Die seltsame Digital-Strategie der Nordsee-Zeitung

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Heute schauen alle nach Niedersachsen, da kann ich auch noch einmal dorthin schauen. Als ich nämlich letztens in der Heimat war, habe ich mal wieder einen Blick in die Nordsee-Zeitung geworfen, meiner so genannten Heimatzeitung. All die Jahre, in denen ich in Bederkesa gelebt habe, kam gegen viertel vor sieben immer die Zeitungsfrau angefahren und hat uns die Zeitung vor die Tür gelegt. Ich habe das oft gehört, weil die Haustür jedes Mal geknarrt hat und manchmal war die Zeitungsfrau so schwungvoll unterwegs, dass das Papierpaket gegen die Wohnungstür knallte, so dass ich auch das hören konnte.

Vor ein paar Jahren hat meine Mutter die Zeitung abgeschafft, die Gründe dafür sind vielfältig, ich kann sie nachvollziehen, auch wenn ich zwischendurch immer denke, dass das ja schon auch ein bisschen schade ist, aber auch ich in Düsseldorf lese vor allem digital und da kann ich ihr gar keinen Vorwurf machen.

Als dann letztens dieser Sturm wütete, wollte ich mal nachschauen, wie sehr der Landkreis Cuxhaven denn in Mitleidenschaft gezogen wird und fand unter nordsee-zeitung.de nur noch einen Hinweis auf das E-Paper. Offenbar hat sich die Marke „Nordsee-Zeitung“ aus dem frei zugänglichen Internet verabschiedet. Wer sich informieren will, kann das nun nur noch unter nord24.de machen, einem so genannten Reichweitenportal, das nicht so aussieht, als ob da viel Reichweite drauf ist und bei der IVW ist das Portal auch nicht gemeldet. Ernst nehmen kann ich dieses Portal nicht, am Wahlsonntagabend sind dort die Nartumer Schützen mit ihrem Oktoberfest wichtiger als politische Entscheidungen.

Dazu muss man wissen, dass die Nordsee-Zeitung schon so etwas wie eine Traditionszeitung ist. Viele gute Journalisten haben dort gearbeitet, die Nordsee-Zeitung ist zudem seit jeher Monopolzeitung, was manche als Glück bezeichnen, andere als Unglück, weil dadurch in den vergangenen Jahren kein echter Druck zur Transformation bestand.

Nun könnte man meinen: Mensch, vielleicht haben die ja die sozialen Medien für sich entdeckt, um die Marke im Digitalen weiterleben zu lassen. Doch, nein. Selbst im Nordsee-Zeitungskanal bei Facebook gibt es nichts Aktuelles, schon gar nicht bei Sturm. Von den Wahlergebnissen am heutigen Wahlabend natürlich auch keine Spur – der neueste Beitrag ist ein Hinweis auf das Rezept für lauwarmen Zwetschgenkuchen. Und das ist kein Scherz.

Am 1. November gibt es dort übrigens einen neuen Chefredakteur. Angeblich soll er dann die Digitalisierung der Zeitung vorantreiben. Wenn es dafür nicht längst zu spät ist.

Wie kämpft man 2017 um eine Schule?

Das letzte September-Wochenende fühlte sich ein wenig wie eine Zeitreise an. Ich tauchte ab in meine Schulzeit – der 97er Abiturjahrgang des Niedersächsischen Internatsgymnasiums Bad Bederkesa (Ja, so heißt die Schule wirklich!) traf sich. 20 Jahre ist das alles her. Erkannt habe ich alle noch – und der Rundgang durch die Schule war eine Mischung aus Nostalgie, dem Entdecken von Neuem und Erinnerungen. Mein Klassenraum in der 7. Klasse, der damalige Musikraum ist nun das Lehrerzimmer, der Kunstraum war frisch renoviert aber alt betischt, da die altgediente Lehrkraft darauf bestanden hatte, die alten Tische noch benutzen zu wollen. (Sowas geht vermutlich auch nur an Schulen.)

Der Matheraum ist mittlerweile mit einem anderen Raum verschmolzen – den Klassengrößen sei Dank. Die alte Turnhalle, die damals als Ort für die besten Schulpartys her hielt, ist nun eine moderne Bibliothek. Auf dem alten Tennisplatz steht ein schicker Mehrzweckbau mit Pausenhalle und jeder Menge Fachräume.

Es gibt wohl nur wenige Orte, an denen Altes und Neues so aufeinander treffen wie in Schulen. Es gibt Wände, von denen die Farbe blättert, das gesamte Obergeschoss riecht nach altem Holz, Staub und frischer Farbe. Vor grünen Tafeln stehen weiße moderne Boards, mit denen man ins Internet gehen kann, im Informatikraum druckt ein 3D-Drucker.

