Warten

Ungeduldig bin ich. Und dass nicht nur, als Antwort auf die Frage, welche Schwächen ich habe. Ich bin immer ungeduldig. In allen Lebenslagen. Deshalb hasse ich das Warten. Es macht mich krank.

Ich will am liebsten gleich wissen, ob mich eine Firma haben will. Entweder es passt. Oder eben nicht.

Ich will nicht warten, bis die Nudeln endlich durch sind. Rein ins Wasser. Und wenn es Soße gibt, dann sollen sie genau dann fertig sein, wenn die Soße es auch ist.

Ich will nicht warten, bis der Tee lange genug gezogen ist. Deshalb trinke ich ihn wahrscheinlich auch immer anregend. Tee rein, Wasser drauf, Tee raus. Fertig.

Ich will nicht warten, bis das verdiente Geld vom vorherigen Monat endlich auf meinem Konto ist. Ich habe gearbeitet und dann sollte es gefälligst auch da sein. Am besten bar auf die Hand. Dann weiß ich wenigstens, das ich was getan habe.

Ich will nicht auf E-Mails warten. Ich will sie bekommen, wenn ich online gehe. Und nicht erst dann, wenn der andere es geschafft hat, sie zu schreiben.

Ich will gleich wissen, was ich geschenkt bekomme. Und mir nicht diese gemeinen Sprüche anhören: „Ich schenke dir was ganz tolles“ – und dann nicht erfahren, was es ist. Das ist gemein. Dafür bin ich zu neugierig.

Ich will endlich das Ergebnis meiner Diplomarbeit wissen. Denn ich habe nun schon viel zu lange darauf gewartet. Fast fünf Monate. Das ist wirklich zuviel.

Und ich will nicht auf liebgewonnene Menschen warten, die sich in der Welt herumtreiben. Viel zulange hab ich auch darauf gewartet. Was soll das bringen?

Noch weitere 6 Tage.

Kopfgespräche

Nu isses schon wieder 14 Tage her. Und ich könnt schon wieder. Bin ich lieb?
Das kleine Engelchen sagte: „Na klar, bist du lieb. Du magst ihn doch.“
Das kleine Teufelchen sagte: „Scheiß drauf. Mach, was du willst!“
Zum Engelchen sage ich: „Ich weiß nicht. Wahrscheinlich hast du recht, kleines Engelchen.“
Und zum Teufelchen sage ich: „Und wenn das Warten nicht gelohnt hat, dann wünsch ich mir’s. Ein Anruf genügt.“
Basta.

Der Eindringling

Für eine kurze Zeit war sie da. Auf leisen Pfoten hat sie sich in mein Badezimmer eingeschlichen, lag einfach da. Auf dem Waschbeckenrand, neben der Zahnpastatube. Auch als ihr Besitzer längst wieder am anderen Ende der Stadt war. Komisches Gefühl. Und bei jedem Gang ins Badezimmer beäugte ich sie kritisch. Sie bewegte sich nicht. Gehörte sie da wirklich hin? Sollte ich sie nicht einfach mit zu den anderen Zahnbürsten tun, die für liebe Freundinnen reserviert waren?
Ich traute mich nicht, glaubte, dass, wenn ich sie bewegte, etwas kaputt machen könnte. Etwas, was ich selbst noch gar nicht definieren konnte. Ein paar Stunden später legte meine eigene Zahnbürste zu ihr. Einfach so. Sie vertrugen sich gut.
Als sie am Dienstagmorgen wieder das Haus verließ, hatte ich mich gerade an sie gewöhnt. Mal sehen, ob sie mich bald wieder besucht. Willkommen ist sie.

Blind Dates

Auf der Suche nach der Antwort auf die Frage, wo Singles sich am liebsten tümmeln, landete ich in einem dieser Chaträume. Alles muss man mal ausprobieren, sagte ich mir und schon war ich in einem dieser seltsamen Gespräche, die man dort so führt.

Kennen gelernt, ab und zu online getroffen, mal ne Mail, später im Messenger, der Kerl machte einen netten Eindruck. Der gute Mann war 26, spielte Wasserball (soll angeblich ne Super-Figur bedeuten!), na dann kann doch nichts schief gehen… dachte ich und traf mich mit ihm.

Auf dem Weg zum Date kommt mir ein Typ entgegen, Ähnlichkeit (also vom Erzählen) verblüffend, überlege kurz, ob ich ihn anlachen soll, schmunzele kurz – keine Reaktion. Puh, Glück gehabt. Der war ja nun keine Augenweide.

Aber es kam noch schlimmer.

Helle Hose, weiße Turnschuhe, Helle Adidas-Jacke, so Blouson-mäßig, grrrh… Figur, o.k., kann man nicht meckern, kaum Haare auf dem Kopf und das Schlimmste: Er wohnte mit seinen 26 Jahren noch bei Mama. Ein Elektriker, der am liebsten in seinem Örtchen in der Nähe von Berlin leben bleiben wollte.

All diejenigen, die jetzt meinen, dass ich mich zu sehr von Oberflächlichkeiten leiten lasse, sollten auf jeden Fall weiterlesen.

Oh Mann, wie sollte ich diesen Abend nur überstehen… Schwierig war´s. Solche Männer erzählen grundsätzlich über Heldentaten: Der Job, das Auto, die Touren mit den Kumpels. Kann man so eine Frau beeindrucken? Natürlich prahlte er, dass fürchterlich gern Scharfes esse, wollte mit mir zum Mexikaner, und schwächelte dann mittendrin mit der Begründung: Zu viele Zwiebeln!

