2025: Das Jahr in Büchern

Ich habe gerade nochmal den Beitrag vom vergangenen Jahr gelesen und gesehen, dass ich 2024 zum Elizabeth-Strout-Jahr gemacht habe. Sie war halt die Autorin, von der ich am meisten gelesen habe. Wenn ich dies jetzt zur Tradition mache, dann ist 2025 ein Alex-Schulman-Jahr gewesen. Der Sommer in Schweden war stark von den drei Büchern geprägt, die seine Familiengeschichte erzählen. Und ich hab alle drei sehr geliebt, weil sie so anders waren. Weil ich noch nie so über Alkoholismus gelesen habe, weil ich es bewundert habe, wie Schulman es gelingt, so über seine eigene Familie zu schreiben.

Kommen wir zu den Statistiken, die dann Goodreads vorliegen: 48 Bücher. Hier die Liste – in kursiv alle Bücher, die ich gehört habe, alle Bücher mit Sternchen empfehle ich.

Alex Capus: Das kleine Haus am Sonnenhang

Jan Weiler: Der Markisenmann*

Maxim Leo: Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße

Virginia Evans: Die Briefeschreiberin*

Aus irgendeinem Grund habe ich ein Faible für Briefromane, zumindest derzeit. Mich interessiert, wie gut es der Autorin gelingt, dass ich wirklich glaube, echte Briefe zu lesen. Hier ist das wirklich gelungen. Und das Schicksal der Briefeschreiberin, aber auch die Liebe, die sie trotz allem erfahren hat, hat mich unheimlich berührt.

Saša Stanišic: Möchte die Witwe angesprochen werden, platziert sie auf dem Grab die Gießkanne mit dem Ausguss nach vorn*

Heinrich Böll: Die verlorene Ehre der Katharina Blum*

Ein erstaunlich aktueller Klassiker über Medien, Macht und Zuschreibungen. Hier ein paar Worte dazu.

Claire Keegan: Reichlich spät

Hab erst später gesehen, dass das ein Essay ist – denn dieses Buch ist wirklich kurz (46 Seiten). Claire Keegan schafft es, mit wenigen Worten eine Welt aufzubauen, die man nachvollziehen kann – und die in dem Titel erklärt. (Hab 2024 schon ein Buch von ihr gelesen und fand es damals sehr bewegend.)

Daniel Schreiber: Liebe! Ein Aufruf*

Die große Stärke von Daniel Schreibers Schreibe ist, wie er ein großes Thema so persönlich erzählt, dass wirklich jede*r mitempfinden kann. Hier mehr dazu

Douglas Stuart: Shuggie Bain*

Nelio Biedermann: Lázár

So viel Hype um dieses Buch und ich wollte es wirklich toll finden. Die Geschichte einer ungarischen Adelsfamilie im zwanzigsten Jahrhundert: zwei Weltkriege, die Nachkriegszeit und die Enteignung in Ungarn. Eigentlich hätte dieser Stoff sehr viel Potenzial für ein wunderbares Buch gehabt. Aber Biedermann rennt da so durch, die Figuren bleiben blass, mir fehlte eine gewisse Nähe. Ich hab mich richtig geärgert, dass die Geschichte des Jungen, der mit durchsichtiger Haut geboren wurde, irgendwie versandet. Schade.

Trude Teige: Und Großvater atmete mit den Wellen*

Grégoire Delacourt: Die Frau, die nicht alterte

Eines der Bücher, über das ich mich richtig geärgert habe. Manche Männer sollten nicht über Frauen schreiben.

Grégoire Delacourt: Alle meine Wünsche

Steve Ayan: Seelenzauber: Aus Wien in die Welt – Das Jahrhundert der Psychologie*

Haruki Murakami: Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki*

Trude Teige: Als Großmutter im Regen tanzte

Ilko-Sascha Kowalczuk: Stasi konkret: Überwachung und Repression in der DDR*

Wie entstand das Überwachungssystem, was konnte die Stasi wirklich und wer gehörte alles dazu? Aufwühlender Blick in die deutsche Geschichte.

Caroline Wahl: Die Assistentin*

Ich finde: eine sehr gute Beschreibung, was es mit dir macht, wenn du mit einem Narzissten arbeitest – und vielleicht noch nicht mit beiden Beinen im Leben stehst. Schmerzhaft. Gibt allerdings Punktabzug wegen des Endes.

Beatrix Gerstberger: Die Hummerfrauen

Alex Schulman: Die Überlebenden*

Alex Schulman: Vergiss mich*

Elsa Köster: Im Land der Wölfe

Kristine Bilkau: Halbinsel

Elizabeth Strout: Das Leben, natürlich*

In Shirley Falls sind die Burgess-Geschwister aufgewachsen und als ihre Schwester Hilfe benötigt, kehren die nach New York geflüchteten Brüder dorthin zurück. Natürlich holt sie die Vergangenheit ein. Ich hätte nicht gedacht, dass das Buch von 2012 so aktuell ist, denn es erzählt nicht nur die Geschichte dieser Familie, sondern handelt von Integration und Fremdenhass in einer Kleinstadt. Elizabeth Strout kann das wie kaum jemand: das Leben erzählen. 

Alex Schulman: Verbrenn all meine Briefe*

Sofia Lundberg: Das rote Adressbuch

Petra Pellini: Der Bademeister im Himmel

Annika Büsing: Wir kommen zurecht*

Eine schöne Coming-of-Age-Variante über einen Jungen, dessen Mutter wie ein Schatten über dem Familienleben liegt. 

Giuliano da Empoli: Der Magier im Kreml*
Ein Roman, der die Macht im Kreml hervorragend erklärt und neugierig darauf macht, tiefer in Russlands Geschichte einzusteigen. Macht keine gute Laune, hilft aber auch zu verstehen, was wir gerade erleben. Hier habe ich ein bisschen ausführlicher drüber geschrieben.

Miriam Georg: Hoffnung (Das Tor zur Welt #2)*

Miriam Georg: Träume (Das Tor zur Welt #1)*

Max Frisch: Montauk

Delia Owens: Where the Crawdads sing*

Chloé Cadwell: Women

Rufi Thorpe: Only Margo

Satoshi Yagisawa: DIe Tage in der Buchhandlung Morisaki

Mareike Fallwickl: Die Wut, die bleibt*

Robert Seethaler: Der letzte Satz

Markus Pfeifer: Springweg brennt*
Hier habe ich ein bisschen ausführlicher drüber geschrieben.

Carlo Masala: Wenn Russland gewinnt: ein Szenario*

Anfang des Jahres gelesen und scheint aktueller denn je. Masala denkt konsequent durch, was uns erwarten könnte. Und ich musste bereits mehrfach in diesem Jahr an die von ihm beschriebenen Szenarien denken.

Christian Huber: Man vergisst nicht, wie man schwimmt

Patrick Holzapfel: Hermelin auf Bänken

Karla Henning: Die Gleichzeitigkeit der Dinge*

Ein Buch über Beziehungen, über Nähe und darüber, was alles gleichzeitig passiert und wie wir besser damit umgehen können. Und was lehrt: Wenn wir besser mit der Gleichzeitigkeit der Dinge umgehen, können wir auch besser kommunizieren. Hier mehr dazu.