Wir laufen auch durch das Archiv des Fördervereins. Beinahe griffbereit stehen da in der Ecke die alten Protestschilder aus dem Jahr 1994. Damals kämpften Lokalpolitiker, Eltern, Lehrer und Schüler gemeinsam für den Erhalt der Schule. Mit Streiks, Unterschriftenaktionen, Demonstrationen in der Landeshauptstadt Hannover, wochenlanger Begleitung in der lokalen und regionalen Presse. Das Internet spielte damals keine Rolle. Und trotzdem haben alle darüber geredet und sich engagiert.

Derzeit wird auch wieder um die Zukunft dieser Schule gerungen, weil in der nächst gelegenen Stadt Langen eine Oberstufe errichtet werden soll. Ich bin sehr gespannt, ob es im Jahr 2017 gelingt, eine ähnliche Aufmerksamkeit zu generieren und auf welche Mittel dabei gegriffen wird. Reicht die Begleitung durch die Nordsee-Zeitung, die immer weniger lesen? Hat die aktuelle Schulleitung Format und politisches Gespür, um Mehrheiten zu organisieren? Fährt wieder einer Buskarawane zur großen Demo nach Hannover? Könnte Social Media helfen? Bei Facebook hat die Schule 197 Fans. Ich bin gespannt, welche Mischung aus Bewährtem und Modernem zum Zuge kommen wird.

In eigener Sache

Es gibt Neuigkeiten. Nach knapp vier Jahren als Chefredakteurin von WirtschaftsWoche Online und knapp zwei Jahren als Leiterin Digitale Vernetzung für Handelsblatt und WirtschaftsWoche endet meine Zeit bei der Verlagsgruppe Handelsblatt. Ich verlasse das Unternehmen zum 30. September und mache mich selbstständig.

Ich habe beim Handelsblatt viel gelernt und bewegen können: Habe WirtschaftsWoche Online in die Top25 der Nachrichtenwebseiten geführt, viele spannende vor allem interaktive redaktionelle Formate und das Paid-Content-Modell eingeführt. In meiner Rolle als Leiterin Digitale Vernetzung für Handelsblatt und WirtschaftsWoche habe ich viele digitale Trends aufgegriffen und umgesetzt: Wir haben die Social-Media-Strategien von Handelsblatt und WirtschaftsWoche weiterentwickelt, neue Formate eingeführt, gemeinsam Hackathons veranstaltet, das Ada-Lovelace-Festival wachsen lassen, den Digital Transformation Summit der WirtschaftsWoche zum Erfolg geführt, mit dem Handelsblatt beim Brexit London und zur Trump-Wahl Washington unsicher gemacht – ich könnte noch viele weitere spannende Projekte nennen. Ich bin dankbar für die Zeit, die Möglichkeiten und die tollen Kollegen, mit denen ich arbeiten durfte.

Jetzt beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Ich freue mich, meine gesammelten Erfahrungen nun auch anderen Unternehmen anzubieten:
– Ich konzipiere digitale Produkte sowie innovative Kommunikationswege wie auch Veranstaltungen
– Ich entwickle erfolgreiche Strategien, Inhalte, sowie Formate für digitale Kanäle und soziale Netzwerke und setze sie um
– Ich baue digitale Teams auf und um, schaffe Strukturen und führe neue Prozesse ein
– Ich begeistere Mitarbeiter und Redakteure für die digitalen Publikations- und Kommunikationskanäle und helfe im Transformationsprozess
– Und klar: Schreiben und Moderieren geht auch immer…

Konzeption, Beratung, Training, Redaktion – das habe ich mir vorgenommen und darauf freue ich mich.

PS: Falls es bei dir im Haus eine Idee gibt, die weitergedacht und umgesetzt werden soll, let’s talk.
PPS: Ich freue mich über Weiterempfehlungen in dein Netzwerk.
PPPS: Du hast den ultimativen Tipp für die Selbstständigkeit? Her damit! :)

Warum ich am Sonntag (mal wieder) strategisch wähle

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Ich habe lange darüber nachgedacht, ob ich jetzt in einem langen Aufsatz dazu auffordere, am Sonntag zur Wahl zu gehen. Ob auf Instagram, Snapchat, Facebook, Twitter oder in Blogs – überall gibt es persönliche oder organisierte Initiativen für eine höhere Wahlbeteiligung bei der Bundestagswahl am Sonntag. Das ist toll – hey, politisches Engagement! – , auch wenn ich nicht unbedingt glaube, dass das etwas bringt. Denn ist es sinnvoll einfach nur irgendwelche Stimmen zu mobilisieren, um dann wieder vier Jahre rumzumäkeln, dass eh alles scheiße ist und Politiker blöd? Viel wichtiger wäre echtes und langfristiges politisches Interesse und Engagement.

