Lügen, die zum einen mit Vehemenz verbreitet und mit der gleichen Vehemenz mit Worten bekämpft werden, allerdings dadurch noch mehr Resonanz bekommen. Du merkst, wir befinden uns in einem sich selbst verstärkenden Teufelskreis und ich möchte mir gar nicht ausmalen, wo das alles hinführt. In nicht ganz so optimistischen Phasen verweise ich auf das, was die Popsängerin Lily Allen gestern twitterte:

Meistens jedoch klicke ich dann erst einmal woanders hin, denn natürlich gibt es auch noch die schönen Seiten in diesem Internet. Da wird Brot gebacken, sich am Kindeswohl ergötzt oder Breitband verlegt. Oh wait.

Meine Chefin und ich

Ich bin ganz glücklich, gerade mein eigene Chefin zu sein und viele Dinge nur mit mir abstimmen zu müssen. „Lassen wir die Mittagspause heute ausfallen oder lieber nicht?“ – „Och, lass mal durcharbeiten, dann gehst du heute Abend mal nicht mehr an den Rechner.“ – „Na gut.“ Oder: „Willst du diesen Auftrag wirklich machen?“ – „Eigentlich mache ich sowas ja nicht, aber mit diesem Kunden wollte ich schon immer mal arbeiten.“ – „Ok, dann mach ich’s.“ Sehr effektive Abstimmungsrunden sind das mit mir und das kann ich wirklich jedem nur empfehlen.

Das führte dazu, dass mir meine innere Chefin ein paar Inspirationstermine in den Kalender gesetzt hat. Neben all den Deadlines, aber da ich nun mal auf meine Chefin höre, war ich am Dienstag beim Parlamentsgespräch im nordrhein-westfälischen Landtag, um einer Diskussionsrunde über „Medien und Demokratie“ beizuwohnen. Es ging um den Anschlag in Münster, wie die Polizeit kommunizierte und gegen Ende dann doch auch um das große Ganze und wie Medien sich denn so verändern müssten und so weiter. Eine durchaus gute Diskussion, auch wenn ich immer wieder hin und hergerissen. Einerseits war ich da in der Rolle der Zuschauerin, die unterhalten werden wollte. Andererseits die professionelle Beobachterin, die zu verstehen versuchte, wie Dunja Hayjali sich ganz natürlich in den Mittelpunkt der Diskussionsrunde brachte.

Nicht viel unspannender war das Verhalten der Moderatorin Anne Gesthuysen, bekannt aus Funk und Fernsehen, liiert mit Frank Plasberg. Sie überspielte recht charmant, dass mittendrin plötzlich ihr Smartphone klingelte. Leider war ich die letzten 20 Minuten damit beschäftigt zu überlegen, ob sie das Blatt mit ihrem neuen Buchcover wirklich unbewusst geschlagene zehn Minuten dem Publikum präsentierte oder ob es wirklich keinen anderen Zettel im Haushalt gab, um sich die letzten Fragen für ihre Moderation zu notieren.

Inspirationstermin Nummer zwei war #Leandus bei Sipgate mit Michael Rossié, der wahnsinnig unterhaltsam über Kommunikation sprach und dem ich fasziniert dabei zuschaute, wie er innerhalb weniger Sekunden den ganzen Saal für sich eingenommen hatte. Ich habe nicht einmal brauchbare Fotos gemacht.

Punkt 3 in meinem Terminkalender war die Live-Performance von Hazel Brugger und Thomas Spitzer zu ihrer Internetshow, was wahnsinnig unterhaltsam war und ich so auch erfuhr, dass die beiden eine Internetshow haben, die ich nun sicherlich mal schauen werde. Bei der Gelegenheit lernte ich auch noch eine tolle Frau kennen, die meine Begleitung für den Abend war, ein Blinddate quasi. Kann ich auch nur empfehlen, wenn es ums Inspirieren geht. 

Im nächsten Feedbackgespräch mit meiner Chefin werde ich mich für den Input bedanken und da wir ja wirklich gut zusammenarbeiten und flache Hierarchien groß schreiben und eigenständiges Arbeiten feiern, werde ich im nächsten Sprint im Kalender endlich mal feste Blogzeiten blockieren.

