Neues aus der Hof-Schule – Teil 2

Neue Viren, neue Herausforderungen und das ganz besonders für zwei berufstätige Elternteile mit zwei Kindern. Der eine Drittklässler, der andere ein Vorschulkind. Die Challenge: Alle einigermaßen zufrieden machen und gleichzeitig arbeiten. Der Ort des Geschehens: die Hof-Schule, die vor Corona noch das Hof-Office war, denn es liegt im Hinterhof unserer Wohnung. Ich berichte Wir berichten hier darüber, wie uns das gelingt und was wir dabei lernen.

Seine Sicht: Nun war ich also zum ersten Mal dran. Freiberufler und Freiberuflerin mit Büro im gleichen Gebäude – klar, dass man sich auch das Betreuen der Schul- und Kita-losen Kinder aufteilt. Hier sind meine fünf Erkenntnisse meines ersten Tags der „Hofschule“:

1. Die Hoffnung, neben der Betreuung der Kinder auch noch einiges wegarbeiten zu können, erwies sich als unrealistisches Wunschdenken.
Geometrieaufgaben, die der Drittklässler aus der Schule mitbekommen hat, Mal- und Zählaufgaben aus Vorschulblocks für den Fünfjährigen und dann noch Telefonkonferenzen, Artikel schreiben – und das alles zeitgleich – nicht machbar. Erkenntnis: Lieber mit dem Glauben, nichts zu schaffen, in den Vormittag gehen, dann führt jede geschaffte Arbeit zu positiven Gedanken.

2. Für alle Beteiligten, insbesondere aber den Drittklässler werden die Wochen zu einer großen Herausforderung. Er vermisst sein
Fußballtraining, seine Freunde, seine Klassenkameraden. An beiden bisherigen Abenden antwortete er auf die Frage, was das Schönste des
Tages war: dass er eine Stunde per Videoschaltung seinen besten Freund sehen konnte und mit ihm zusammen für kleine Aufgaben recherchiert hat.

3. Wenn ich mir unsere letztlich doch komfortable Situation mit Büros auf dem gleichen Grundstück der Wohnung vor Augen führe, also Hof Office statt Home Office – dann habe ich noch mehr Respekt vor Leuten, die nun wochenlang mit ihren Kindern in einer womöglich kleinen Wohnung arbeiten sollen. „Home Office“ klingt immer auch ein bisschen komfortabel, man ist zu Hause, arbeitet ein bisschen nebenbei, kann sich auch mal ausruhen zwischendurch, ist ja keiner da, der nachschaut. Die kommenden Wochen werden vielen vor Augen führen, dass das Gegenteil der Fall ist.

4. Dennoch: Ich glaube, dass die kommenden Wochen auch sehr viel Positives für jede Familie hervorbringen können. Viele Eltern, die sonst den ganzen Tag lang fern der Kinder arbeiten, gewinnen nun Zeit mit ihnen. Wenn man offen und positiv an die ganze Sache heran geht, dann werden viele tolle Momente entstehen, an die man sich später als Familie erinnern wird.

5. Und nicht zu vergessen: Aufgaben von Drittklässlern können auch für Erwachsene zu Denksportaufgaben werden, wenn man sich jahrzehntelang nicht mit dem Thema Geometrie befasst hat.

Meine Sicht: Der Tag beginnt für mich am Schreibtisch. Der Mann hat Schuldienst und ich kann mich am Vormittag um die Arbeit kümmern. Geht dennoch nur bedingt, weil ich die Gespräche nebenan höre und die Noise-Cancelling-Kopfhörer in der Wohnung habe. Geht dann aber doch, so dass ich mir den Extra-Weg spare, Mails beantworte, den digitalen Workshop am Freitag grob konzipiere, mit meiner Mitarbeiterin telefoniere, mit einem potenziellen neuen Auftraggeber brainstorme. Aber ein paar Dinge bekomme ich dann doch mit: Die digitale Stunde mit dem Schulfreund des großen Sohnes hat diesmal das Thema: Gibt es positive Seiten dieser ganzen Krise und den Jungs fällt, so meine Wahrnehmung erstaunlich viel ein. Das Ganze wird dann noch zu Papier gebracht, so dass auch geschrieben wird. In Mathe steht Geometrie auf dem Plan. Als ich dann die Kids mit zum nächsten Programmpunkt „Mittagessen kochen“ übernehme, basteln sie in „Kreativität“ Steckfiguren.