Ildiko von Kürthy: Eine halbe Ewigkeit

Jenny Mustard: Okaye Tage*

Rutger Bregman: Moralische Ambition*

Andreas Steinhöfel: Rico, Oskar und der Tieferschatten

John Boyle: Der Junge im gestreiften Pyjama*

Der Magier im Kreml oder das Spiel, das wir alle mitspielen

Ich habe „Der Magier im Kreml“ gelesen. Kein Sachbuch, keine Biografie. Sondern ein Roman von Giuliano da Empoli, der besser erklärt, wie digitale Kommunikation, Macht und Manipulation heute zusammenspielen. Er zeigt eindrücklich, wie Kommunikation zur Waffe wird – und wir alle Teil der Spielregeln sind, die Putin und seine Strategen seit Jahren vorgeben. Und wir spielen mit. Ob wir wollen oder nicht. 

Der Roman basiert auf realen Personen und wahren Begebenheiten. Im Zentrum: Wadim Baranow, ein fiktiver Putin-Berater, der als ehemaliger Regisseur und Reality-TV-Produzent Einblick in den Maschinenraum des Systems Putin gibt. 


Was Giuliano da Empoli beschreibt, ist kein klassisches Propaganda-Modell. Es geht nicht darum, Menschen zu überzeugen, sondern darum, Deutungsräume zu besetzen. Möglichst viele. Und gleichzeitig. „Wir müssen niemanden bekehren (…), nur herausfinden, woran sie glauben, und sie darin bestärken.“ Es geht also um kontrollierte Spaltung, algorithmisch verstärkt. Und wir sehen sie täglich auf allen Plattformen. 

Drei Mechanismen, die das System stützen – auch bei uns.

1. Sichtbarkeit dominiert. 
„Inmitten all der Veränderungen sind wir nicht darauf trainiert, die Dinge zu erkennen, die gleich bleiben.“
Wir reagieren auf Trends, Aufreger, Breaking News. Aber die zugrundeliegenden Narrative bleiben oft unsichtbar. Aufmerksamkeit frisst Kontext.
 

2. Angst ist ein stabiler Trigger. 

„Die Politik reagiert auf die Ängste der Menschen.“ 
Putins Kommunikation setzt auf Drohung, nicht auf Argument. Angst erzeugt Handlung, und wer verspricht, diese Angst kontrollieren zu können, sichert sich Macht.
„Die einzige Waffe, die ein Armer hat, um seine Würde zu bewahren, ist es, anderen Angst einzuflößen.“
Das ist keine Randnotiz. Es ist das Prinzip, nach dem ganze Diskurse gebaut werden – online wie offline. Die Plattformlogiken verstärken das zusätzlich: Angst klickt, Angst verbreitet sich, Angst mobilisiert. Und sie gibt Macht, selbst da, wo keine ist.
 

3. Enthüllung als Verstärker 

„Alles, womit man Stärke vorgaukelt, lässt sie tatsächlich wachsen.“ 

Das System kalkuliert ein, entlarvt zu werden. Oder: Was wir eine Entlarvung wirkt, ist oft einkalkuliert. Denn – so die Logik, diese Entlarvung verstärkt die eigene Machtposition sogar noch. Weil sie die Erzählung von Einfluss, Stärke und Undurchschaubarkeit bestätigt. Auch das lässt sich auf Marken- oder Krisenkommunikation übertragen: Wer Empörung klug steuert, beherrscht das Narrativ.

Und diese Logik funktioniert nicht nur auf geopolitischer Ebene, sondern auch in der Marken- und Krisenkommunikation: Wer geschickt mit Skandalen umgeht, kontrolliert oft weiter das Narrativ. Sichtbarkeit wird zur Strategie.

Technologie war nie neutral

Da Empoli erinnert: Fast alle Technologien, die unser Leben prägen – Computer, Internet, GPS – entstanden im militärischen Kontext. Kontrollwerkzeuge, keine Emanzipationshilfen.
Und heute? „Die Datenexplosion hat aus der Menschheit ein einziges Nervensystem gemacht.“ Facebook habe geschafft, was der KGB nie konnte: permanente Selbstüberwachung. Und das auf freiwilliger Basis. Und das gilt ja nicht nur für Facebook. 

Was bleibt?

Der Magier im Kreml ist kein Roman über Russland. Es ist ein Roman über Macht. Über Narrative. Und darüber, wie leicht wir alle Teil eines Spiels werden, dessen Regeln wir nicht gemacht haben. Gerade in der digitalen Kommunikation.

Für alle, die Kommunikation gestalten – ob für Organisationen, Marken oder Medien – ist dieses Buch Pflichtlektüre. Weil es uns zwingt, nicht nur auf das Bewegte zu schauen, sondern auf das, was sich nicht verändert. Und weil es deutlich macht: Deutungsmacht ist keine Theorie. Sie ist Strategie. 

Und damit ende ich mit dem Zitat, dass der Autor dem Buch vorangestellt hat: „Das Leben ist eine Komödie. Man muss sie ernsthaft spielen.“

10 Dinge, die den März schön gemacht haben

13 Jahre Muttersein
  1. 13 Jahre Mutter sein. Hätte man mich vor 13 Jahren gefragt, was sich durch das Muttersein verändern würde, ich hätte geantwortet: nichts. Zum einen, weil es schwer vorstellbar ist, wie ein Leben mit Kindern ist, wenn man keine Kinder hat. Zum anderen, weil ich fest davon überzeugt war, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf schon funktioniert. Wenn man denn will, dass es funktioniert.

    13 Jahre später hat sich meine Sicht darauf zumindest ein wenig verändert. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf kann funktionieren, wenn Frau und Mann wollen, dass sie funktioniert. Aber es gibt eben auch Dinge, die Frau, Mann und Kinder nicht in der Hand haben. Und das sind vor allem Faktoren, die unser gesellschaftliches Miteinander betreffen.
    „Geht das denn überhaupt mit Kind?“
    „Die will doch bestimmt kürzertreten.“
    „Jetzt hat sie doch dafür keine Zeit mehr.“
    „Warum kommt eigentlich immer nur der Mann?“
    „Die ist ja ständig unterwegs. Wie kann sie da für ihre Kinder da sein?“
    „Kein Wunder, dass sie ständig krank ist.“