In dieser Woche hat mich ein Text sehr berührt. Nicht nur weil ich mir vorgestellt habe, wie sich Anna fühlen muss, hin und her gerissen zwischen Familie und ihrem eigenen Leben, zwischen Vorurteilen und Realität. Der Text hat mich auch deshalb berührt, weil er das Dilemma dieser Bundestagswahl perfekt auf den Punkt bringt. Grob zusammengefasst: Die Eltern der jungen Journalistin wählen nicht mehr, weil sie meinen, dass ihre Interessen von keiner der Parteien vertreten werden. Sie haben früh Kinder bekommen, sind in Hartz IV gerutscht, Anna erzählt, wie sie dieses Stigma im Schulleben begleitete und gleichzeitig motivierte, ein anderes Leben leben zu wollen.

Ich verstehe nun ein bisschen besser, warum es immer mehr Menschen gibt, die Protest wählen – in Form von AfD oder anderen politischen, aber auch unpolitischen Parteien: Es gibt eine immer größer werdende Zahl an Menschen, die sich auf welche Weise auch immer nicht mehr vom politischen System, ihren Parteien und Köpfen abgeholt fühlt. Die Jungen, die beim TV-Duell die für sie wichtigen Zukunftsthemen vermissten, diejenigen, die befürchten, ihre Arbeit an Flüchtlinge zu verlieren, und andere, die befürchten, in der neuen digitalisierten Welt nicht mehr mitspielen zu können. Und da sind beispielsweise auch Annas Eltern, die nicht mehr auf den Sozialstaat vertrauen. Alle eint: Die Angst vor dem Ungewissen. 

Die eine setzt auch ein fröhliches „Weiter so“, der andere tut so, als ob der Sozialstaat einfach nur immer weiter aufgebläht werden könne, die Grünen wehen berechtigt mit der Klimafahne, aber vergessen, dass sich in unsicheren Zeiten meist jeder selbst am nächsten ist. Die Linke will alle über einen Kamm scheren und die FDP hat zwar die beste Kampagne in diesem Wahlkampf hingelegt, aber ob sie auch in der Langstrecke wirklich mit Themen jenseits der bewährten Klientelpolitik abliefern kann, steht noch in den Sternen.

Warum sollte ich diesen Menschen vertrauen? Menschen, die nicht meine Sprache sprechen. Die in den vergangenen Jahren das politische System geformt haben, Entscheidungen vorangebracht oder mitgetragen haben. Menschen, die nicht wissen, wie es ist, aus dem System Hartz IV nicht mehr herauszukommen (Ich weiß es ja nicht.). 

Und so passiert es wieder: Noch gehöre ich zu den Menschen, die zur Wahl gehen, ja sogar ganz klassisch am Sonntagmorgen mit Spaziergang zum Wahllokal. Weil ich an die Demokratie glaube und am Ende auch davon profitiere. Und ich werde auch diesmal nicht aus Überzeugung, sondern strategisch wählen. Damit andere Mehrheiten zustande kommen und wir irgendwann dann doch mal die Zukunft angehen. Unsere Kinder haben sie verdient. 

Raus aus der Filterblase: Playmobil-Filme bei Youtube

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Am vergangenen Wochenende war ich mal wieder in Hamburg. Zum mittlerweile dritten Mal gab ich ein Seminar zum Thema „Bloggen“. Und irgendwann sagte ich auch diesmal wieder: „Es gibt kein Thema, zu dem es kein Blog gibt“ und verweise dann gerne auf das Sammelbilder-Blog und dann schauen immer alle ganz erstaunt.

Als ich in der vergangenen Woche dann am Abend bei einem Glas Wein und Kürbissuppe in der fremden Wohnung saß, schaute ich ebenfalls erstaunt. Denn der Junge, der in dieser Wohnung lebte, schaut mit großer Begeisterung auf Youtube Playmobil-Filme. Und zwar nicht die Playmobilfilme, die Playmobil selbst regelmäßig publiziert. Nein: Es gibt da draußen eine große Zahl an Menschen und Kindern, die sich Geschichten für ihr Spielzeug ausdenken, dies durchfotografieren und daraus Filme für Youtube produzieren.

Da wäre beispielsweise Familie Hauser. Übernachtungsbesuch, Opas Herzinfarkt, aber auch ganz aktuell der erste Schultag nach den Ferien: In der Regel sind die Geschichten zwischen fünf und 15 Minuten lang und handeln vom ganz normalen Familienalltag – nachgespielt mit Playmobil. Der Kanal „Familie Hauser“ ist so beliebt, dass es die Familie bei Playmobil mittlerweile sogar zu kaufen gibt.

Wirklich irre finde ich auch das Angebot von Pandido – ein ganzer Kanal mit verschiedensten Serien zu Playmobilfiguren. Eigentlich total einfach produziert – letztendlich nur aneinandergereihte Fotos mit Ton unterlegt – und trotzdem liegen die Abrufzahlen der einzelnen Videos meist im sechsstelligen Bereich.

Hättest du gedacht, dass ein solches Video mehr als 15 Millionen Aufrufe generieren kann? Ich ehrlich gesagt nicht, auch nicht, nachdem ich mir die 4 Minuten 20 angeschaut habe.

Viel Spaß beim Schauen, ich muss jetzt leider ins Kinderzimmer. Äh, aufräumen.