Nach dem Mittagessen, es gibt Milchreis, den wir gemeinsam zubereiten und sogar der Tisch deckt sich heute von ganz allein, räumen wir im Fach „Schöner Leben“ (es wurde noch einmal umbenannt) im Wohnzimmer auf. In der Mittagspause dürfen beide Kinder sich jeweils eine Sendung aussuchen: Die Wahl fällt auf eine Folge „Dein Song“ vom Kika und „Ninjago“ – ich nutze die Zeit noch einmal zum Arbeiten. Da die Spielplätze heute tabu sind, machen wir einen Spaziergang zum nahe gelegenden Park, mit Roller und Fußball. Wir kicken ein wenig – und dann geht es auch schon wieder nach Hause. Geburtstagsvorbereitungen, Abendessen, der tägliche Tagesabschluss mit Logo!.

So war Tag 1.

Neues aus der Hof-Schule – Tag 1

Neue Viren, neue Herausforderungen und das ganz besonders für zwei berufstätige Elternteile mit zwei Kindern. Der eine Drittklässler, der andere ein Vorschulkind. Die Challenge: Alle einigermaßen zufrieden machen und gleichzeitig arbeiten. Der Ort des Geschehens: die Hof-Schule, die bis Freitag noch das Hof-Office war, denn es liegt im Hinterhof unserer Wohnung. Ich werde hier darüber berichten, wie uns das gelingt und was wir dabei lernen.

Wir starten gut vorbereitet in diesen Tag. Es gibt einen Plan, eine Struktur für die nächsten Tage und der Wecker klingelt um 7.30 Uhr. So gelingt es, dass alle mit Frühstück im Bauch, gewaschen und mit Federmappen bepackt den Weg um 8.30 Uhr die Wohnung verlassen. Mathematik, Sachunterricht, Deutsch, Kreativität, Mittagessen, Haushalt stehen auf dem Programm, Pausen nach Bedarf. Immer ein Elternteil ist in Charge, so dass das andere die Zeit für die Arbeit nutzen kann. Und deshalb sprechen wir zuerst noch einmal über diese Regeln. Und den Stundenplan. Das ist gut, denn so wird das „Fach“ Haushalt schnell in „Schöner Wohnen“ umbenannt, klingt besser, ist ziel- und nicht problemorientiert, da haben alle gleich ein bisschen mehr Spaß dabei. Wir diskutieren Themenwünsche. Der große Sohn wünscht sich „Krebs, also die Krankheit“, „Die Pest, wir haben in der Schule gerade das Thema Mittelalter“ und der kleine Sohn „Ninjas“. Wird aufgeschrieben und festgehalten.

Und dann geht es richtig los: Matheaufgaben, für den Sachunterricht („Wie schütze ich mich vor dem Corona-Virus?“) schalten wir einen Freund dazu, vielleicht kann das zu einem stetigen Programmpunkt werden. Deutsch und dann rauchen die Köpfe und wir nutzen (ein vorerst letztes Mal) den nahe liegenden Spielplatz.

Gemeinsam bereiten wir das Mittagessen zu – das klappt super, weil alle mithelfen. Bei „Schöner Wohnen“ wird der Vorratsschrank sortiert und potenzielle Mittagessenideen aufgeschrieben, die wir nun nach und nach abarbeiten können. Es geht doch nichts über einen guten Plan. Danach Freizeit für die Kids, während wir Eltern in Telefonkonferenzen die Projekte der kommenden Tage besprechen und voranbringen.

Bilanz: Es wird sich schon noch einruckeln und deshalb war ich froh, am Abend noch eine Runde laufen zu gehen, auspowern, Kopf frei machen und dann gemeinsam mit allen Logo! zu schauen. Selbst effektiv gearbeitet habe ich vor allem in meiner kinderfreien Zeit.

Goldene Blogger 2019: Völlig fertig, aber irre glücklich

Foto: Kny

2014 habe ich ein Buch gelesen, das mich so sehr beeindruckt hat, dass es in meiner Jahresendliste 2014 auftauchte. Der Titel: Völlig fertig, aber irre glücklich. Der Titel passt auch auf meinen Gemütszustand nach der Verleihung der Goldenen Blogger Anfang der Woche, die Daniel Fiene, Thomas Knüwer und ich nun zum 13. Mal verliehen haben. Völlig fertig? Ja, Es war in Sachen Goldene Blogger ein anstrengendes Jahr: Nach einigen Jahren im Basecamp mussten wir eine neue Location finden und bis September hatten wir zwar viele Gespräche geführt, aber noch keine Zusage. Wir mussten uns damit beschäftigen, ob wir einer Gewinnerin ihren Preis aberkennen und nicht jeder konnte unsere Entscheidung nachvollziehen. Und zu allem Überfluss reduzierte sich unser Team wieder auf uns Gründer.