    Vollberufstätige Mütter brauchen mindestens ein gutes, wertschätzendes Umfeld und ein dickes Fell.
  2. Fahrradtouren mit dem kleinen Sohn. Endlich Frühling.
  3. Konzerte in der Wohnung. Ich liebe es, wenn ich in der Küche stehe und im Kinderzimmer die Gitarre höre. Höre, wie der Sohn immer wieder diese eine Passage spielt, damit sie ihm endlich gelingt. Und wie er, voller Stolz, dann zum Vorspielen kommt und auch ein bisschen stolz ist, wenn ich ihn dabei filme.
  4. Seit Wochen, nein, Monaten hat sich dieses eine Projekt gezogen, weil entweder noch eine weitere Anforderung dazu kam, oder technische Lösungen her mussten, die wir zunächst recherchieren mussten. Und wie befreiend dieses Gefühl, endlich die Abschlussrechnung schreiben zu können.
  5. Ich habe Sophie Passmann das erste Mal bei den Goldenen Bloggern getroffen, es war 2017 in Berlin und seitdem verfolge ich, was sie so treibt. Mal intensiver, mal weniger intensiv und als mich eine Freundin fragte, ob ich nicht mitkommen wolle ins Schauspielhaus zu einer dieser „Düsseldorfer Reden“ sagte ich natürlich sofort zu. Wir erlebten eine Sophie, die klug und gewitzt über Humor spricht und am liebsten hätte ich die Rede aufgezeichnet und sie mir noch mal in 0,8facher Geschwindigkeit angehört, weil soviel Gutes dabei war, das ich in der vorgetragenenen 1,5fachen Geschwindigkeit gar nicht alles erfassen konnte.
  6. Bochum. Zum ersten Mal dort gewesen. Keine Currywurst gegessen.
  7. Indisch gekocht und zwar mehrfach und so langsam bekomme ich ein Gefühl für Timings in der Zubereitung von begleitendem Reis und Naanbrot. Aber um hinter das Geheimnis von perfekt gekochtem Reis zu kommen, muss ich wohl noch ein paar Mal üben.
  8. Buchclub. Ich liebe es, wenn ich durch den Austausch über Bücher noch einmal eine andere Perspektive auf das Buch bekomme und Lust bekomme, ein Buch direkt noch einmal zu lesen. Plus: Die anderen Werke der Autorin Claire Keegan sind jetzt auf der Will-ich-lesen-Liste gelandet!
  9. Fünf Tage allein zu Hause. Wenn du zunächst darüber nachdenkst, ob das wirklich eine gute Idee ist, du zwischendurch entschlossen bist, doch der Familie hinterherzufahren und am letzten Tag der Meinung bist, dass ein Tag länger jetzt auch noch ginge.
  10. 86 Tage italienisch. Hätte nicht gedacht, dass mir das Lernen dieser Sprache so viel Spaß macht.

Gelesen

Muskelfaserrissbedingt habe gerade gegen Ende des Monats viel Zeit auf dem Sofa verbracht und viel gelesen.

Elizabeth Strout – Die Unvollkommenheit der Liebe: Teil 1 der Lucy-Barton-Reihe und ja, in diesem Buch geht es um die Unvollkommenheit der Liebe, aber warum muss das der Titel dieses Buchs sein? Im Englischen heißt das Buch „My name is Lucy Barton“ und ich empfinde ihn als den besseren Titel, weil wir hier verstehen, wer diese Lucy ist, die nach langer Zeit ihrer Vergangenheit begegnet, derer sie sich geglaubt, entledigt zu haben. Lucy liegt im Krankenhaus und die Mutter kommt und wacht ein paar Nächte an ihrer Seite. Die reden über vieles und doch nicht explizit über das, was zwischen ihnen liegt. Der Schmerz, die Fragen, die Wut. Weil es eben die eigene Mutter ist. 

Ein tolles Buch über die Liebe von Töchtern zu ihren Müttern und umgekehrt, die unvollkommene Liebe, trotz Verletzungen und Misshandlungen in der Kindheit. Ein tolles Buch und ein toller Start in die Reihe von Elizabeth Strout.

Elizabeth Strout – Alles ist möglich: Teil 2 der Lucy-Barton-Reihe und hier erfahren wir ganz viel über die Leben der Menschen, die im ersten Buch kleine Nebenrollen hatten, aber alle irgendwie einen Bezug zu Lucy Barton haben. Menschen aus ihrer Kindheit und Jugend, die Hass, Neid, Einsamkeit, Wut und Liebe erleben. Es sind Familiengeschichten. Und dann taucht auch Lucy nach 17 Jahren wieder in ihrer Heimatstadt auf, die sie geglaubt hat, hinter sich gelassen zu haben. Tolles Buch, man hätte auch mit diesem Buch in diese Reihe starten können.

Elizabeth Strout – Oh William!: Im dritten Teil der Reihe lernen wir William kennen, den ersten Ehemann von Lucy Barton, der sie betrogen hat und von seiner dritten Frau verlassen wird, mit der er noch einmal ein Kind hat. Wie viele ältere Männer interessiert er sich für seine Vergangenheit und macht dabei eine Entdeckung, die sein Leben nochmal ziemlich auf den Kopf stellt. Gemeinsam mit Lucy begibt er sich auf eine schmerzhafte Spurensuche. Hab ich auch sehr gemocht.

Elizabeth Strout – Am Meer: Der vierte und vorerst letzte Teil der Lucy-Barton-Reihe, der 2020/2021 spielt, als auch in den USA Lockdowns waren und gerade in New York viele Menschen an der Krankheit starben. Lucys Ex-Mann William sorgt dafür, dass seine Lieben New York verlassen, bevor die Pandemie zu sehr wütet. Gemeinsam mit Lucy mietet er ein Haus am Meer in Maine. Es ist eine Geschichte des Annäherns, des Verarbeiten von Trennung und Tod des Mannes, eine Geschichte über die Angst, die lieben Menschen im Leben womöglich schneller zu verlieren, als einem lieb ist. Und es ist eine Geschichte der Reflexion über das Leben, über Kompromisse, die man eingeht.

Gehört

Neben den üblichen Podcasts war mein absolutes Highlight in diesem Monat „Kleine Dinge wie diese“ von Claire Keegan. Das Hörbuch, gelesen von Stefan Wilkening, gibt es auf Spotify und das Buch auch gerade mal 116 Seiten umfasst, war es auch nicht sonderlich lang. Aber sowas von intensiv.

Es handelt vom Kohlenhändler Billy Furlong, der in einer kleinen Stadt in Irland lebt und hart arbeitet, um seine Familie zu versorgen. 1985 herrschen wirtschaftlich schwierige Zeiten in Irland. Die Kirche spielt eine wichtige Rolle im Leben der Stadtbewohner und entscheidet darüber, wer gute Bildung genießt und wer nicht. Als Billy bei seiner morgendlichen Kohlelieferung ans Kloster eine zutiefst verstörende Entdeckung macht, muss er eine Entscheidung treffen, die mit der großen Frage zusammenhängt, wie wir miteinander leben wollen. Wovor man die Augen verschließt, und wo das nicht mehr möglich ist.

Dankbar gewesen, dieses intensive Hörerlebnis im Nachgang im Buchclub besprochen haben zu können. Einfach, weil es nochmal andere Perspektiven gebracht hat. Denn mit katholischer Vorbildung lassen sich da noch viele Anspielungen erkennen. Und der schönste Impuls kam von V., die mir einen Tag nach dem Buchclub in einer Sprachnachricht den Impuls gab, auch über das Ende nochmal ganz anders nachzudenken.

Geschaut

Die Endlich-Wittwer-Reihe mit Joachim Krol. Unterhaltsam.

Kungfu Panda 4: Mit den Jungs im Kino. Mit Popcorn und einer Lebensweisheit: Jeder Schritt hinterlässt einen Abdruck und sei er auch noch so klein.

Kafka: Tolle Miniserie in der Mediathek, die extrem gut besetzt ist. Plus: Das Drehbuch stammt von Daniel Kehlmann. Alles höchst anspruchsvoll mit vielen kleinen Anspielungen, die man wohl nur als Kafka-Kenner deuten kann. Ich hab’s trotzdem geliebt, aber ich lieb ja auch Kafka.

Und sonst so: Noch 29 Tage bis zu den Goldenen Bloggern. Du willst live dabei sein? Tickets gibt’s hier.

Und so war der Februar.

