Wassernot

Den folgenden Text musste ich soeben an Danone Waters Deutschland, Hersteller der Wassermarke Volvic, schicken. Es ging nicht mehr anders.

Sehr geehrte Damen und Herren,

seit Jahren bin ich begeisterter Volvic-Trinker. Um immer ein gutes Wässerchen in meiner Wohnung zu haben, kaufe ich meist gleich einen Kasten mit sechs Flaschen drin. Und das ist auch schon der Grund für meine Mail an Sie. Diese Plastikkästen sind einfach, entschuldigen Sie die derbe Sprache, eine große Scheiße. Während es Bierhersteller schaffen, die Ränder ihrer Kästen tragefreundlich auszustatten, warte ich seit Jahren auf eine Veränderung der Wasserkästen. Das harte Plastik schneidet ein, tut weh und gerade für Kunden, die nicht mit dem Auto ihre Einkäufe erledigen, wird der Wasserkauf so jedes Mal zu einer Tortur. Bitte nehmen Sie sich ein Beispiel an zahlreichen Bierkästen und gestalten Sie ihre Wasserbehälter um. Millionen Frauen, ach was, auch Männer (schließlich sind sie die derzeitigen Leidtragenden, die samstäglich immer für das Kistenschleppen missbraucht werden), werden es ihnen danken.

Mit den besten Grüßen

Franziska

(…)

Und wie bescheuert ist das denn? Immer nach den 8-Uhr-Nachrichten, so zwischen Verkehrsnachrichten und den ersten Takten der Musik, darf diese Moderatorin Simone soundso ihre Zuhörer mit dem Satz ‚Und in dem Aufzug wollen Sie auf die Straße gehen?‘ begrüßen. Ob diese Frau weiß, was sie da tagtäglich für Tragödien auslöst? Nur gut, dass ich um acht nie vor dem Kleiderschrank stehe.

Abschied von der Lieblingshose

Die Elleschen Parameter:
Bezugsquelle: GAP (ja, damals)
Kostenpunkt: ich glaub es waren noch Mark, 80 vielleicht?
Absatzhöhe: keine

Was habe ich diese Hose geliebt. Nein, was liebe ich diese Hose! Sie saß doch immer so gut, formte meinen Hintern auf wunderbare Weise, so dass der eine oder andere Herr sich dann und wann zu einem wohlwollenden Kommentar hingerissen sah. Mehrere Jahre begleitete sie mich durch Berlin. Kam mit in die Uni, lümmelte auf Wiesen rum, in Bars, Kinos, auf Sofas und auf Betten. Obwohl sie damals schon einige Jahre auf dem Buckel hatte, schaffte sie es bis nach Düsseldorf.

Dann der erste Zwischenfall (Anmerkung für die Leser: erstes Sternchen). Bei einer akrobatischen Bewegung (sie MUSS einfach akrobatisch gewesen sein) riss sie auf. Ich wehrte mich gegen ihr Ableben. Ein Schneider brachte sie wieder auf Vordermann. Dann am Ostermontag der zweite Riss (Anmerkung für die Leser: zweites Sternchen). Gerade als ich mich mal wieder mit Hausarbeit beschäftigte, hörte ich das Reißen. Fühlte plötzlich den kühlen Luftzug am Hinterteil. Klar, ich könnte sie diesmal wieder nähen lassen, aber dann müsste ich den gesamten Hintern erneuern.

Deshalb heißt es nun Abschied nehmen. Gibt es eigentlich irgendwo einen Friedhof für ausrangierte Lieblingsjeans?

Sätze, die die Welt bedeuten (12)

‚Italiener haben eigentlich immer dünne Schenkel und wenig Hirn.‘

(Meint Marcus.)

Ist das so? Kann das jemand belegen?

Shoppen

Mit Frauen geht man in alle verfügbaren Schuhläden.
Mit Männern geht man in alle verfügbaren Elektronikfachgeschäfte.

Franziska on Air

Langsam schlenderte ich über den Kudamm. Erfreute mich an der Frühlingssonne und blinzelte vor mich hin. Dann nahte er mir. Der kleine Mann, der bereits sein Mikro gezückt auf mich zu stürzte: Ein kleiner 104.6-Praktikant, der den Auftrag bekommen hatte, O-Töne zu sammeln. Ich hatte Mitleid und nach dem dritten Versuch saß der Text dann auch gut und ich ließ flüssig verlauten, dass ich mich heute nachmittag aufmachen würde, in die Bahnhofspassagen in Potsdam. Da sei irgendeine Ausstellung, bei der man Charlie Chaplin und Elvis Presley aus Metall bestaunen könne. Und noch andere Superstars. Das hab ich so dann aber nicht gesagt.

Wer also morgen oder demnächst den wunderbaren Klang meiner bezaubernden Stimme hören will, sollte in den kommenden Tagen RTL-Radio hören. Wer das allerdings nicht aushält, kann mich auch anrufen: 0190-…

Tsss.