Und dann muss ich noch das „irre glücklich“ erklären. Nicht wahr? Ich nenne hier einmal fünf gute Gründe für dieses Glücksgefühl.

1. Die hohe gesellschaftliche Relevanz: Ich habe mich irre über die hohe gesellschaftliche Relevanz der Preisträger gefreut. Blogger des Jahres wurde der Volksverpetzer und das auch, weil die beiden anderen Nominierten ihre Communities aufriefen, für dieses großartige Projekt abzustimmen. In der Kategorie „Thema/Nische“ holte sich „Alzheimer und wir“ den Preis, ein Thema, das viele von uns in den kommenden Jahren und Jahrzehnten beschäftigen wird. Dann war da noch die Gewinnerin der Kategorie „Medizinblogs“: FrauSchwesterdoktor, die über ihr Leben als Landärztin berichtet. Die Kategorie entstand übrigens im vergangenen Jahr, als noch niemand von Corona gesprochen hat. Und ist es nicht auch ganz wunderbar, dass ein CDU-Politiker mit 73 Jahren für seine Twitter-Aktivitäten zum Newcomer des Jahres ausgezeichnet werden kann? Es lohnt sich immer mit etwas Neuem anzufangen.

2. Wahre Perlen und heimliche Lieblinge: „Bin jetzt Fan von ..“ , „Die Liste der Gewinner, aber auch der Nominierten lohnt sich jedes Jahr“, „XY kannte ich noch gar nicht, das ist ja toll“ – das sind die Sätze, die ich in den vergangenen Tagen auch in diesem Jahr wieder gehört habe. Und natürlich entdecke auch ich in jedem Jahr wieder neue coole Projekte, die permanent in meine Leseliste wandern. Und ob diese tollen Projekte dann am Ende gewinnen, entscheidet die Community. Noch viel schöner ist es dann, wenn heimliche Lieblinge gewinnen, wie etwa der „Business-Lion„, Maria Lorenz, Finanz-Szene, Theresaliebt und und und…

3. So viele Frauen! Hier mach ich’s kurz und nenne einfach: den wunderbaren Podcast FRÜF (Sportblog), die Groschenphilosophin (Kulturblog), Franzi von Kempis (Buch einer Bloggerin), Dorothee Bär! Bloggen ist nämlich alles andere als „nur“ ein Männerding!

4. Die vielen Menschen vor Ort: Der neue Termin, Corona, die neue ungewohnte Location – es hätte einige gute Gründe gegeben, am Montag nicht bei Microsoft aufzutauchen. Das Bangen wäre nicht nötig gewesen: Es war sehr voll, es wurde viel gelacht, gesungen, getanzt und gefeiert. Ich habe ausnahmslos glückliche Gewinner und Gäste gesehen.

5. Die Resonanz: „Ich weiss nich, wann ich das letzte Mal so viel Presse bei Microsoft Berlin gesehen hab“, schreibt Magdalena Rogl auf Twitter und ja. Das war wirklich ordentlich. Viel wichtiger sind uns die vielen Tweets, Facebook- und Instagram-Posts, Mails und Anfragen, die wir gerade noch sortieren und beantworten. Verspätungen liegen auch bei uns an Verzögerungen im Betriebsablauf, wir machen das „nur“ nebenbei, quasi als Hobby. Eins, das auch am Ende der 13. Gala irre glücklich macht.

Danke.

Hier die Liste aller Gewinner:

Instagram-Account: Der Businesslion (Saal-Voting)
Kulturblog: Die Groschenphilosophin (Akademie-Entscheidung)
Twitter-Account: erzaehlmirnix (Online-Voting)
Talent auf TikTok: Tagesschau (Akademie-Entscheidung)
Newcomer*in des Jahres: Ruprecht Polenz (Online-Voting)
Sportblog: FRÜF – Frauen reden über Fußball (Akademie-Entscheidung)
Themen- und Nischenblog: Alzheimer und wir (Akademie-Entscheidung)
Bloggerin mit Buch: Franzi von Kempis mit „Anleitung zum Widerspruch“ (Saal-Voting)
Food- und Weinblog: Bacon zum Steak und Sternefresser (Akademie-Entscheidung)
Podcast: Wochendämmerung mit Katrin Rönicke & Holger Klein (Online-Voting)
WTF-Blog: Bibliothek der Träume und Helikopter Hysterie ZWO (Saal-Voting)
Neue*r Medienmacher*in: Maria Lorenz & Nilz Bokelberg (Akademie-Entscheidung)
Social-Media-Account einer Celebrity: Fiete Gastro – der auch kulinarische Podcast mit Tim Mälzer und Sebastian Merget (Online-Voting)
Medizinblog: Schwesterfraudoktor (Akademie-Entscheidung)
Wirtschaftsblog: finanz-szene.de (Akademie-Entscheidung)
Bloggerin ohne Blog: Dorothee Bär (Saal-Voting)
Flauscherin: Theresa liebt (Online-Voting)
Sonderpreis fürs Lebenswerk: Sascha Lobo
Blogger des Jahres: Volksverpetzer (Akademie- und Online-Voting, jeweils 50 Prozent)

Mehr Fotos vom Abend gibt’s hier.