2022: Das Jahr in Büchern

Aus meiner Sicht war 2022 ein gutes Lesejahr – ein Buch mit vielen Geschichten, die mich immer wieder aus dem Alltag herausgezogen haben, mich dazu gebracht haben, mich zu zerstreuen, abzuschalten. Kleine Auszeiten zwischendurch. Dabei ist mir aufgefallen, dass ich viel zu selten hier diese kleinen Geschichten, die schönen Formulierungen geteilt habe. Das wird sich 2023 ändern. Und in alter Tradition hier die Bücher, die ich 2022 beendet habe.

Samira El Ouassil, Friedemann Karig: Erzählende Affen
Eines der besten Bücher in diesem Jahr. Storytelling und welche Geschichten wir erzählen sollten. Hier mehr.

Khuê Pham: Wo auch immer ihr seid
Ich habe das Buch dafür geliebt, dass ich in eine mir fremde Welt abtauchen durfte.

Manfred Krug: Ich sammle mein Leben zusammen. Tagebücher 1996-1997
Hab ich gehört. War interessant in das Leben dieses Mannes abzutauchen und faszinierend, wie gut sein Sohn den Worten seines Vaters eine Stimme gab. Hier mehr dazu.

Manfred Krug: Abgehauen
Musste ich dann direkt im Anschluss an die Hörbücher hören, denn irgendwie wollte ich dann wissen, wie es gewesen ist, als Prominenter die DDR Ende der 70er Jahre zu verlassen.

Stine Pilgaard: Meter pro Sekunde
So viele wunderbare Formulierungen. So viele Impulse, um über das Älterwerden, Kinderkriegen – eigene Leben – nachzudenken.

Ewald Arenz: Der letzte Sommer
Eines dieser Bücher, dass ich diesem Jahr in einem Rutsch durchgelesen habe. Weil ich es nicht beiseite legen konnte. Ein tolles Sommerferienbuch.

Benedict Wells: Hard Land
Typisches Coming-of-Age-Buch. Das ist ok, aber kennste eins, kennste alle. Trotzdem hat es mich gepackt. Ein Geheimtipp ist dieses Buch schon lange nicht mehr. Aber jetzt weiß ich auch warum. Sam, 15, lebt in einer Kleinstadt, ist überfordert mit dem eigenen Leben und weiß, dass seine Mutter sterben wird. Besonders berührt hat mich hier nicht, diese erste Liebe, sondern eben genau dieses Familiending zwischen ihm und seiner Mutter, der abwesenden großen Schwester und die Art und Weise, wie sich das Verhältnis zu seinem wandelt. Das war traurig und irgendwie auch sehr schön. Gutes Buch.

Carolin Hagebölling: Ein anderer Morgen
„Ein anderer Morgen“ handelt von Eva, zwei Kinder, verheiratet mit Doppelhaushälfte, die sich in die Freundin ihres Chefs verliebt. Liest sich gut weg, kann aber nicht mit „Der Brief“ mithalten. Finde ich.

Ewald Arenz: Alte Sorten
Natürlich musste ich nach „Der letzte Sommer“ auch „Alte Sorten“. Es ist anders, handelt von zwei Frauen, die sich zufällig finden und eine Verbindung haben, die nicht viele verstehen. Sie haben beide ihre Geschichte, die die Leser*innen nach und nach kennenlernen. Was das Buch aber or allem bei mir ausgelöst hat: eine riesige Lust auf genau diesen Bauernhof. Birnensorten kennenlernen, Brot backen, Schnaps brennen, mit dem Traktor über die Felder, die Weinlese. Für sachdienliche Hinweise, wo ich den finde, bin ich dankbar.

Alena Schröder: Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid
Eines der Bücher, das ich nicht weglegen konnte und bis tief in die Nacht gelesen habe. Tolles Buch.

Elin Wägner: Die Sekretärinnen
Der Roman „Die Sekretärinnen“ von Elin Wägner ist bereits 1908 erschienen. In diesem Jahr ist er in einer deutschen Neuübersetzung herausgekommen und er ist aktueller denn je. Denn noch immer wird über die Chancengerechtigkeit von Männern und Frauen gestritten, noch immer gibt es so viele Frauen, die in Altersarmut leben. Das Buch hinterließ mich mit gemischten Gefühlen: Ich bin froh darüber, dass sich in den vergangenen 100 Jahren doch ein paar Dinge geändert haben. Ich bin begeistert, wie modern Elin Wägners Sprache bereits war (kann auch an der guten Übersetzung liegen). Ich ärgere mich, dass wir nicht schon viel weiter sind und das Modell „Heirat als Chance für materielle Sicherheit“ auch heute noch ein vielgewähltes ist.

Heinz Strunk: Es ist immer so schön mit dir
Die einen mögen es als große Kunst sehen, wenn Autoren Menschen schaffen, die man allesamt nicht mag. Heinz Strunk hat diese Gabe, die es mir nicht einfach macht, seine Bücher zu lesen und das ist vermutlich auch der Grund, warum ich dieses Buch gehört habe. Denn da gab es Strunks Stimme obendrauf und SEINE Interpretation dieses Textes. Trotzdem hatte ich immer wieder den Impuls, abzubrechen. Aber dann war da doch diese schlimme Faszination, dem Scheitern der Protagonisten beizuwohnen.

Sabine Asgodom: Queen of fucking everything – So bekommst du das großartige Leben, das zu dir passt
Eine lange Zugfahrt. Gibt bestimmt ein paar Menschen, die sich hier gut abgeholt fühlen.

Sabine Asgodom: So coache ich: 25 überraschende Impulse, mit denen Sie erfolgreicher werden
Nun ja. Auch gehört. Hab ich aus Coachingausbildungsgründen gehört. War sozusagen Teil meiner Ausbildung.

Hannah Bervoets: Dieser Beitrag wurde entfernt
Das Buch zu lesen, ähnelt einem Rausch. Immer tiefer wirst du in die seelischen Abgründe der Protagonist*innen hineingezogen. Und es wirkt nach. Welche Aufgaben haben Contentmoderator*innen für die Plattform, aber auch für die Gesellschaft? Machen sie soziale Medien erst sozial? Was tun wir dafür, dass es Menschen, die diese Aufgabe übernehmen, gut geht? Ein Buch, das nachwirkt.

Benedict Wells: Vom Ende der Einsamkeit
„Ich kenne den Tod schon lange, doch jetzt kennt der Tod auch mich.“ Schon der erste Satz ist so stark und war sicherlich auch einer der Gründe, warum ich dieses Buch mal wieder innerhalb eines Wochenendes gelesen habe. Ein großartiges Buch über das Erwachsenwerden, die große Liebe, was Familie ausmacht und machen kann, den Umgang mit Einsamkeit.

Oliver Burkeman: 4000 weeks
„In the long run, we are all dead.“ Es gibt tausende Selbstoptimierungsbücher, Ratgeber, wie wir ein besseres Leben führen. Und vielleicht war es genau dieser Satz, der mich dazu animierte, weiterzulesen. Zumal die ungefähr 4000 Wochen, die wir im Schnitt auf der Erde lebend verbringen, gar nicht mal so viel klingen. In zahlreichen Kapiteln erklärt uns Oliver Burkeman, warum und wie wir achtsamer mit unserer Zeit umgehen sollten, wenn wir sie sinnvoll nutzen wollen.

Anthony McCarten: funny girl
Was ist, wenn eine Londonerin mit kurdischen Wurzeln, mit Burka bekleidet als Comedian auftreten und Witze erzählt? Das ist die Geschichte von Azime. Ich mochte das Buch, auch wenn das Ende dann für mich irgendwie zu glatt läuft. Aber vielleicht ist das ja auch alles nicht immer so kompliziert, wie ich glaube. Könnte mir aber vorstellen, nochmal was von Anthony McCarten zu lesen.