Helmut Lottis Ehe kaputt? Und dann auch schon die zweite? Und ich dachte immer, dass der schwul ist. Und Olli Pocher soll mit der Bätschelorett im Liebesurlaub sein? Mannmannmann, das ist ein Start in den Tag. Das muss ich erstmal verkraften.

Wochenende

I.
‚Was guckst du so böse?‘ Ich guckte nicht böse. Ich wartete einfach darauf, dass der Mann hinter der Bar mir mitteilt, wie viel Geld er denn nun von mir bekommt. Drei Alsterwasser. In letzter Zeit seltsamerweise viel Alsterwasser. Unerträglich gerade gezapftes Bier ohne den Schuss Limonade. Aus welchen Gründen auch immer. Ich schaute immer noch böse, ließ sie mich wissen und fügte hinzu, dass es auch an der Brille liegen könne. ‚Genau‘ antwortete ich mit einem breiten Grinsen. Vielleicht glaubt sie mir ja jetzt. ‚Oder bist du böse?‘ – ‚Nö‘, antwortete ich. Und: ‚Oder soll ich böse sein?‘ Sie verneinte. Ich zahlte. Restgeld. Danke und Auf Wiedersehen.

II.
Auf dem Nachhauseweg Nebelschwaden. Oder doch Rauch? Der Geruch von verbrannten Holz in der Nase. Nicht nur dort. Glauben, dass mein gesamter Körper ihn angenommen hat. Nicht nur die Jacke, die Hose, sondern alles. Auch die Haut. Später feststellen, dass es doch der übliche Kneipengeruch ist, der an mir haftet. Trotzdem Nebel.

III.
Viel gelaufen. Nicht allein.

IV.
Diese Stille. Diese unendliche Stille. Der Blick schweift über den See, der in dichten Nebel getaucht ist. Das gegenüberliegende Ufer unsichtbar. In der Ferne hört man Enten, die über das Wasser flattern.

V.
Diese Stille. Den eigenen Atem hörend auf dem Deich stehen. Der Blick schweift über den Horizont. Nur die Frage im Kopf, ob das Wasser kommt oder geht.

VI.
Ich möchte nie in einem Reihenhaus wohnen.

VII.
Bielefeld soll die Stadt mit der höchsten Schuhgeschäftdichte sein. Sagt meine Mutter.

Puh.

Nee, das war nicht mein Tag heute. Erst sagt der Bruder endgültig ab (‚Das ist mir echt zu stressig, heute‘), dann sind die Eltern stundenlang nicht zu erreichen, so dass ich nicht wusste, ob ich nun heute abend schon vorbei schauen konnte und als ich dann am Bahnhof stand, frisch gepackt und mit Wasser und allerlei Lektüre versorgt, schallte es durch die Bahnhofshallen: ‚Ihr Zug hat aufgrund eines Notarzteinsatzes 1 Stunde Verspätung‘. Ich hätte kotzen können. Eine Stunde!

Und dann tat ich, was ich wahrscheinlich schon heute morgen machen sollen. ‚Äh, ihr braucht mich nicht abholen. Ich fahr morgen früh.‘

Neuer Tag, neues Glück. Hoffentlich.

Oh Brother!

Irgendwie hatte ich mir in der letzten Woche in den Kopf gesetzt, mein Verhältnis zu meinem Bruder zu verändern. Denn wie oft hört man von anderen Geschwistern, dass sie einander besuchen. Dass die eine bei dem anderen ständig ein und aus geht, genau wie bei den Eltern. Ohne Voranmeldung, ohne alles. Schließlich kennt man sich schon ein paar Jahre. Sollte ja eigentlich auch kein Problem sein, denn gibt es im Leben der meisten nicht viele Menschen, mit dem man so ausgiebig gestritten, geheult, gelacht, gebadet und gespielt hat.

Und so schmiedete ich in den vergangenen Tagen heimlich den Plan, vor dem österlichen Besuch bei den Eltern einfach einen Abstecher bei meinem Bruderherz einzuplanen. So könnte man die wichtigen Dinge endlich mal in aller Ruhe besprechen, ich könnte meine Neugier befriedigen und seine neue Behausung begutachten und dann am folgenden Tag mit ihm in trauter Zweisamkeit bei meinen Eltern aufkreuzen.

Super Plan, doch hatte ich ihn ohne meinen Bruder gemacht, der sich dafür wenig aufgeschlossen zeigte.

Er: „Wie? Ich muss doch aber bis halb zehn arbeiten?“
Ich: „Macht nix, ich komm doch eh nicht früher in Bremen an.“
Er: „Dann willst du auf meinem Sofa schlafen?“
Ich: „Ja, genau.“
Er: Schweigen.

Der saß. Bis morgen Mittag hat er nun Zeit, sich diesen schwesterlichen Überfall durch den Kopf gehen zu lassen. An unser neues Verhältnis muss er sich wohl erst einmal gewöhnen.

Nachtrag 13:16: Die nervende Schwester wurde kalt abserviert. So viel zum Thema Brechstange.