Und hier noch mal die Namen der Unternehmen, ohne die das alles nicht möglich wäre.

Neues macht Angst

Neulich fühlte ich mich ertappt: Monatelang hatte mir mein Mann in den Ohren gelegen, dass er gerne einen neuen Fernseher anschaffen wollte. Und monatelang habe ich ihn hingehalten: Das neue Ding würde viel größer werden, schon wieder eine Umgewöhnung in Sachen Fernbedienungen (noch eine mehr?!) bedeuten und sowieso nicht richtig ins Wohnzimmer passen (gibt ja nix Kleines mehr!). Ich hatte jede Menge Ausreden parat! Und dann war das neue (sehr große!) Gerät da. Wir räumten ein wenig um und es war am Ende gar nicht schlimm, sondern sogar besser: Aus drei Fernbedienungen wurde sogar nur eine. Du ahnst schon, warum ich mich ertappt fühlte: Einerseits mache ich seit Jahren Menschen Mut, sich auf neue Abläufe, Kanäle und Arbeitsweisen einzulassen, andererseits hadere ich monatelang mit der Entscheidung für einen neuen Fernseher. Was für ein Witz!

Auch die derzeitige Hysterie in Bezug auf diesen neuartigen Corona-Virus ist ein Ausdruck von Angst, Angst vor dem Unbekannten. Eine Angst, die wiederum zu irrationalen Handlungen führt. Zum Beispiel Hamsterkäufe, obwohl es Lieferdienste gibt. Hyperventilierenden Medien, die stündlich die Zahl der positiv auf Corona getesteten Menschen per Eilmeldung an ihre Leser bringen, ohne richtige Einordung zu liefern. Veranstaltungen werden abgesagt, obwohl das Corona-Virus lange nicht so ansteckend wie Masern ist. Hinzu kommt, dass der Krankheitsverlauf bei den meisten Infizierten bisher so mild verläuft, dass diese die Symptome nicht einmal als solche bemerken. Und ja: Das Robert-Koch-Institut schätzt die Sterblichkeit auf 0,3 bis 0,7 Prozent, dreimal so viel wie bei der Grippe. Das liegt aber auch daran, dass bisher nicht flächendeckend, sondern nur Risikogruppen und schwer Erkrankte getestet wurden. 

Natürlich vergleiche ich hier Äpfel mit Birnen und an einem neuen Fernseher werden vor allem ältere und kranke Menschen auch nicht sterben können, wie es bei der Lungenkrankheit Covid 19 der Fall ist. Dennoch könnten wir versuchen, verantwortungsvoller und weniger irrational mit diesem Neuen umzugehen: Auch im Kampf um die Aufmerksamkeit sollten Medien, ihrer Verantwortung, die sie als vierte Gewalt im Staat haben (wollen), stets gerecht werden (Offtopic, aber WTF!). Zweitens: Eigenes Hinterfragen und Medienkompetenz ist wichtiger denn je, auch und vor allem bei Medien selber. 
Und drittens: Mithelfen, den Virus auszubremsen. Indem wir Abstand halten, ohne auszugrenzen, in Armbeugen husten und niesen, enge, schlecht belüftete Räume meiden und Hände waschen. Apropos!

Sind Branchenfremde die besseren Verleger?

Quelle: Dumont

In der Medienbranche herrscht bisweilen Untergangsstimmung: Print stirbt. Lokaljournalismus im Internet hat kein Geschäftsmodell und wie lange es lokale Boulevardzeitungen noch geben wird – unklar, aber die Tage sind gezählt. Und wenn man sich die Entwicklung der Auflagenzahlen der Regionalzeitungen anschaut, dann kann man nur hoffen, dass die Verleger Gas geben, damit in ein paar Jahren wirklich die digitalen Erlöse die Printverluste kompensieren, wie prophezeit. (Ich hoffe ja sehr, dass die Protagonisten wissen, dass das nicht von alleine passiert, sondern Investitionen und harte Arbeit notwendig sind.)