Dieser Text ist eine gekürzte Variante eines Textes aus meinem Newsletter, für den du dich hier anmelden kannst.)

Kein Verlass auf Benjamin Blümchen

Da denke ich jahrelang, dass diese ganzen Hörspiele, die hier tagein, tagaus so laufen, auch irgendwie einen Teil des Bildungsauftrags erfüllen und dann sowas. Ich weiß nicht, wie häufig ich bei einer Autofahrt mittlerweile „Benjamin Blümchen als Detektiv“ (Folge 24) (Vorsicht, ist ein Affiliate-Link!) gehört habe, aber jedes Mal, wirklich JEDES Mal habe ich mir nix dabei gedacht, als es hieß, dass das Panda-Baby am liebsten Eukalyptus-Bonbons isst. Ja, klar, warum es ausgerechnet Bonbons sind, darüber hatte ich schon mal nachgedacht. Und dann kam heute auf dem Weg zum Zoo die Frage auf: „Was essen eigentlich Koalabären?“ Bambus, Eukalyptus? Verwirrung kam auf, ging doch die ganze Familie davon wegen BENJAMIN BLÜMCHEN davon aus, das Pandas Eukalyptus essen und Koalas Bambus. Moment: Schnell gegoogelt und dann die Bestätigung, dass es doch genau anders herum ist.
Also merken Sie sich das: Pandas sind die mit dem Bambus, Koalas die mit dem Eukalyptus. Und niemals glauben, dass man bei Benjamin Blümchen was fürs Leben lernt. Damn.

Was ich manchmal in mein Notizbuch schreibe

(Dieser Text stammt aus meinem Newsletter, für den du dich hier anmelden kannst)


„Was siehst du auf diesem Bild?“, fragte sie uns. Ich sehe eine Frau, die einem Kind den Rücken eincremt. Der Himmel ist blau, im Hintergrund sehe ich das Meer. Während ich mit meinen Gedanken abschweife und an den letzten Holland-Urlaub denke – Muscheln sammeln, Füße eingraben, eine Sandburg bauen, spüren, wie der Wind die Sandkörner an meine Beine schlägt, Salzwasser – erzählt ein anderer von seiner Angst vor den Quallen und warum er in der Kindheit diese Urlaube am Meer immer gehasst hat. Ein anderer wiederum sehnt sich sofort nach einer Woche Ausspannen am Strand, nichts tun, weil die vergangenen Wochen doch sehr anstrengend gewesen sind.

Warum ich diese Anekdote erzähle? Weil mein Notizbuch voll ist und ich die Gelegenheit nutzte, mal zu schauen, was ich in den vergangenen anderthalb Jahren so notiert habe. Ich habe dabei diesen Spruch gefunden und finde ihn immer noch großartig.

We do not see things as they are, we see things as we are.

Er erklärt einfach sehr viele Phänomene. Warum du auf bestimmte Sätze deines Partners gerne mal grundgereizt reagierst. Warum sich viele neuen Prozessen, Tools oder Produkten verweigern. Digitalen wie Nicht-Digitalen. Neuen Mitarbeitern, Vorgesetzten, Chefs. Weshalb die neue Freundin des Sohnes besonders begutachtet wird, Alarmglocken schrillen, wenn die Kinder mal nicht zur verabredeten Zeit nach Hause kommen. Ich könnte jetzt noch unzählige andere Situationen aufschreiben, aber du schweifst vielleicht selbst schon ab und denkst an diesen einen Moment, in dem du dich gefragt hast, was zu der Abwehrhaltung deines Gegenübers geführt hat, als du eine aus deiner Sicht völlig wertfreie Frage stelltest.

Neuland am 25. Mai 2018

Am 25. Mai 1989, also vor genau 29 Jahren sind meine Eltern mit meinem Bruder und mir aus der damaligen Deutschen Demokratischen Republik in den Westen gezogen. Mit dem Zug sind wir in Berlin losgefahren, zunächst hoch in den Norden, um dann mit dem Zug nach Gießen zu fahren, wo wir ungefähr eine Woche mit einigen anderen Neuankömmlingen in einer Turnhalle schliefen. Danach machten wir uns wieder auf gen Norden, um dann im schönen Bad Bederkesa anzukommen zu leben.