Journal, 11.9. – Hamburg

In meiner Erinnerung ist Hamburg eher klein. Man kommt mit S-Bahn, U-Bahn und Bus überall hin, aber eher so wie in Düsseldorf. Viertelstunde und das war’s. Als ich am Wochenende mal wieder dort bin, ist Hamburg so ungewohnt groß. Der Bahnhof ist überfüllt, überall stehen Menschen mit Koffern im Weg. Zügig zum nächsten Bahnsteig zu kommen ist unmöglich. Ständig muss ich Menschen umfahren, die auf Anzeigentafeln starren, sich hilflos umschauen oder sich begrüßen. Auf dem Weg zur unterirdisch gelegenenen S-Bahn werde ich zweimal um Kleingeld gebeten. Die S-Bahn ist überraschend leer, dafür stinkt es unangenehm nach ungewaschenen Körpern. Am Zielbahnhof laufe ich an biertrinkenden Menschen vorbei, einige Meter vom Eingang entfernt uriniert ein Mann in die Hecke. Natürlich regnet es.

***

Als ich das Hotel für mein Abenddate verlasse, regnet es immer noch. Ich freue mich kurz, an Regenjacke und Schirm gedacht zu haben, ärgere mich aber zugleich, dass ich die Temperaturen wieder einmal unterschätzt und das Unterhemd vergessen habe. Es ist hier einfach immer noch viel kälter. Ich laufe an Menschen in Übergangsjacken vorbei und überlege kurz mir auch noch eine zuzulegen. Oder wenigstens Gummistiefel. Der Abend im Café Paris bei Wein und Tartar macht das wieder wett.

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Im holzvertäfelten Frühstücksraum ist noch nicht viel los. Zwei Ehepaare sitzen da, das eine will am Abend zu den Rolling Stones, das andere scheint Cruise-Days-Publikum zu sein. „Das letzte Mal hat die Kirche um 0 Uhr geläutet und dann wieder um 6“, sinniert die Frau, so dass alle es hören. Als ein weiterer Mann den Raum betritt und sich in ihre Nähe setzt, wiederholt sie den Satz noch zweimal. Ich habe in der Nacht kein einziges Läuten gehört.

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Den Samstagmittag verbringe ich in der Einkaufsstraße in Altona. An den vergangenen Wochenenden habe ich immer am Kartoffelstand einen Mittagssnack gegessen, da ist es diesmal aber voll, so dass ich zu Falafel und Salat greife. Menschen eilen an mir vorbei, Shoppen und Wochenendbesorgungen. Der Schreibwarenladen ist gut besucht, weil Eltern dort mit ihren Kindern Schulbesorgungen machen. Auf dem Weg zurück laufe ich noch über den Wochenmarkt.

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Wir folgen uns schon länger bei Twitter, sind über Facebook befreundet, aber getroffen haben wir uns noch nie. Sie hatte bei beruflichen Terminen in Düsseldorf schon ein paar Mal gefragt, ob ich Zeit hätte. Und da sich kurzfristig ein freier Abend ergab, fragte diesmal ich. Am Abend sitze ich im Bus nach Eimsbüttel. Ich überlege, ob ich wenigstens twittern soll, dass ich mich auf dem Weg zu einem Blinddate befinde, damit ich im Notfall gerettet werden kann. Aber verwerfe den Gedanken aber wieder: Es werden Kinder anwesend sein, sie hat einen seriösen Job, es ist Eimsbüttel. Wir essen Kürbissuppe, trinken Wein, spielen „Wer war’s?“ und haben einen schönen Abend. Als ich ins Taxi steige, hat der Regen längst aufgehört. Vielleicht könnte ich daraus etwas Regelmäßiges machen: Ich treffe all meine Twitter-Follower.

***

Es ist kurz nach neun, der Himmel ist blau und ich laufe zum Medienbüro. Seit gestern weiß ich, warum in der Schillerstraße ein Polizeicontainer steht. Nicht, weil das hier eine Brennpunktgegend ist, sondern weil dort der wichtigste Politiker der Stadt residiert. Downing Street in klein, quasi. Mein Rollkoffer weckt die beiden Männer in ihren Schlafsäcken auf, ich entschuldige mich für den Lärm und wünsche einen „Guten Morgen“. Sie fragen nach der Uhrzeit und packen ihre Sachen schnell zusammen.