In diese Stimmung hinein platzt nun die Meldung, dass der Xing-Manager Arist von Harpe die Hamburger Mopo kauft. Ein lokales Boulevardblatt – ausgerechnet! Wirft man einen Blick von Harpes Vita dann ist es ein lustiger Zufall, dass dieser – ähnlich wie Holger Friedrich, der mit seiner Frau die Berliner Zeitung kaufte – sowohl Gründer als auch Unternehmensberater war. Im ‚Horizont“-Interview gibt er sich optimistisch: Die Mopo sei eine „echte Perle“. Und das, obwohl es für Dumont ja nicht so einfach war, überhaupt jemanden zu finden, der eine Zukunft in der Mopo gesehen hat.

Halten wir fest: Nun gibt es mittlerweile schon zwei prominente Projekte in Deutschland, bei denen Fachfremde als Verleger alten Marken eine Zukunft geben wollen und Branchenkenner keine mehr sehen. Beim Blick in die USA könnte man meinen, dass das nicht unbedingt eine schlechte Idee sein muss.

Fotoquelle: Dumont

(Der Text war Teil meines wöchentlichen Newsletters über digitale Medien und Social Media, den du hier abonnieren kannst.)

Goldene Blogger: Fünf Dinge, die ich 2019 gelernt habe

Zum 13. Mal verleihen Daniel Fiene, Thomas Knüwer und ich am 9. März die Goldenen Blogger. In den vergangenen Tagen haben wir uns mehr als 2000 Vorschläge angeschaut, die die Community in 2019 begeisterten. Fünf Dinge, die ich dabei gelernt habe.

Erstens: Es spricht sich so langsam rum: Blogs sind mittlerweile viel mehr als digitale Tagebücher, das konnte man sehr gut an den diesjährigen Nominierungen sehen. Viele Bloggerinnen und Blogger nutzen Blogs, um ihre Leidenschaft für ein Thema auszudrücken und Gleichgesinnte zu finden. Nicht ohne Grund kann in diesem Jahr entschieden werden, wer das beste Blog in den Kategorien „Wirtschaft“, „Kultur“, „Food/Wein“, „Sport“ oder auch Thema/Nische sein wird.

Zweitens: Medienwandel ist was Feines! Aus Blogs und anderen digitalen Projekten entstehen immer mehr Geschäftsmodelle. Deshalb haben wir in diesem Jahr die Kategorie „Neue Medienmacher“ ins Rennen geschickt und mit ihr Persönlichkeiten wie Tijen Onaran, Stefanie Luxat und Maria Lorenz und Nilz Bokelberg. Sie alle eint die Leidenschaft, mit der sie Medien machen – auf allen Plattformen.

Drittens: 2019 war ein weiteres Jahr der Polarisierung. Gut, dass es dennoch Menschen da draußen gibt, die mit Leidenschaft gute Laune verbreiten und aus Gepöbel, schlechter Laune und Hass hervorstechen. Natürlich musste es diesmal wieder die Kategorie „Flausch“ geben, in der wir die Menschen feiern müssen, denen das täglich gelingt!

Viertens: 2019 war außerdem ein Jahr, in dem auch deutsche Politiker auf den sozialen Kanälen angekommen simd. Gleich drei Politiker haben die Community dabei besonders beeindruckt: Ruprecht Polenz, der im Alter von 73 Jahren 2019 aufdrehte, SPD-Hoffnung Lilly Blaudszun und Digitalstaatsministerin Dorothee Bär.

Fünftens: Wenn ich auf die komplette Liste der 48 Nominierten schaue, dann spiegelt diese für mich wieder einmal ein sehr vielfältiges Bild von dem, was in Blogs, in sozialen Netzwerken und digitalen Medien so entsteht. Da stehen Youtuber neben etablierten Entertainern wie Kai Pflaume, Tiktoker neben der Tagesschau. Ich habe die Möglichkeit, zum Fachmann für Helikopter, Käse oder Ibuprofen zu werden, erfahre, wie es ist, mit Tourette zu leben und nebenbei gibt’s noch Beziehungscoaching mit Charlotte und Martin. Besser geht’s doch eigentlich nicht, oder?

Hier die Liste aller aller Nominierten! Sehen wir uns am 9. März 2020?