Dror Mishani: Drei
Drei Frauen, die an den gleichen Mann geraten. Drei Schicksale. Eine Kriminalgeschichte und eigentlich meide ich solche Bücher. Trotzdem ist das Ende einigermaßen überraschend, auch wenn es auf eine Weise vorhersehbar war. Was das Buch aber ausmachte: Es war eines von denen, dass ich nicht weglegen mochte und innerhalb eines Tages durchgelesen habe.

Magdalena Rogl: Mitgefühl
In 14 Kapiteln plädiert Magdalena Rogl für Emotionen in der Arbeitswelt. Leicht zu lesen, gespickt mit persönlichen Erfahrungen.

Celeste Ng: Unsre verschwundenen Herzen
US-Bestseller. War ok.

Svenja Hofert: Hört auf zu coachen
Da ich mich ja durch meine systemische Coachingausbildung und der damit verbundenen zahlreichen Tools viel in Theorie und Praxis mit Coaching auseinandergesetzt habe, war das eine inspirierende Lektüre. Denn in der Praxis ist es nach meiner Ansicht nicht hilfreich, sich zu sehr an den Tools entlangzuhangeln, sondern sich eher voll und ganz auf den auf die Klienten einzulassen. Die Kunst des guten Coachings beruht darauf, gut zu erkennen, wo diese stehen und darauf passend zu reagieren. Das vermittelt das Buch ganz gut und bietet hier das eine oder andere Hilfsmittel.

Ewald Arenz: Das Diamantenmädchen
Berlin in den 20ern des vergangenen Jahrhunderts. „Das Diamantenmädchen“ ist Krimi und Liebesroman zugleich, es entführt in eine vergangene Zeit. Arenz bedient sich an Sprache und Lebensgefühl und ich habe das Gefühl, dass das alles sehr authentisch ist. Eine wirklich schöne Geschichte.

Natürlich waren auch wieder jede Menge Kinderbücher dabei.

David Walliams: Gangster-Oma
Es ist lustig, es ist traurig und handelt von pupsenden Omas, die gerne Kohl essen. Und von der Queen. Tolle Geschichte. Und sehr gut geeignet zum Vorlesen!

Bettina Göschl und Klaus-Peter Wolf: Die Nordseedetektive
Bisher haben wir zwei Teile gelesen: „Fahrraddieben auf der Spur“ und „Die Entführung“. Die sind sogar recht spannend erzählt – zumindest für 8-Jährige und machen mir sehr viel Lust auf Nordsee und Norden. Will dringend mal ins echte Café ten Cate.

Lasse und Maja
Hab den Überblick verloren, aber würde behaupten, dass wir jetzt alle Bücher der Reihe gelesen haben.

Und wenn du wissen willst, was ich in den vergangenen Jahren so gefeatured habe – hier die alten Ausgaben:
2021, 2020, 2019, 2018, 2013, 2012, 2011, 2010, 2009, 2008, 2007, 2006

11 spannende Erkenntnisse aus dem Digital News Report 2022

Einmal im Jahr erscheint der Digital News Report, eine groß angelegte Studie des Reuters Institute: eine Nabelschau, wie sich Journalismus, Vertrauen in Journalismus und Medienkonsum verändert. 164 Seiten ist diese Studie dick. Du kannst sie selber lesen. Ich habe es gestern getan und dir die aus meiner Sicht spannendsten Punkte zusammengefasst.

1. Vertrauen in Nachrichten ist auf dem Sinkflug. Am schlechtesten sieht es bei den untersuchten Ländern in den USA aus. In Deutschland ist es noch relativ hoch, auch wenn hier ein leichter Rückgang zu verzeichnen war. Öffentlich-rechtliche Medienmarken genießen das größte, die BILD das geringste Vertrauen.

2. Traditionelle Medien wie Fernsehen oder Papier werden noch weniger konsumiert. Diejenigen, die sich abwenden, wenden sich nicht im gleichen Maße Online-Medien oder Social Media zu. Das Interesse an Nachrichten geht grundsätzlich zurück. Über alle untersuchten Länder hinweg sinkt das Interesse von 63 Prozent in 2017 auf 51 Prozent in 2022. Auch in Deutschland mit seinem eher traditionelleren Medienverhalten lassen die traditionellen Kanäle Federn. Seit 2013 ist der Nachrichtenkonsum auf Papier von 63 Prozent auf 26 Prozent gesunken. Der TV-Konsum ging von 82 auf 65 Prozent zurück.

3. Die Zahl derer, die Nachrichtenkonsum aktiv vermeiden, steigt in vielen Ländern. 43 Prozent der Befragten sagen, dass es um zu viel Politik und Pandemie gehe, 36 Prozent, dass Nachrichten einen schlechten Effekt auf ihre Stimmung haben. 29 Prozent sagen, dass sie die Menge an News erschöpft. Glück gehabt: In Deutschland ist der Anteil der News-Vermeidenden (noch) vergleichsweise niedrig.

4. Der Ukraine-Krieg führt in Deutschland dazu, dass sich viele von Nachrichten abwenden. Gleichzeitig wurden Nachrichten vor allem am Fernseher verfolgt.


5. Die Zahlungsbereitschaft für Online-Nachrichten ist in Deutschland gestiegen – und liegt jetzt bei immerhin 14 Prozent. Das ist ein Sprung von fünf Prozentpunkten im Vergleich zu 2021. Damit ist man immer noch weit von Werten wie in Norwegen (41 Prozent) oder Schweden (33 Prozent) entfernt. Global betrachtet scheint in Sachen Zahlungsbereitschaft eine Sättigung einzutreten. Vor allem Jüngere zu überzeugen, scheint immer noch extrem schwierig. Der durchschnittliche Digitalabonnierende ist fast 50.

6. In Sachen Digitalabos profitieren eher große Marken. Die Zahl derer, die auch in Deutschland für einzelne Journalist*innen zahlen, ist gering.

7. Um Nachrichten zu konsumieren, nutzen die meisten ihr Smartphone und gehen dafür auf Social-Media-Plattformen, erst danach folgen Websites und Apps. Die Mehrheit will Nachrichten immer noch lesen, in Deutschland sind das 58 Prozent der Befragten. Insgesamt tendiert die jüngere Alterskohorte eher dazu, Nachrichten zu schauen. Die Textnutzung von Nachrichten ist in Mexiko mit 45 Prozent am geringsten. Die Gründe für die Textnutzung: Schnelligkeit, schlechtes Videoerlebnis, Kontrolle. Die Gründe für Videonutzung: einfach, ansprechend, bequem.

8. Facebook ist noch relevant, aber die junge Generation setzt auf visuelle Netzwerke. Global betrachtet sind Instagram, TikTok und Telegram die einzigen Netzwerke, deren Nutzung im vergangenen Jahr gestiegen ist. Für den Konsum von Nachrichten liegt Facebook immer noch vor Youtube, Whatsapp und Instagram.

9. Podcast werden in Deutschland beliebter. 29 Prozent der Befragten in Deutschland haben im vergangenen Monat einen Podcast gehört – am ehesten über Spotify und Youtube. Da steckt ein Wachstum von vier Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr drin.

