So waren die Goldene Blogger 2021

Teresa Bücker ist Bloggerin des Jahres

Rund 2.000 Einzelvorschläge aus der Community, mehr als 26.000 Menschen, die beim Online-Voting mitmachten, fast 8.000 Zuschauer*innen im Livestream, 20 glückliche Gewinner und Nominierte, die zwar nicht gewannen, sich aber trotzdem freuten, plus ein ausgewachsener Shitstorm. Die 14. Verleihung der Goldenen Blogger war in vielerlei Hinsicht eine ganz Besondere. Gesendet aus dem Green-Screen-Studio, keine Nominierten vor Ort – nur unser kleines und das Technik- und Kommunikationsteam der Deutschen Post DHL.

Ich könnte jetzt eine lange Liste der Highlights teilen, die ich an diesem Tag erlebte. Alleine das Erlebnis, mal wieder unter so vielen Menschen zu sein – getestet, mit Maske und auf Abstand, aber immerhin. Aber ich möchte jetzt darüber schreiben, was mich gestern am allermeisten faszinierte und inspirierte: Die Leidenschaft der Nominierten und Gewinner*innen: Blogger*in des Jahres, Teresa Bücker setzt sich seit Jahren dafür ein, dass sich die Rolle von Frauen, Müttern und Kindern verändert. Das Team von „Bruchstücke“ möchte einen Beitrag leisten, um den Wandel in der Welt konstruktiv zu gestalten.

Leidenschaft sorgt dafür, dass selbst Themen, die den Ruf haben, für die Masse nicht kommunizierbar zu sein, eben doch ein Publikum erreichen können – mit guten Ideen und ein paar Kniffen: “Wir wollten unsere Marke emotionalisieren und menschlich sein. Wir wollen auf Twitter mit einer anderen Emotionalität rausgehen. Damit wollen wir rausbringen, dass wir durchaus wichtige Dinge tun, gerade im letzten Jahr“, sagte der DB-Cargo-Vertreter bei uns im Livestream. 

Ebenfalls wurde klar, wie wichtig die Community bei all diesen Projekten wirklich ist. Gemäß der Regel „Was dir gut tut, tut anderen (vielleicht) auch gut und andersrum“. Ich war total gerührt, als ich sah, dass Schauspielerin Elena Uhlig in ihrem Kölner Hotelzimmer nicht nur für einen passenden Hut und Hintergrund gesorgt hatte, nein, sie streamte die Verleihung parallel über ihr Smartphone an ihre eigene Community und ließ diese so an den Erlebnissen im Backstage-Zoomcall teilhaben. „Ich bin Künstlerin, um Menschen zu unterhalten – ich mache das, was ich tue, um Menschen zum Lachen zu bringen. Ich bekomme auch viele positive Rückmeldungen, das hilft einem sehr durch diese Zeit“, ließ sie uns wissen. Wie wichtig die eigene Zuhörerschaft ist, wurde auch bei der Aussage der Macher des Podcasts „Geschichten aus der Geschichte“ deutlich: „Jede Woche eine Geschichte zu erzählen, dafür ist unsere Community ein ganz großer Antrieb!“ 

In diesem Zusammenhang freue ich mich auch darüber, dass uns Deutsche Post DHL, Facebook, Xing, Mumm und Godaddy in diesem Jahr unterstützt haben: Jede*r Nominierte konnte so eine Dinner-Box erhalten mit Gala-Dinner, Getränken seiner Wahl, Keksen, ja selbst ein Katerfrühstück war so drin plus Goldene-Blogger-Briefmarken. Und beim Nominierten-Dinner im Vorfeld auf Wonder.me hatten alle nicht nur Verpflegung, sondern auch gleich das erste Smalltalkthema als Eisbrecher.

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Leidenschaft hat aber bekanntlich nicht nur gute Seiten. Sie kann zum Beispiel dazu führen, dass man den Blick auf das große Ganze verliert. Dass man zum Beispiel nicht mehr in der Lage ist, andere Positionen wahrzunehmen, bzw. auf Gegenpositionen mit Hass, Beleidigungen und Hetze reagiert. Für den Kontext: Die Nominierung des Bocholter Landschwein in der Kategorie „Berufsbotschafter*in“ gefiel nämlich nicht jedem und die Reaktionen darauf wiederum nicht den Anhängern des Landschweins. Ein konstruktiver Diskurs ist dann nicht mehr möglich, Veränderungen schon gar nicht. Unser offizielles Statement, das Thomas‘ in der Show vorgetragen hat, könnt ihr hier nachlesen.