***

Am Bahnhof ist es wieder sehr voll. Diesmal sind die Profis hier, Pendler, die wissen, wohin sie müssen, nur vereinzelt stehen Touristen orientierungslos herum. Ich kaufe Zeitung, Essen und eine Flasche Wasser und gehe zu Gleis 8. Ich werde zweimal um Kleingeld gebeten. Der Zug steht bereits da, ohne Wagen 11, in dem das Bordrestaurant gewesen wäre. Die Reservierungen werden nicht angezeigt wegen eine technischen Störung. Ich setze mich auf meinen Platz, stöpsele die Kopfhörer ein und schließe die Augen. Die Bahn fährt los. „Es ist ein stinknormaler Sonntag in Deutschland, zwei Männer unterhalten sich.“

Das TV-Duell war eine Ü50-Debatte

Ja, es geht nicht anders, ich muss auch noch was zum so genannten TV-Duell sagen. Natürlich ist es wichtig, zu wissen, was die beiden Spitzenkandidaten über die aktuelle Nordkorea-Krise denken, welches Verhältnis Deutschland in der neuen Legislaturperiode zur Türkei haben möchte und wie es in Sachen Flüchtlingspolitik weitergeht. Aber anstatt den Großteil der Sendezeit diese und andere Themen wirklich zukunftsgewandt zu besprechen, führten die beiden Spitzenkandidaten oft eine Debatte über die Vergangenheit. War es nun richtig, wie Angela Merkel 2015 die drohende humanitäre Katastrophe verhinderte? Griechenlandrettung? Euro-Debatte? Das Diesel-Desaster?

Alles schön und gut. Aber was bedeutet es für ein Land, wenn mit der Autoindustrie eine der tragenden Säulen der deutschen Wirtschaft ins Wanken gerät und diese statt sich auf die Zukunft zu stürzen, lieber an in die Jahre gekommenen Technologien festhält? Und wie sieht es eigentlich mit den anderen, weniger plakativen, Säulen aus: Maschinenbau? Chemie? Wie behält Deutschland seine führende Rolle in der Weltwirtschaft? Wie halten wir unsere Gesellschaft zusammen? Wie modernisieren wir die Infrastruktur? Wann kommt denn nun der flächendeckende Breitbandausbau, den die Parteien seit Jahren in ihren Wahlprogrammen haben? Wie digitalisieren wir dieses Land wirklich? Und wie bereiten wir die junge Generation auf die Zukunft vor? Können Schulen und Universitäten das leisten oder bedarf es nicht auch größerer Investitionen in unser Bildungssystem? Und schaffen die Lehrer und Professoren eigentlich diesen Schritt? Ist unser Arbeitsmarkt noch flexibel genug für die neue Zeit?

Doch anstatt diese Fragen zu diskutieren, scheindebattierten Schulz und Merkel über Themen wie die Rente mit 70. Obwohl jeder weiß, dass in einer immer älter werdenden Gesellschaft mit weniger Kindern das System ohne signifikante Veränderungen nur kollabieren kann.

Das TV-Duell am Samstag offenbarte die Spaltung, die durch dieses Land mittlerweile geht. Auf der einen Seite die Generation Ü50 – kein Teilnehmer der Debatte war U50, keiner! – von denen viele die Jahre bis zum Ruhestand zählen. Die vielleicht mit ihrem bisherigen Handwerkszeug durchkommen werden. Auf der anderen Seite die Jüngeren, die wissen, dass nichts sicher ist: Wohlstand, Rente, Arbeitsplatz. Die wissen, dass von ihnen eine enorme Flexibilität abverlangt wird, weil sie sonst zurückbleiben werden. Aber die blieben mit ihren Themen bei dem einzigen öffentlichen Zusammentreffen der beiden Spitzenkandidaten außen vor. Auch weil sich die Moderatoren für diese Themen keine Zeit nehmen wollten.

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat die Pflicht, „im Interesse von Informationsfreiheit und Demokratie, ein vielfältiges, umfassendes und ausgewogenes mediales Angebot zu sichern.“ Das TV-Duell gehörte definitiv nicht dazu.

PS: Nur wenige Stunden nach dem TV-Duell postete die FDP bei Facebook diesen Wahlkampfspot. Das ist kalkuliert – logisch, aber es ist auch vor allem gut gemacht. Und schon die NRW-Wahl hat gezeigt, dass die Strategie ausgehen könnte.

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Journal, August 2017 – das waren Ferien

Bevor ich alles von vorne erzähle und doch nicht den richtigen Ton treffe, hier die leicht überarbeiteten Einträge aus Facebook und Co. für die Blogewigkeit. Melde mich zurück.

30.7. Urlaub auf dem österreichischen Bauernhof. Inmitten von Schweinen, Kühen, Häschen, Hunden, Katzen, Schafen und Ziegen. Hühner und Hahn nicht zu vergessen.

31.7. Gnadenalm. Kühe, Ameisenhaufen, Bienen, Schmetterlinge und viele Grashüpfer. Der fast Dreijährige meistert die mehr als fünf Kilometer zu Fuß ganz hervorragend. Ich kann diese kindgerechten Routen wie „Alles Alm“ nur empfehlen. Zur Belohnung gibt es Kaiserschmarrn. Danach: Pool.

1.8. Besuch im Wildpark Untertauern. Leider überzeugt der Park weder mich noch die Kinder. Aber die Wanderung entlang der Schlucht ist toll. Auf dem Rückweg kommen wir an einem Wasserfall vorbei. Schuhe aus, rein ins kalte Wasser, herrlich. Für längeres Toben im Badesee ist das Wasser zu kalt und der Boden zu pieksig. Der Abstecher nach Altenmarkt ist unspektakulär. Danach: Pool.