10. 19 Prozent der Befragten für Deutschland sagen, dass sie in der vergangenen Woche News via E-Mail konsumiert haben – meistens von größeren Marken und News Outlets und weniger von Einzelpersonen. Interessant auch die Gründe für die Nutzung: 65 Prozent loben die Praktikabilität, 30 Prozent schätzen diverse Perspektiven, 28 Prozent den persönlichen Stil, 24 Prozent schätzen die Exklusivität der Inhalte.

11. Einzelne Journalist*innen spielen in der öffentlichen Wahrnehmung von Nachrichten eine eher untergeordnete Rolle. Wenn einzelne Namen genannt werden, sind die meist männlich und TV-Gesichter. Immerhin ist Marietta Slomka am populärsten. Auf Platz 2 und 3 folgen Claus Kleber und Peter Klöppel.

Dieser Text war Teil meines Newsletters, den du hier abonnieren kannst.

2021: Das Jahr in Büchern

In jedem Jahr ziehe ich ein wenig Bilanz: Was habe ich geschaut, gehört, woran habe ich gearbeitet, woran nicht? Was waren eigentlich die großen Themen in diesem Jahr. Und regelmäßig veröffentliche ich auch eine Liste der Bücher, die ich in diesem Jahr gelesen habe. Es waren weniger als im vergangenen Jahr. Was zum einen daran lag, dass ich mir in diesem Jahr aus bekannten Gründen wenig Zeit zum Lesen genommen habe bzw. ich oft nicht die Ruhe hatte, es zu tun. Und zum anderen habe ich viele Bücher zumindest zum Teil vorgelesen – ich muss sagen, da ich ahne, dass das irgendwann auch beim kleinen Sohn aufhört, genieße ich das sehr. Also los.

Carolin Hagebölling – Der Brief
Dieses Buch ist ein einziger Rausch. Die Autorin hat einen richtig guten Stil, der so mitreißt, ich konnte das Buch nicht beiseite legen. Das Ende lässt ein bisschen ratlos zurück, ich hätte mir da irgendwie mehr gewünscht, aber die Autorin hat mir auf Instagram geschrieben, dass das so sollte.

Daniel Schreiber – Allein
Nur gehört, aber dieser Essay hat mich extrem beeindruckt, wie präzise er Gefühlslagen beschreibt, über die ich mir selbst noch gar nicht so bewusst gewesen bin.

Isabel Bogdan – Mein Helgoland
Große Helgolandliebe, große Isabel-Bogdan-Liebe, tolles Buch. Und durch das Buch ist mal wieder James Krüss auf meine Mal-wieder-lesen-Liste gelangt. Hier steht noch ein bisschen mehr.

Vanessa Giese – Die Frau, die den Himmel eroberte
Schöner Erstling von Vanessa. Normalerweise nicht mein Genre, aber durchaus packend geschrieben und ich habe viel gelernt. Perfekter Stoff für einen ZDF-Epos.

Johanna Ardorjan – Ciao
Hier steht was dazu.

Juli Zeh – Über Menschen
Mein allererstes Buch, was ich von Juli Zeh gelesen habe, und es hat dazu geführt, dass ich meinen Sommerurlaub mit Juli Zeh verbracht habe. Ich mochte dieses Buch sehr gerne, hab lange drüber nachgedacht, ein paar Podcasts mit Zeh zur Entstehung des Buchs gehört. Schön.

Juli Zeh – Leere Herzen
War ok. Packend geschrieben und so, aber die Story hat mich nicht so gepackt.

Juli Zeh – Corpus Delicti. Ein Prozess
Das war toll. Richtig toll. Und wahnsinnig berührend und erschütternd. Wegen der Parallelen zu unserer Pandemielage, dem Umgang mit Themen wie der Impfpflicht usw.

Hengameh Yaghoovufarah – Ministerium der Träume
Wieder so ein Buch, was mich gefesselt hat und dafür gesorgt hat, dass ich es an einem Tag durchgelesen hatte. Tolle Dynamik, die dieses Buch entwickelt und covert das wichtige Thema, wie präsent der Nationalsozialismus heute immer noch in Deutschland ist. Das Buch zeigt, wie schwierig es für Geflüchtete ist, in Deutschland Fuß zu fassen und anerkannt zu werden. Es zeigt, wie unterschiedlich Frauen und Frauenbilder sind und das ist auch in 2021 noch erfrischend. Das Ende ist arg räuberpistolig.

Sophie Passmann – Komplett Gänsehaut
Ich hatte das Gefühl, ich muss es aus popkulturellen Gründen lesen. Habe dann aber gemerkt, dass es vermutlich nicht mehr meine Popkultur ist.

Bov Bjerg – Serpentinen
Große Bov-Bjerg-Liebe.

Noch nicht fertig, aber das kann sich nur noch um Tage handeln:

Maryanne Wolf – Schnelles Lesen, langsames Lesen: Warum wir das Bücherlesen nicht verlernen dürfen

Evke Rulffes – Die Erfindung der Hausfrau

Kinderbücher:
Wir haben viel probiert. Und seit dem Frühjahr lesen wir jeden Tag mindestens ein Kapitel in der Lassemaja-Detektivreihe. Ich mag diese Reihe aus mehreren Gründen: Sie ist wirklich für Lesemuffel geschrieben, denn jedes Kapitel endet mit einem richtig gutem Cliffhanger. Und ich mag, dass es völlig normal ist, dass hier ein Junge und ein Mädchen gemeinsam ermitteln und es völlig normal ist, dass hier keine geschlechtsspezifischen Vorurteile gespiegelt werden.
Das Weihnachtsbuch ist auch zu empfehlen – das Rätseln macht selbst Erwachsenen Spaß.

Und wenn du wissen willst, was ich in den vergangenen Jahren so gefeatured habe – hier die alten Ausgaben:
2020, 2019, 2018, 2013, 2012, 2011, 2010, 2009, 2008, 2007, 2006

Acht Erkenntnisse aus der ARD/ZDF-Onlinestudie

Die ARD/ZDF-Onlinestudie ist raus – eine der wichtigsten Studien, um zu verstehen, wie Menschen das Internet nutzen. Natürlich habe ich mir angeschaut, was sich in den vergangenen zwölf Monate getan, welche Veränderungen es gegeben hat. Die spannendsten Aspekte habe ich für dich hier zusammengefasst. Auf geht’s.

Erstens: Die Internetnutzung erreicht im zweiten Jahr der Corona-Pandemie neue Höchstwerte. Es wird wird für noch mehr Menschen zum Tagesbegleiter. Insbesondere die Zahl derjenigen, die mindestens einmal am Tag das Internet genutzt haben, ist gestiegen. Das liegt vor allem daran, dass die Älteren das Internet intensiver nutzen als bisher.

Zweitens: Wie nutzen die Menschen in Deutschland das Internet? Hauptkategorie ist die mediale Nutzung. Die Haupttreiber: Video-Streamingdienste, Musikhören über Streamingdienste und das Lesen von digitalen Artikel auf verschiedenen Plattformen. Die Bewegtbildnutzung erhält einen starken Schub, genauso wie die Audionutzung. 

Drittens: Das Comeback des Textes: In der Corona-Pandemie sind vielen Menschen Artikel oder Berichte im Internet wichtiger geworden. Besonders die Nutzung von „Artikeln im Internet bei anderen Anbietern“ hat hier zugelegt. Was sich dahinter wohl verbirgt?  Ebenfalls an Bedeutung gewonnen: Chatten oder Whatsapp und Videoangebote im Internet. 