Blackrock-Chef Larry Fink ruft Revolution aus

Zu Beginn des Jahres schaue ich noch einmal nach vorn. Eine spannende Lektüre ist jedes Jahr der Brief von Larry Fink an seine Kunden, meist Chefs der größten Konzerne der Welt. Larry Fink selbst ist Chef des größten Vermögensverwalters der Welt, Blackrock. Der Brief macht in diesem Jahr deutlich, welches Thema die Finanzwelt in 2020 beschäftigen wird: der Klimawandel. Fink beschreibt in wenigen Sätzen, wie sehr das gesamte Wirtschaftssystem auf den Kopf gestellt werden wird:

„Will cities, for example, be able to afford their infrastructure needs as climate risk reshapes the market for municipal bonds? What will happen to the 30-year mortgage – a key building block of finance – if lenders can’t estimate the impact of climate risk over such a long timeline, and if there is no viable market for flood or fire insurance in impacted areas? What happens to inflation, and in turn interest rates, if the cost of food climbs from drought and flooding? How can we model economic growth if emerging markets see their productivity decline due to extreme heat and other climate impacts?“

Fink verkündet eine Reihe von Maßnahmen, die in den kommenden Monaten einen Wandel der Wirtschaftswelt hervorbringen werden. Keine Investitionen, die mit Nachhaltigkeitsrisiken verbunden sind, eine größere Implementierung von Nachhaltigkeit im Investmentprozess, mehr Transparenz über Nachhaltigkeitsfaktoren in allen Produkten. Mehr noch: Auch das Abstimmungsverhalten in den unzähligen Aufsichtsräten, in denen Blackrock vertreten ist, soll sich nun noch viel stärker an diesen Faktoren ausrichten.

Auch wenn man hier natürlich noch einkalkulieren muss, dass Fink es durchaus auch um maximale Aufmerksamkeit geht – es ist schon erstaunlich, dass der Chef von Blackrock den Klimawandel mit all seinen Auswirkungen zum Thema macht und den Versuch unternimmt, sich nun an die Speerspitze des Wandels zu setzen. Die Klimakrise ist in der Wirtschaft angekommen. Und sie wird auch die Digitalisierung beeinflussen: Schon jetzt geht ein erheblicher Anteil des Stromverbrauchs für die Nutzung des Internets drauf und dieser stammt keinesfalls nur aus klimaneutralen Energien.

(Dieser Text erschien zuerst in meinem wöchentlichen Newsletter, den du hier abonnieren kannst.)

Was kommt 2020?

Ich hoffe, dass du gut ins neue Jahr gestartet bist. Was wird uns 2020 beschäftigen? Welche Themen, Trends, Plattformen, Fragen? Das habe ich in den vergangenen Jahren auch schon gemacht (z.B. im Januar 2019). Ein paar Dinge haben sich bewahrheitet, ein paar nicht. Bist du bereit? Los geht’s.

Purpose, Haltung, New Work | Über diese Themen werden wir auch in 2020 intensiv diskutieren. Doch es geht 2020 darum, diese Begriffe, die Buzzword-Charakter haben, noch viel stärker mit Inhalten und echten Cases zu füllen. 

Persönlichkeitsentwicklung | Kein neuer Trend, aber einer, der 2020 noch mehr im Mainstream wahrgenommen werden wird und der aus meiner Sicht sehr stark mit den Begriffen in Punkt 1 verknüpft ist. 

Diversität | 2020 werden Frauen in hochkarätige Positionen in Politik und Wirtschaft wechseln. Doch wir werden nicht nur über Führungspositionen sprechen oder Diversität im Hinblick auf das ausgewogene Geschlechterverhältnis begreifen, sondern auch in Bezug auf Alter, Herkunft, Lebensstile und Gesellschaftsschichten erleben. Wir können es uns auch schlichtweg nicht mehr anders leisten! Und ja: Diversität kann anstrengend sein, umso wichtiger ist es, eine Unternehmenskultur zu schaffen, die Diversität möglich macht. 

Die eigenen Kanäle | Anfang 2019 habe ich vom Comeback der eigenen Kanäle geschrieben und das ist ein Trend, der uns auch in diesem Jahr beschäftigen wird. Die eigene Webseite, Newsletter, eine treue Community – darauf kommt es in 2020 umso mehr an. Bei Unternehmen und Medien. 
 
Linkedin, Instagram, Tiktok | Das sind die Namen der Plattformen, die 2020 zu den Gewinnern zählen werden. Tiktok war bereits 2019 der große Aufsteiger und ich bin gespannt, welche Formate von Medien und Unternehmen wir dort in den kommenden Monaten erleben. Linkedin wächst weiter und es könnte gut sein, dass das Netzwerk Ende 2020 kein klassisches Business-Netzwerk mehr ist. Und ja: Instagram wird zu den Gewinnern 2020 zählen, aber im Laufe des Jahres aufgrund der zunehmenden Fokussierung auf werbliche Inhalte eine gewisse Ernüchterung spüren.