2.8. Fahrradtour, Sommerrodelbahn und am Ende des Tages doch wieder im Pool. Wie gerne ich eigentlich mal richtig schwimmen würde, aber in 4,50m Bahnlänge und Kindersuppe wird das nix.

3.8. Endlich mit der Seilbahn auf den Berg. Das Hopsiland auf dem Planai ist das Ziel. Andere Menschen in meinem Alter haben statt Kindern Mountainbikes dabei, weil sie damit den Berg runterjagen. Ich bin nicht traurig, Mutter zu sein, auch wenn es im Hopsiland am Ende viel zu viele Spielstationen gibt, so dass wir alle 20 Meter anhalten, um dies und das zu erledigen.

4.8. Nach dem Frühstück starten wir auf eine kleine Fahrradtour, später dann sehr viel Hotelpool. Gewitter am Abend. Mich fasziniert immer noch, wie die neuen Wetterlagen ganz langsam über den Berg kriechen, sich ausbreiten, Wind aufkommt und es dann ordentlich regnet. Noch toller finde ich es allerdings, am nächsten Morgen bei strahlendem Sommerschein wieder aufzuwachen. Dieser Beitrag wird präsentiert vom Nordlicht in Österreich.

5.8. Wanderung durch die Talbachklamm. Ich finde es ungemein entspannend, wenn neben mir das Wasser rauscht. Mal lauter, mal leiser, auf jeden Fall wild. Auf der anderen Seite des Wegesrandes gibt es kleine Wasserräder, verziert mit Glocken, Löffeln und anderen Spielereien, was die Kinder ungemein witzig finden. Wir laufen die Klamm erst hinunter und müssen dann die Kinder überreden, nun auch wieder nach oben zu laufen. Zur Belohnung Eiskaffee in Schladming.

6.8. Was für ein verregneter Tag. Da hilft nur Museum, das Haus der Natur in Salzburg. Leicht in die Jahre gekommen, ferien- und wetterbedingt völlig überfüllt. Die Rückfahrt ist noch verregneter. Ich muss mich sehr konzentrieren, während der Mann von Murenabgängen rund um unser Feriendomizil aus dem Internet vorliest. Am Abend lese ich kichernd das Buch von Carline Mohr fertig.

7.8. Bemerkt, dass ich mich bisher viel zu selten in Hochseilgärten aufgehalten habe. Ein toller Parcour da am Rittisberg, auch in der Kindervariante. Die letzte Abfahrt lasse ich mir allerdings nicht nehmen.

8.8. Mit dem Sessellift in Zauchensee hoch hinauf zum Gamskogel. Wandern mit vielen Kühen am Wegesrand und weit entfernt, so dass man aber noch das Klingeln der Glocke hören kann. Ein paar Spielstationen und ein toller Ausblick. Wie so oft. Endlich trinke ich auch einmal Buttermilch – ganz pur, ohne irgendwelchen Früchte. Auf dem Spielplatz gibt plötzlich mein Wanderschuh den Geist auf. Sohle löst sich und hängt nur noch an der Fußspitze am Schuh. Ich hadere, ob ich ihn reparieren lasse oder mir nach 13 Jahren mal neue gönne.

9.8. Bummeln in Radstadt, das Ausmaß der Zerstörung der Unwetter anschauen, Hotelpool. Häschen gucken. Und Postkarten schreiben.

10.8. Ich hätte niemals gedacht, dass eine Autofahrt von Radstadt nach Würzburg so lange dauern kann. Statt 4,5 Stunden sind es acht Stunden, die letzte Stunde auch noch bei Dauerregen und Riesenpfützen. Danke Horst Seehofer für bayrische Symbolpolitik an der österreichischen Grenze. Wie im vergangenen Jahr wird aus fünf Spuren eine einzige, an der zwei Grenzer Autos durchwinken, ohne wirklich ernsthaft in Erwägung zu ziehen, jemanden zu kontrollieren. Wie gut tut die Mahlzeit im Hotel: Pasta mit Pfifferlingen, dazu ein passender Wein.

11.8. Autobahn, ein paar Stunden Düsseldorf und am Ende dann ab ins frisch gemachte Bett bei Mama. Dieser Kettcar-Song hat eine so unglaubliche Kraft, ja fast etwas Aggressives und er zieht mich so hinein. Sicherlich auch, weil mein Sommer 1989 auch eine große Wende in meinem Leben gebracht hat. Schön, dass 2017 solche Musik entsteht, schön, dass sie von Kettcar ist. Es gibt sie eben doch, die Guten.

12.8. Regen, Wäsche waschen, zwei Runden Mensch ärger dich nicht und einfach ein bisschen mit Mama und den Kids abhängen.