Viertens: E-Mail und Newsletter: Die E-Mail ist nach wie vor bei allen Altersgruppen in täglicher Verwendung – ein Drittel der Bevölkerung ab 14 Jahren schreibt oder liest täglich private E-Mails. Viele Medienunternehmen ignorieren diese Form der digitalen Kommunikation immer noch: Gut jede Fünfte liest mindestens einmal wöchentlich Newsletter – nach Altersgruppen aufgesplittet ist die Nutzung bei den 30- bis 49-Jährigen mit 27% am höchsten, gefolgt von 50 bis 69 Jahren (25%). Aber auch bei den unter 30-Jährigen beziehen 17% wöchentlich einen Newsletter. Oder um es im Studiensprech zu sagen: „Der Kommunikationsweg über E-Mail, der schon vor Jahren immer wieder als angestaubt und in die Jahre gekommen bezeichnet wurde, und der Versand von Newslettern bei der privaten Nutzung bergen ein größeres Potenzial, als zu vermuten gewesen wäre.“

Fünftens: 83% der Menschen in Deutschland nutzen Messengerdienste – an Whatsapp geht hier immer noch kein Weg vorbei. Je jünger, desto eher ist auch mal ein anderer Messenger in Nutzung, wobei die Nutzung dann eher eine Erweiterung des Messengerportfolios ist als ein Ersatz für Whatsapp. 

Sechstens: 60% der Gesamtbevölkerung nutzt Social-Media-Kanäle. Hier gibt es natürlich große Unterschiede je nach Alter – bei den 14- bis 29-Jährigen liegt der Wert bei 91%, bei den 40- bis 69-Jährigen immer noch bei 45%. Die beliebtesten Netzwerke in der Gesamtbevölkerung in der täglichen Nutzung: Instagram vor Facebook (hat im Vergleich zu 2020 sogar zugelegt!) vor Snapchat  und Tiktok.

Siebtens: Wer mit U30 kommunizieren will, kommt an Instagram nicht mehr vorbei. 73% der 14- bis 29-Jährigen nutzen mindestens wöchentlich den Kanal. Spannend aber auch: Während die mediale Aufmerksamkeit vor allem auf tiktok liegt, ist Snapchat in der jungen Zielgruppe mit 44% (TikTok 32%) deutlich relevanter.

Achtens: Die Rolle von Facebook als täglicher Begleiter wird von Instagram übernommen, allerdings bleibt  Facebook ungeachtet der Nutzungsfrequenz  das am häufigsten genutzte Social-Media-Angebot bei der Bevölkerung ab 30 Jahren. Nur in der jungen Zielgruppe sinkt die Relevanz von Facebook weiter.

Fazit: Wer keine Strategie hat, mit seinen Zielgruppen digital zu kommunizieren, hat ein Problem. Wer seine Zielgruppen nicht kennt, auch. Passgenaue Kommunikation ist in der sich immer weiter diversifizierenden Medienwelt und der einhergehenden zunehmenden Flut an Inhalten unabdingbar. 

(Selber lesen? Viel Spaß!)

(Dieser Text war Teil meines wöchentlichen Newsletters. Hier kannst du ihn abonnieren!)

Die Kunst des guten Erzählens am Beispiel von Helgoland

Zum ersten Mal war ich als Mitglied der Theater-AG meiner Schule auf Helgoland. Wir sollten dort unser Stück aufführen – „Der Geizige“ von Molière. Danach folgten noch einige Besuche. Und nach jedem Besuch auf Deutschlands einziger Hochseeinsel fuhr ich mit dem Gefühl: War schön, aber ich muss wiederkommen. Weil sie so schön ist, ich fasziniert bin von der Leere, wenn die Tagesbesucher wieder in ihre Katamarane gestiegen sind, weil es dann doch noch so viel Unentdecktes gibt. Und nach der Lektüre von Isabel Bogdans neuem Buch „Mein Helgoland“ habe ich nun noch ganz viele andere Gründe gefunden, die Insel noch einmal zu besuchen.

“Mein Helgoland” ist eine Erzählung von Isabel Bodgan, die lange Zeit vor allem als Übersetzerin tätig war. Als sie vor einigen Jahren selbst einen Roman veröffentlichte, wurde der gleich zum zum Bestseller. (Sie ist zudem eine Bloggerin der ersten Stunde, aber das ist eine ganz andere Geschichte.) Bodgan erzählt über ihr Helgoland, das sie sehr stark mit dem Schreiben verbindet, denn dort verbrachte sie die eine oder andere Schreibzeit – allein und mit befreundeten Autor*innen. Und deshalb erzählt sie nicht nur von Helgoland, sondern auch vom Schreiben, worauf es ankommt, was ihr hilft, wie Romane und Geschichten entstehen. Das Allerschönste an dem Buch sind die Parallelen, die sie zieht, zwischen dem Geschichten erzählen, dem Schreiben und einem Besuch auf Helgoland. Was es für gutes Storytelling benötigt – auch hierfür liefert sie Inspiration.

„Schreiben ist auch eine Insel. Man ist allein mit dem Text, abseits von allem anderen, und man bleibt gedanklich auch dann, wenn man gerade nicht am Schreibtisch sitzt, immer irgendwie bei der Geschichte, bei den Figuren, bei dem Thema, mit dem man sich gerade befasst. Man findet im Alltag plötzlich Dinge, die man für den aktuellen Roman gebrauchen kann, man hält immer die Augen offen nach verwendbarem Material (…).“

Viele dieser unverwechselbaren Helgoland-Momente bringt sie mit dem Schreiben in Verbindung. Die Düne als Abschweifung, Nebenthema, die dadurch zum heimlichen Star der Geschichte wird. Sie verdeutlicht das am Besuch in den Bunkergewölben von Helgoland: „Für eine gute Geschichte muss man ebenfalls tief hinuntergehen, mitten rein ins Fundament. Dahin, wo die Verletzten und die Toten sind. Wo die Traumata sitzen. Man muss das nicht alles im Detail erzählen, aber als Autorin muss ich wissen, wie das Fundament aussieht. Ich muss wissen, in welchem tiefen Loch meine Figuren gesessen und sich zu Tode gefürchtet haben.“

Ein bisschen Unterstützung holt sie sich dabei von Helgolands berühmtestem Autor James Krüss, vor allem, wenn es um die Kunst des Erzählens geht und zitiert ihn wie folgt: „Kästner hat mir sehr viele Ratschläge erteilt, wie man Kinderbücher schreiben muss. Zum Glück habe ich keinen einzigen seiner Ratschläge befolgt. Denn jeder muss sich seine eigenen Rezepte machen.“

Zum Schluss findet Isabel Bogdan eine wunderbare Parallele zwischen dem drohenden Ende des Aufenthalts auf der Insel und der Frage, wann eine Geschichte eigentlich fertig ist. „Fertig ist man nie, man kann immer noch weitermachen, immer noch mal überarbeiten, etwas ergänzen, streichen, komplett ändern. Wann ist es fertig? Fertig ist immer auch eine Entscheidung (powered by deadlines).“

Hier kann ich wiederum Parallelen erkennen: Fertig werde ich mit Helgoland nie. Aber ich entscheide mich dafür, in das Schiff zu steigen und vorerst zurückzufahren. Genauso wie ich jetzt der Meinung bin, dass ich dir am Ende dieses Textes den Link zum Buch darreiche, den Fun-Fact, dass die Ärzte in der ersten Demofassung des Songs „Westerland“ Helgoland besungen haben und einen dazugehörigen Youtube-Beweis. Viel Spaß mit dem Ohrwurm.