Journalismus | Neue Medienmacher werden in 2020 noch relevanter und noch stärker gesellschaftliche Debatten mitbestimmen, so genannte klassische Medien verlieren weiter an Bedeutung. Die Fragmentierung der vierten Gewalt verstetigt sich und ich sehe darin auch viele Vorteile. 

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk | Allein das Wort „öffentlich-rechtlicher Rundfunk“ macht deutlich, dass hier dringender Reformbedarf besteht. Die Themen sind vielfältig und es ist schon fast ein bisschen niedlich, wie Quarks und Co. neuerdings auf Instagram bei jedem veröffentlichten Video erklären, dass dies mit Hilfe des Rundfunkbeitrags finanziert worden ist. Welchen Auftrag und welche Aufgaben hat der Ö-R in der digitalisierten Welt? Wie muss der Ö-R in Zukunft organisiert sein? Welche Mitarbeiter werden in Social-Media-Debatten geschützt und welche nicht? Dies wird 2020 breit debattiert werden. Und ich hätte nicht gedacht, dass die Sender diese Debatte selbst befeuern würden. WDR-Indendant Tom Buhrow hat mit seiner Löschaktion rund um das „Umweltsau“-Video ein wahres Eigentor gelandet.  

Und was meinst du?  

Ich wünsche dir ein großartiges 2020!

(Dieser Text erschien zuerst in meinem wöchentlichen Newsletter, den du hier abonnieren kannst.)

Im Dezember postete ich jeden Tag einen Witz. Das kannst du daraus lernen

Wer mir auf Twitter folgt, hat vielleicht mitbekommen, dass ich dort vom 1. bis 24. Dezember jeden Morgen den #Witzeadvent gefeiert habe. Hintergrund ist, dass sich die Kinder in diesem Jahr neben gekauften Adventskalendern dann doch noch einen selbstgemachten mit Säckchen gewünscht hatten. Es entstand in einer nächtlichen Hauruck-Aktion ein Witzekalender, jeden Tag ein Witz. Eine gute Sache übrigens, die eigenen Vorstellungen über Kinderhumor zu überprüfen, ich lag bereits das eine oder andere Mal richtig daneben. Bei Twitter zweitverwertete ich also die Witze mit folgenden Erkenntnissen, die nicht neu sind, aber doch ziemlich gut zeigen, wie das mit den Netzwerkeffekten, dem Communityaufbau so funktioniert – nicht nur bei Twitter, auch bei Instagram, da postete ich die Witze übrigens auch jeden Morgen als Story.

Witze gehen immer: Ob neu, alt, verkopft, entweder du findest ihn schlecht oder gut – Hauptsache Emotionen. Und die funktionieren in sozialen Netzwerken bekanntermaßen besonders gut.

Dranbleiben: Zwar erhielt der Witz am ersten Dezember die meiste Aufmerksamkeit, doch nach einer Weile hatten sich die morgendlichen Witze etabliert. Jeden Tag regnete es zahlreiche Interaktionen – Likes, Retweets und Antworten, oft sogar mit Adaptionen gar Weiterdrehs. Am vierten Tag kam die erste Nachfrage, wann der Witz denn endlich kommt. Am dritten Wochenende erhielt ich zweimal die Bitte, die Witze doch bitte bei Instagram in die Highlights zu legen, man habe sie an den vergangenen Tagen verpasst. 

Je älter der Witz, desto höher die Haltbarkeit des Tweets: Ich postete die Witze morgens zwischen 7 und 8 Uhr – und die meisten Interaktionen hatte der Tweet dann bis ungefähr 11 Uhr mittags. Je nach Witzgüte kam es abends noch einmal zu einer Interaktionswelle, einigen Tweets gelang es sogar noch am Folgetag, Likes einzusammeln. Das ist sicherlich algorithmisch bedingt, zeigt aber auch: Auch auf Twitter „funktionieren“ nicht-aktualitätsgetriebene Inhalte. 

Meine Qualität ist nicht unbedingt eine objektive Qualität: Ich habe mich fast geschämt, dass auch der Witz mit der schwer verständlichen Muschel (Nuschel) dabei war, denn dieser Witz ist wirklich verdammt alt. Aber es sind genau diese Witze, die dann dafür sorgen, dass andere besonders gerne mit ihnen interagieren und sich amüsieren.  

Communitypflege ist wichtig: Ja, das wichtigste ist natürlich jeden Tag einen neuen Witz abzuliefern. Auf Reaktionen reagiere ich, Nachfragen beantworte ich. Das kostet Zeit, ja, aber zahlt sich aus.  