13.8. Besuch im Zoo in Bremerhaven, viel Sonnenschein, sehr viel Sonnenschein und einem tollen Dachterrassenblick und einem nicht so tollen Ausrutscher auf eben dieser, so dass ich den Abend mit dem Kühlen des Fußes verbringe und auf ein Wunder hoffe.

14.8. Nach einem Orthopäden-Besuch bin ich Käptn rote Socke. Zum Glück nur Bänderdehnung und mit Hilfe des Verbands geht vorsichtiges Humpeln einigermaßen. Wir essen auf einem Schiff Mittag und ich bin dankbar, dass mein Bruder die Kids weitestgehend bespaßt und sich sogar bereit erklärt, am Mittwoch das Auto wieder gen Heimat zu steuern.

15.8. Wir gehen ins Schwimmbad, in dem ich früher meine Sommer verbrachte, obwohl von dem damaligen Bad kaum noch was übrig ist. Das große Außenbecken ist einer nicht genutzten Wiese gewichen, der Sprungturm längst eingerissen. Alles ist auf Seniorenbespaßung getrimmt, es gibt vor allem Ruhebereiche und die Außenanlage wird noch gepflegt: Im Sandkasten sprießt das Unkraut, die Holzbrücke könnte einen Anstrich gebrauchen und auf der Liegewiese wird das gemähte Gras vielleicht ja morgen weggeräumt. Schade. Wenigstens gibt es draußen noch eine Wasserrutsche, ein paar Sprenkler und so haben wir trotzdem ein wenig Spaß. Danach Eis. Und Grillabend.

16.8. Heimfahrt. Mit dem Bruderherz am Steuer. Ich weiß ja nicht, was ihr so in der Fest&Flauschig-Pause hört, aber ich fiebere mittlerweile bei den Teufelskickern mit, ob Moritz‘ Eltern nun wieder zusammen kommen und ob sie den VfB beim nächsten Spiel endlich besiegen. (Was ich sagen will: Es gibt Schlimmeres, was man auf einer Autofahrt hören kann. Cajou zum Beispiel.)

17.8. Drei Jahre kleiner Sohn. Mein Supermann. Wir feiern Kindergeburtstag und wenn ich gerade mal nicht mit Kinderbespaßung zu tun habe, denke ich an den Abend zurück, an dem Kettcar ein fulminantes Comeback hingelegt hat. So kraftvoll und voller Energie habe ich schon lange keine Band mehr aufspielen sehen. So als ob Markus Wiebusch und Co. fünf Jahre lang an der Leine lagen und nun endlich wieder loslegen können.

23.8. Off to Berlin. Mit dem Zug, was ich am Ende nicht bereuen werde, weil wir entspannt reisen. Hörspiele hören, ein bisschen malen, essen, lesen, aus dem Fenster schauen. Stadtbummel mit Besuch auf dem Fernsehturm. Bei den Straßenmusikanten am Alexanderplatz setzen wir uns auf die Stufen, hören ein bisschen zu, beobachten den kleinen Jungen, der gerade laufen gelernt hat und die neue Mobilität dafür nutzt, den Musikern das Geld aus dem Hut zu klauen.

24.8. Wir treffen uns mit Thomas im ehemaligen Kaufhaus Jandorf und schauen uns das begehbare Wahlprogramm an. Weil es uns so umhaut, streamen wir live. Thomas schreibt drüber und ich brauche später ein paar Tage, um mich von den vielen Tweets der CDU-Anhänger zu erholen, die offenbar Kritik nicht hinnehmen können, sondern tagelang rumsticheln. Schade eigentlich. Und schade auch, dass aus der Ausstellung nicht mehr gemacht wurde.

25.8. Die Goldenen Blogger gehen in die nächste Runde und ich freue mich wie ein Schneekönig.

27.8. Kindergeburtstag vom kleinen Sohn. Im Park mit großem Kindergeburtstaggelage und bestem Wetter.

28.8. Ich übernehme für eine Woche den @meinduesseldorf-Account der Rheinischen Post und zeige mein Düsseldorf in der Woche, in der der Sohn eingeschult wird.

31.8. Den großen Sohn eingeschult. Wie viele Gedanken mir den ganzen Tag durch den Kopf schossen. Habe ich ihn nicht noch vor kurzem in dem Krankenhaus nur wenige hundert Meter entfernt auf die Welt gebracht? Mit ihm im Kinderwagen durch die Stadt gezogen? Ihn jeden Tag zur Tagesmutter gebracht, in der Kita eingewöhnt, getröstet, wenn er sich auf die Nase gelegt hat, gejubelt, als er zum ersten Mal Laufrad, Fahrrad und später Skateboard gefahren ist, geflucht, weil er mal wieder keine Lust auf Soßen aller Art hatte, vor Stolz geplatzt, wenn er den kleinen Sohn getröstet oder verteidigt hat. Die Gewissheit, nun noch mehr Abnabelung zulassen zu müssen, ja eigentlich auch zu wollen, wenn da nicht diese Wehmut wäre. Er war doch eben noch ein Baby. Aber nein. Er ist jetzt groß und er macht das alles ganz hervorragend. So hervorragend, dass mir beim Schreiben schon wieder die Tränen kommen, weil ich so stolz auf diesen großen Jungen bin.