Ein Tag, der für mich irgendwie prägend war und ich bin gespannt, ob der 25. Mai 2018 mich ähnlich prägen wird. (Drama kann ich, oder? WTF, es geht doch hier um Datenschutz!)

Am 25. Mai 2018 wird die DSGVO für alle gültig und auch ich habe mich nach bestem Wissen und Gewissen – das sagt man doch so – auf das Rechtskräftigwerden der Datenschutzgrundverordnung vorbereitet. So wie man das derzeit machen kann. Denn: Es ist nicht einfach. Wenn du nach verlässlichen Informationen suchst, findest du alles: Panikmache, gute Vorlagen (Alter, der Datenschutzerklärungsgenerator von Thomas Schwenke ist ein Traum!), berechtiges Rumgemecker und viel Unsicherheit, weil die einen die Vorschriften sehr streng interpretieren, die anderen nicht, weil sie es nicht besser wissen oder darauf vertrauen, dass sich das schon ohne großen finanziellen Aufwand selber regelt. Und dann stehst du vor der Frage, ob du den Facebook-Button im Blog ausbaust oder ganz auf die Einbindung von Social-Media-Inhalten verzichtest und ärgerst dich, dass du dir allein diese Frage stellen musst. Denn: Es ist deutlich sicherer, die großen Plattformen zu nutzen, als die eigene Plattform zu nutzen.

Was jetzt hier im Blog anders ist?

Zum einen habe ich meine Datenschutzerklärung aktualisiert – mit dem oben erwähnten Generator, habe dafür auch Geld bezahlt, da das mit dem Blog hier ja so eine Sache ist: Hier wird zwar keine Werbung geschaltet, aber da dieses Blog ja so ein bisschen auch eine Art Schaufenster für mich und meine Arbeit ist, na, es ist kompliziert und die Arbeit des Herrn Schwenke muss auch geschätzt werden. Des Weiteren könnt ihr beim Kommentieren jetzt immer meiner Datenschutzerklärung zustimmen, es sieht noch ein bisschen ruckelig aus, aber das wird sich in den nächsten Tagen sicherlich auch wieder legen.

Ich werde auch vermutlich auch weiterhin Instagram- oder Twitter-Beiträge einbinden und habe dich darüber auch in meiner Datenschutzerklärung informiert, genauso wie du auch weiterhin in den Genuss meines Newsletters kommen kannst, den ich über Mailchimp verschicke. Und die Adressen, die ich dafür eingesammelt habe, nutze ich auch wirklich nur dafür und zu sonst nix anderem.

Ach ja, SSL-verschlüsselt ist diese Seite auch – danke wie immer an den wunderbaren Christian, der ja in ein paar Wochen vielleicht auch wieder Kapazitäten für neue Projekte haben könnte – datenschutzkonforme, versteht sich.

Und nun wünsche ich dir viel Spaß in diesem „neuen“ Internet. Falls ich doch etwas übersehen habe, bin ich für Hinweise dankbar. Ist ja für uns alle Neuland.

Was ich von der re:publica mitgenommen habe

(Dieser Text war Teil meines Newsletters, den ich regelmäßig verschicke. Hier kannst du dich anmelden!)

Gedanken, Talks, und das große Ganze. Und ein paar dieser Dinge könnt ihr euch sogar selbst auch nochmal anschauen.

1. Algorithmen verteufeln oder doch lieber vergöttern? Weder noch. Die New Yorker Sozialwissenschaftlerin Dana Boyd hielt in diesem Jahr die Eröffnungsrede und das war ziemlich toll. Sie plädierte für einen differenziertere Sicht darauf, wie Algorithmen, Meinungen und Macht beeinflussen. „Strategic silent“ ist der Begriff, den ich mir zwischendurch mal notiert habe. Er meint, aus strategischen Gründen einfach mal nichts zu sagen. Gute Frau und gut, dass sie es endlich nach Berlin geschafft hat. Hier kannst du dir die Keynote anschauen.