Außerdem war dieser Berliner Akzent des Umlandes wirklich unerträglich… ich sah alle Chancen schwinden: So wird das nie was mit der Männerwelt.

Die Krönung des Abends: Anstatt „zum Beispiel“ wagte er es, „zum Bleistift“ zu sagen.

Zum Abschied gab’s dann noch ein: „Das können wir ja mal wieder machen!“.

Nein danke sagte ich mir und setzte mich in die S-Bahn.

Brief an den Vater

Natürlich konnte ich gestern nicht widerstehen und habe mir doch das neue Neon-Magazin gekauft. Habe es in einer Dreiviertelstunde durchgeblättert, die wichtigsten Artikel gelesen. Und was soll ich sagen? Das, was mir am Erstling bereits nicht gefallen hat, wird hier konsequent fortgesetzt. Nette Ideen, doch an der Umsetzung hapert’s.
Der einzige Beitrag der mich wirklich berührt hat, so sehr, dass mir in der Cafeteria der Uni sogar Tränen in den Augen standen, waren die vielen Briefe an den Vater. So wie Kafka ihn geschrieben hat.
Rührend. Dachte daraufhin darüber nach, was ich wohl an meinen Vater schreiben würde. Dabei fiel mir auf, dass ich dies noch nie getan habe. Höchstens mal einen Gruß oder irgendwas für die Steuer, mit einem Post-It versehen. Selbst Telefonate sind selten. Meist beschränken sie sich darauf, dass wir uns fragen, wie es uns geht und er dann entweder sagt, dass meine Mutter nicht da ist oder ihr den Hörer weiterreicht. Ganz selten telefonieren wir auch mal länger. Dann ruft er mich zurück und erzählt mir, wie es bei seiner Arbeit gerade läuft. Manchmal reden wir dann eine halbe Stunde. Danach denke ich, dass wir das öfter tun sollten. Weil es doch irgendwie gut tut.

Lesung: Alexander Osang

Der Ort: Deutsches Theater, Berlin.
Das Buch: „Lunkebergs Fest“. Bisher ungelesen. Nicht signiert.
Das Publikum: Eine Mischung aus Berliner Zeitungs-Lesern, die hauptsächlich aus dem Ostteil dieser wunderbaren Stadt kommen und ein paar Journalistenkollegen.
Die Sicht: Gut, wenn auch verdeckt durch einen Herren jüngeren Alters, dessen Ohren nicht nur abstehend, sondern auch glühend rot waren.
Der Mensch: Sympathisch. Ein bisschen wirr. Aber sympathisch. Beim Vorlesen akzentfrei, beim Plaudern leider nicht.
Der Stoff: Witziger als ich erwartet hatte. Sehr schön geschrieben. Muss unbedingt die restlichen Geschichten lesen.

Es ist wohl, wie es ist. Jetzt weiß er mehr, als er je wissen wollte.

Das erste Mal

Stolz bin ich, wenn ich mit meinen 25 Jahren immer noch Dinge tue, die ich bisher noch nicht getan habe.

Gestern also der Moment, in dem ich mich in einer Videothek anmeldete, um mir einen Film auszuleihen. Denn ich gehöre auch noch zu der Gatte Menschen, die noch nie einen Videorekorder besaßen und sich Filme nur im Fernsehen oder im Kino anschauen. Oder bei Freunden.
Insbesondere in Beziehungen verabscheue ich Videoabende. Schließlich kann man sich mit anderen Dingen beschäftigen. Oder reden.
Als ich dann ungefähr 1 Jahr nach Erwerb des DVD-Players bemerkte, dass ich auch ein so genanntes Scud-Kabel (schreibt man das so?) besitze, dieses mit meinem Fernseher in Verbindung setzte und feststellte, dass ich von nun an in der Lage war, Filme zu schauen, kribbelte es bereits das erste Mal. Aber nein, ich in eine Videothek gehen – irgendwie konnte ich mich mit diesem Gedanken nicht anfreunden.

Und auch der gestrige Gang in eben diese Einrichtung bestätigte meine Zweifel, die ich seit so langer Zeit hegte. Menschen, die vor den Regalen stehen, sich Filmcover anschauen, insbesondere Paare, die sich nicht einigen können, welcher Film sie über den heutigen, ach so gemütlichen Abend bringen soll.

„Och nö – nicht schon wieder so ein Romantik-Quatsch“ – „Kenn ich schon“ – „Muss das heute sein?“ – „Können wir jetzt nicht endlich los?“ – „Och, lass mich doch noch mal ein bisschen gucken…“.
Furchtbar.

An der Kasse angekommen, musste ich die Worte über die Lippen bringen: „Nein, ich bin neu hier“. Woraufhin der junge Mann, der wahrscheinlich gerade einmal 20 Lenze zählte, um meinem Ausweis bat, meine Daten notierte und mir dann eine Mitgliedskarte aushändigte! Nicht ohne mich mit seiner leisen Stimme und gutem Proll-Berliner-Deutsch über die Ausleihmodalitäten aufzuklären. Puh – geschafft. Wieder was gelernt in meinem kleinen Leben.

Herbst

Endlich mag ich den Herbst wieder. Durch den Park laufen, durchs dichte Laub schlürfen, in den Himmel schauen, die Bäume bedauern, weil sie so nackt sind.
In Gesellschaft macht der Herbst natürlich noch viel mehr Spaß. Und mit Hund sowieso.
So, wie es gestern war, mag ich den Herbst. Keine depressive Stimmung, obwohl alles grau in grau ist, keine Tränen. Eher ein kribbelndes Gefühl im Bauch. Des Wohlgefallens.

Motto des Tages (1)

„Mach dich rar und du bist der Star“