Und nein: Twitter lässt sich zwar wunderbar zum Aufbau von Personenmarken nutzen, aber 24 Tage reichen dafür nun wirklich noch nicht aus. Ich habe auch noch keine Talkshoweinladung als Witzeexpertin erhalten, dafür müsste ich wohl mindestens ein Buch schreiben. Und Witzebücher aller Art gibt es nun wirklich schon zuhauf.

Der Text erschien in abgewandelter Form in meinem wöchentlichen Newsletter, für den du dich hier anmelden kannst.)

Jahresendzeitfragebogen 2019

Traditionen soll man nicht brechen. Daher: Der alljährliche Fragebogen. (Für alle Leser, die erst in den vergangenen Monaten dazu gestoßen sind: Früher (siehe unten) wurde dieser Fragebogen von ziemlich vielen Bloggerinnen und Bloggern ausgefüllt. Einige machen das immer noch. Ich gehöre dazu.)

Zugenommen oder abgenommen?

Wenn dann eher ab.

Haare länger oder kürzer?

Ich bin meiner Friseurin Pia treu geblieben und habe sie kurz vor Weihnachten das letzte Mal gesehen.

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?

Der letzte Check ergab: nen Tick besser.

Mehr ausgegeben oder weniger?

Irgendwann im Frühling knallte mein Rechner vom Fahrrad (und war schrott). Im Mai der Büroumzug und damit die Anschaffung von diversen Stühlen, Tischen und einem Regal. Macht zusammen: eher mehr.

Der hirnrissigste Plan?

Da bleibe ich bei meiner Aussage von 2018: Zu glauben, in der Selbstständigkeit weniger unterwegs zu sein. 69 Dienstreisen in 2019. Und dann wäre da noch das Vorhaben, entspannt Weihnachten zu feiern – ohne familiäre Grippewelle oder andere Gebrechen.

Die gefährlichste Unternehmung?

Ich neige nicht zu gefährlichen Unternehmungen, ich habe Kinder.

Die teuerste Anschaffung?

Das Büro.

Das leckerste Essen?

Die erste Gans Ende November, die hatte schon was. Ansonsten habe ich in diesem Jahr asiatische Nudelsuppen für mich entdeckt. Ja, kein neuer Trend, aber ein gesunder und vor allem sehr sättigender.

Das beeindruckendste Buch?

Tausend Zeilen Lüge von Juan Moreno. Was ich sonst so gelesen habe, kannst du hier sehen.

Der berührendste Film?

Ich habe sehr wenige Filme geschaut. Wenn überhaupt dann Serien.

Das beste Lied?

„Fünf Jahre nicht gesungen“ von Thees Uhlmann, weil es das erste Lied der neuen Platte war, das veröffentlicht wurde. Nach dem Besuch des Konzerts: Avicii.

Das schönste Konzert?

Am 21.12. Thees Uhlmann im Kölner Palladium. Sein letztes Konzert auf der Tour 2019 und eine grandiose Show.

Die meiste Zeit verbracht mit?

Arbeit.

Die schönste Zeit verbracht mit?

Familie.

Vorherrschendes Gefühl 2019?

Jonglieren kann ich.

2019 zum ersten Mal getan?

Einen 10-km-Lauf mitgemacht. Ein eigenes Büro angemietet und den Mann zum Untermieter gemacht. Mitarbeiterin Nummer 1 offiziell angestellt. Meine erste eigene Weihnachtsfeier ausgerichtet. In vielen deutschen Städten gewesen, die ich bisher nicht kannte: Bad Rodach, Erfurt, Gera, Hildesheim. Über eine Bahncard100 nachgedacht. Eine Mastermind-Gruppe gegründet. Mit dem Krankenwagen ins Krankenhaus gefahren.

2019 nach langer Zeit wieder getan?

Joggen gewesen. Regelmäßig für ein Ziel trainiert. In Thüringen gewesen, Pilze gesammelt. (Das war toll, das habe ich früher mit meinen Eltern gemacht, mein Vater kannte sich da gut aus.)

Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?

Auch wenn mich die Grippewelle und mein Krankenhausbesuch am Jahresende wirklich genervt hat, mittlerweile glaube ich fest daran, dass diese Dinge, über die wir uns erst einmal ärgern, aus einem Grund geschehen. Vielleicht sollte auch diese Pause einfach mal sein.

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?

Wird schon.

2019 war mit einem Wort?

Kräftezehrendaberhatsichgelohntgut.

Wer sich nochmal durch die vergangenen Jahre klicken will: 2018, 2017, 2016, 2015, 2014, 2013, 2012, 2011, 2010, 2009, 2008, 2007, 2006, 2005, 2004, 2003