2. Alte Hasen angucken lohnt sich immer noch. Es gibt ein paar Personen und Institutionen, die gehören zur re:publica. Am ersten Tag Sascha Lobo zuhören, zum Beispiel, Felix Schwenzel lauschen, die Session vom Techniktagebuch, und und und. Was mich besonders gefreut hat: Auch ein paar andere so genannte alte Hasen haben sich in diesem Jahr auf die Bühne getraut. Zum Beispiel der geschätzte Thomas Knüwer: Er plädierte dafür, darüber nachzudenken, die Tonalität im Netz zu verändern. „Wir sind anderen Meinungen immer mehr verschlossen“, sagte er und ich bin immer noch sehr gespannt, wie sich sein Vortrag auf seinen Blogstil auswirken wird. Ein weiterer: Richard Gutjahr, der die vergangenen zwei Jahre Revue passieren ließ. Immer noch unfassbar und ich bin so dankbar, dass Richard so offen über alles redet.

3. Auf der re:publica kannst du neue Talente entdecken. Ok, wer Sophie Passmann noch nicht kennt, bei dem weiß ich auch nicht, aber dass sie eben auch für die größere Bühne taugt, hat sie dieses Jahr eindrucksvoll auf der re:publica bewiesen. 

4. Es lebe die Filterblase! Die einen meinen, dass Filterblasen durch die re:publica platzen, die anderen feiern ihre Filterblase. Ich gehöre zu der zweiten Kategorie, denn ich glaube nicht, das der erste Punkt so stimmt. Ich finde, dass die re:publica in all den Jahren schon einmal diverser war, auch wenn es großartig ist, dass fast 50 Prozent der Podien weiblich besetzt waren, die Besucherzahl auch fast ausgeglichen war. Was ich vermisst habe: Mehr Unternehmensvertreter, die sich den Diskussionen stellen, die gesellschaftlich Verantwortung übernehmen (wollen). Und wenn ich die Filterblase hier so feiere, muss ich auch unser „Digitales Quartett“ erwähnen, das am ersten Tag parallel zu Sascha Lobo lag, aber erstaunlicherweise dennoch gut besucht war. Unsere Gäste waren diesmal: Cartoon-Bloggerin und Innovationsmanagerin Ute Hamelmann, Nachwuchsjournalist Vassili Golod , SPD-Vorkämpfer Constantin Grosch, Lisa Altmeier von den Crowdspondents sowie Valerie Mocker, Head of European Digital Policy der Nesta Stiftung aus Großbritannien. Hier anschauen.

5. Du kannst eine wunderbare re:publica haben, ohne auch nur eine einzige Session anzuschauen. Ich habe sehr viele Gespräche geführt, tolle, berührende, inspirierende. Denn auch das ist die re:publica. Das Wetter war spitze, die Dichte an Menschen, mit denen du potenziell gute Gespräche führen kannst, hoch und nebenbei gab es auch viele spannende Dinge im Ausstellungsbereich: So präsentierte der WDR ziemlich eindrucksvoll ein virtuelles Bergwerk und per Augmented Reality Zeitzeugen des zweiten Weltkrieges. Ja und auch der Maulwurf drehte dort seine Runden. 

6. Medienpanels meiden. Eine der enttäuschendsten Veranstaltung war eine zu Medien und Blockchain. Grund: Weil nur die Oberfläche angekratzt und nur Basics erklärt wurden. Aber auch andere Diskussionsrunden führten zu nix oder dienten nur dem Austausch, alt bekannter Weisheiten und Rants. Ergo: Gehe in die Panels, in die du eigentlich gar nicht gehen wolltest, und dann wirst du eine (hoffentlich positive) Überraschung erleben. Einer, der das getan hat und bei dem ihr auch einfach mal nachlesen könnt: Sven Dietrich (Teil 1, Teil 2, Teil 3).

7. Weniger twittern, mehr bloggen. Auch wenn ich diesmal meine Eindrücke nicht täglich verbloggt habe (Bin mir gar nicht sicher, ob ich das im vergangenen Jahr auch noch getan habe, aber es wäre ja eigentlich gut, es wieder zu machen), habe ich „Content“ produziert. Ich habe mit Achim Hepp einen Podcast aufgenommen und ihm was übers Brot backen erzählt, ich habe mit Xing über Silos in Unternehmen gesprochen und ich habe den Jungs von Meedia erzählt, wie ich’s so fand

Hat sich also mal wieder gelohnt. Kommst du nächstes Mal mit?