Und wie waren eure Ferien?

Kinder und Karriere – was gehört in den Lebenslauf?

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Vor einigen Wochen bekam ich eine Mail von einer Frau, die seit Jahren mein Blog liest und mir einfach mal mitteilen wollte, wie gerne sie das tat. Das freute mich sehr, vernachlässige ich mein Blog doch seit längerem. Da sie in Düsseldorf arbeitet, verabredeten wir uns auf einen Kaffee und tauschten uns aus – über das Leben, den Job und das ganze Drumherum. Sie erzählte, dass sie seit längerem auf der Suche nach einer neuen Herausforderung sei, regelmäßig Bewerbungen schreibe, aber nur selten eine Antwort bekäme. Ich fragte sie, ob sie ihre Kinder erwähnte. „Ja“, sagte sie. „Warum?“, antwortete ich.

Seitdem diskutiere ich diese Frage mit Freunden und Bekannten. Die Reaktionen sind unterschiedlich. Während die kinderlosen Frauen einhellig dafür plädieren, sie auf jeden Fall zu erwähnen, haben die Frauen mit Kindern oft schlechte Erfahrungen gemacht, wurden trotz perfekter Qualifikationen nicht einmal zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. Eine andere, auf deren Schreibtisch immer wieder Bewerbungen landen, beichtete gar, Frauen mit Kindern oftmals hinten anzustellen. Zu oft wurden ihre Vorurteile gegenüber berufstätigen Müttern bestätigt: mangelnde Flexibilität, viele Krankheitstage, trotz Home Office keine Verfügbarkeit.

Ich finde das schade, denn meine bisherigen Erfahrungen mit Müttern sind andere: Sie leisten oft 120 Prozent, weil sie wirklich pünktlich gehen müssen, sind trotz Krankmeldung verfügbar und bereit, auch unbeliebte Aufgaben zu übernehmen.

Aber genau wegen solcher Vorurteile und all der Geschichten, die ich zu diesem Thema bereits erlebt habe, habe ich mich für folgenden Weg entschieden: Obwohl ich eigentlich eine Freundin der klaren Worte bin, erwähne ich die Kinder in meinem Lebenslauf nicht. Ich habe für mich beschlossen, dass Kinder ins Vorstellungsgespräch gehören – eingepackt in die Schilderung des Lebens- und Berufsweges, verbunden mit dem Hinweis, die letzten Stationen mit Vollzeitanstellung und Kids gewuppt bekommen zu haben.

Warum? Weil ich sonst auch schreiben müsste, dass mein Mann deutlich flexiblere Arbeitszeiten hat. Und das gehört ja nun auch nicht in einen Lebenslauf.

Wie gehst du damit um? Welche Erfahrungen hast du gemacht?

Journal, 12.7.2017 – Bloggen und #12von12

„Als ich Sie damals kennenlernte, haben Sie in Ihrem Blog übers Stillen geschrieben. Würden Sie das heute wieder so machen?“ Diese Frage habe ich heute gestellt bekommen und musste erst einmal herum eiern. Würde ich? Vielleicht. Was zum Teufel habe ich damals eigentlich geschrieben? Also zuhause erst einmal nachlesen(1, 2, 3). Vermutlich würde ich heute nicht mehr darüber schreiben. Weil sich meine Art des Ins-Internet-Schreibens noch einmal verändert hat. Sicherlich stark beruflich getrieben – mit dem Chef diskutiere ich lieber berufliche Dinge als mein Stillverhalten und auch mit Mitarbeitern rede ich lieber über neue Projekte und Themen als über mein Privatleben. So verschwindet nach und nach ganz viel, was das Bloggen einmal ausgemacht hat. Manchmal finde ich das schade, meistens aber nicht. Gibt ja komischerweise nach 14 Jahren Blog immer noch Themen, die hier hineinpassen.

Und das sind meine #12von12


Kind in die Kita bringen. Mit Schirm.

Regenbedingtes Straßenbahnfahren. Ich bin ja derzeit eigentlich nur mit dem Fahrrad unterwegs.

Auszug aus meinem Mittagessen. Nicht im Bild: Der Salat, das Brot und der Cappucchino. Und die liebe Freundin.

Aufzugfahren im Verlag. Termin beim Chef.

Sohn abholen.

Mit dem Sohn nach Hause gehen.

Mit Schirm, Wiwo und Auto bepackt schnell noch ein Fahrstuhlselfie machen.

Ich erkläre den Versuch, ein einigermaßen okes Abendessen im Einkaufszentrum zu mir zu nehmen, gescheitert.

Morgens gebloggt aber nicht drauf hingewiesen. Schnell noch nachgeholt.

Uups.

Geschenke für Kitafreunde gekauft.

Ausblick um 23.56 Uhr.