(Dieser Text war in einer abgewandelten Version Teil meines Newsletters, in dem ich jede Woche Inspiration, Best Practice und Tipps und Tricks zur Digitalen Kommunikation verschicke. Hier kannst du ihn abonnieren.)

2020: Das Jahr in Büchern

Mittlerweile auch eine Tradition, dass ich einmal im Jahr drauf schaue, welche Bücher ich so gelesen habe. Deshalb hier auch ein paar Bücher, wie immer ohne Anspruch auf Vollständigkeit, besonders in der Rubrik Fachbücher, aber was soll’s.

Libby Page: Im Freibad

Thees Uhlmann: Die Toten Hosen

Katja Oskamp: Marzahn, mon amour: Geschichten einer Fußpflegerin

Philippa Perry: Das Buch, von dem du dir wünscht, deine Eltern hätten es gelesen
Tolles Buch über Erziehung, Kommunikation und allem drum und dran. Titel stimmt.

Rutger Bregmans: Im Grunde gut
Darüber habe ich ja hier und hier schon geschrieben. Mein Highlight-Buch des Jahres.

„>Elisabeth Wehling: Politisches Framing
Hier schon drüber geschrieben . Seitdem antworte ich auf die Frage: „Und was muss man für die Corona-Impfung zahlen?“ Steuern.

Ian McEwan: Die Kakerlake
Hier schon drüber geschrieben. Das Buch hat mich inspiriert, mal wieder Kafka zu lesen.

Franz Kafka: Die Verwandlung
Siehe oben.

Christine Thürmer: Laufen. Essen. Schlafen. Eine Frau, drei Trails und 12700 Kilometer Wildnis
Das habe ich gehört und fand es insofern extrem bereichernd, weil ich seitdem dann auch verfolgt habe, wie Thürmer im Corona-Jahr durch Europa gelaufen ist und dabei auf Instagram so viele schöne Fotos geteilt hat, dass ich da jetzt auch überall hinmöchte und auf meiner Bucketlist des Lebens nun auch eine Alpenüberquerung steht.

Karsten Dusse: Achtsam morden
Das Buch hätte ich vermutlich so nicht gelesen, aber es wurde mir von meiner Fortbildungskollegin empfohlen. Jetzt habe ich hier noch den zweiten Teil liegen.

Im November habe ich Meg Wolitzer: Die Zehnjahrespause
Ich mag Meg Wolitzer. Dieses Buch handelt davon, was sich im Leben verändert, wenn Frauen Kinder bekommen. Es wirft einen Blick auf die Vielschichtigkeit und darauf, dass jeder Weg, den eine Frau dann geht der richtige ist, solange er für sie passend ist.

Ein paar Kinderbücher waren auch noch dabei:
Wir haben viel Zeit mit Snöfrid verbracht, einem mürrischen Wesen, das eigentlich immer nur „Mmh“ sagt und dabei ziemlich viele Dinge meint, was die anderen Wesen erstaunlich häufig richtig verstehen.
Andreas H. Schmachtl: Die ganz und gar unglaubliche Rettung von Nordland (Snöfrid aus dem Wiesental #1)

Andreas H. Schmachtl: Die ganz und gar unglaubliche Reise zu den Nebelinseln (Snöfrid aus dem Wiesental #2)

Andreas H. Schmachtl: Das ganz und gar fantastische Geheimnis des Riesenbaums (Snöfrid aus dem Wiesental #3)

Andreas H. Schmachtl: Die ganz und gar unglaubliche Suche nach den drei Siegeln (Snöfrid aus dem Wiesental #4)

Andreas H. Schmachtl: Das wahrlich sagenhafte Rätsel der Trolle

Timo Parvela: Ella in der Schule
Bei diesem Buch habe ich ziemlich häufig gelacht, was bei nicht vielen Kinderbüchern gelingt. Ich hoffe sehr, dass ich den Sohn überzeugen kann, die anderen Teile von Ella ebenfalls zu lesen.

Erich Kästner: Emil und die Detektive
Wahnsinn, dass ich den Kinderbuchklassiker erst jetzt lese. Und Wahnsinn, wie aktuell Kästner immer noch ist, selbst 100 Jahre nach Ersterscheinung.

Und wenn du wissen willst, was ich in den vergangenen Jahren so gefeatured habe – hier die alten Ausgaben:
2019, 2018, 2013, 2012, 2011, 2010, 2009, 2008, 2007, 2006

Inspirieren wie Kafka

Ich bin in meiner Sommerpause, war an der Nordsee, um etwas genauer zu sein, mitten im Grün. Wenn ich aus dem Küchenfenster schaute, sah ich ein Kornfeld, Weizen um genau zu sein. In der Ferne sah ich den Deich und manchmal fuhr dort ein „Turm“ vorbei, der zu einem der großen Schiffe gehörte. Für mich war das in diesem Jahr nicht nur ein Sommerurlaub, sondern auch eine Reise zurück in die alte Heimat, denn hier habe ich meine Jugend verbracht, Abitur gemacht.

Apropos Abitur, mein Deutsch-Abitur habe ich über Franz Kafka geschrieben, den ich in den vergangenen Wochen wiederentdeckt habe. Grund: Nachdem ich im Buchladen gehört hatte, dass dort das Buch „Die Kakerlake“ von Ian McEwan empfohlen wurde, in dem eine Kakerlake in den Körper des britischen Premierministers Jim Sams schlüpft, um mal eben das Wirtschafts- und Gesellschaftssystem umzudrehen. Wer Satiren mag, wer wissen will, wie die Kakerlake das anstellt und welche Rolle die deutsche Bundeskanzlerin dabei hat, dem empfehle ich die Lektüre.

Du ahnst nun vermutlich bereits, was das ganze mit Kafka zu tun hat. Denn vor knapp 100 Jahren ist „Die Verwandlung“ erschienen, in der ein junger Mann namens Gregor Samsa sich in einen Käfer verwandelt und das Leben seiner Familie sagen wir mal vorsichtig ziemlich durcheinander bringt.

Was mich nach der Lektüre so beeindruckt hat? Vor allem die Kraft, die ein 100 Jahre altes Buch noch haben kann, so dass selbst Autoren wie Ian McEwan diese in ihren aktuellen Werken huldigen. Die Aktualität, denn Kafka spricht Dinge an, die uns natürlich auch heute noch beschäftigen und die durch die Corona-Krise aktueller denn je erscheinen. Welche Rolle spielt Familie in deinem Leben? Was ertragen wir, weil Familienmitglieder hinter bestimmten Handlungen stecken? Welche Rolle spielt Arbeit in deinem Leben? Welche Werte sind dir wichtig und wie sehr vertrittst du sie auch sichtbar?

Eine Frage beschäftigt mich seitdem besonders: Wäre es nicht ebenso faszinierend, wenn es dir gelingen könnte, heute einen Inhalt zu erschaffen, ein Produkt, das deine Nachfahren noch in 100 Jahren inspiriert? Oder müssen wir das auch dann noch Kafka überlassen?

Dieser Text ist zuerst in einer abgewandelten Version in meinem Newsletter erschienen. Abonniere ihn hier.