Umso mehr freut mich, dass sich viele der Preisträger*innen dennoch für ihre (gute) Sache einsetzen so wie die Newcomer-Gewinner*innen Rosamag, Rice and Shine, Mailab oder Katja Scherers „Wirtschaft in Afrika“.

Ein weiser Mann namens Georg Wilhelm Friedrich Hegel soll mal gesagt haben: „Nichts wirklich Wichtiges ist ohne Leidenschaft erreicht worden.“ Und das Internet ist dafür eben auch ein guter Ort.

Und so wird es wohl auch 2022 wieder eine Ausgabe der Goldenen Blogger geben. Hoffentlich mit allen Nominierten vor Ort und Party danach. Es wird schließlich eine Jubiläumsausgabe werden.

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Weitere Reaktionen
Was Thomas Knüwer schreibt
Was DWDL schreibt
Was der Bayerische Rundfunk schreibt
Unsere Pressemitteilung beim Tagesspiegel


Die Goldenen Blogger 2021 – alle Preisträger im Überblick

Blogger*in des Jahres

  • Teresa Bücker
  • Newcomer*in des Jahres

  • RosaMag
  • Bester Einzelbeitrag

  • Joachim Leitenmeier: Ich bin ja kein Rassist, aber halt schon
  • Ludger Wess: Wir brauchen die Kartoffelwende
  • Minh Thu Tran und Vanessa Vu: Hamburg 1980 – Als der rechte Terror wieder aufflammte
  • Beste(r) Blogger*in ohne Blog

  • Joko und Klaas für ihre „15 Minuten“ bei ProSieben
  • Bestes Nischen- oder Themenblog

  • Wirtschaft in Afrika
  • Bester Podcast

  • Geschichten aus der Geschichte
  • Bester Instagram-Account

  • Museum of Deutschland
  • Bester Twitter-Account

  • DB Cargo
  • Bester TikTok-Account

  • Elisa Valerie
  • Bester Social-Media-Account einer Celebrity

  • Die Maus auf Instagram
  • Bestes Wissenschaftsblog

  • Methodisch Inkorrekt
  • Beste(r) neue(r) Medienmacher*in

  • Sportfrauen.net
  • Beste(r) Lockdown-Tröster*in

  • Discovery Panel und ihr Quarantäne-Qast
  • Beste(r) Berufsbotschafter*in

  • 5_sprechwunsch
  • Beste Comedy

  • Hazel Brugger
  • Bestes Politik-Blog

  • Hinterzimmer-Politik
  • Sonderpreise

  • Mailab
  • NDR Coronavirus Update
  • Warum Journalismus so anfällig für Desinformationsstrategien ist

    In einer der letzten Ausgaben des Corona-Virus-Updates sprach Charité-Professor Christian Drosten mal nicht nur über die neuesten Erkenntnisse zum Thema Impfen und Co., sondern ging auch auf die Rolle von Medien und Journalist*innen ein, die in der derzeitigen Situation nicht immer nur eine rühmliche ist. Seiner Meinung nach trügen Medien einen großen Teil dazu bei, dass in Deutschland „Grundprinzipien der Wissenschaftsleugnung“ zu erkennen seien. (Denkt in den Redaktionen eigentlich noch jemand nach, wenn dort „Stramme Notbremse verhindert“ in die Dachzeile geschrieben wird?). Ich fand es einigermaßen erstaunlich, dass ein Virologe im Podcast die PLURV-Strategien zur Desinformation erläutert.

    Nun ist das vor allem Drostens Eindruck, doch dieser hat natürlich eine Berechtigung, wenn man sich die unterschiedlichen Strategien einmal genauer anschaut und einordnet, wie anfällig Journalist*innen für diese Form von Einflussnahme sind. (Was (Krisen-)Kommunikatoren natürlich auch in allen möglichen Kontexten nutzen). Aber der Reihe nach und Buchstabe für Buchstabe in PLURV erklärt:

    P steht für Pseudoexperten: Eine unqualifizierte Person wird als Experte hinzugezogen.
    Warum Journalist*innen hier anfällig sind: Um den Vorwurf der einseitigen Berichterstattung vorzubeugen, sollen möglichst alle Seiten eines Problems dargestellt werden und viele Perspektiven gezeigt werden. Problematisch wenn Minderheits- bzw. nicht wissenschaftlich gestützte Meinungen hier auf gleicher Höhe präsentiert werden. Das ist umso verlockender, weil steile Thesen häufig überraschender sind und im Online- und Social-Media-Zeitalter so leichter Aufmerksamkeit bringen.

    L steht für Logikfehler: Argumente sind bei näherer Betrachtung unlogisch.
    Warum Journalist*innen hier anfällig sind: Einfache Worte, verständliche Argumente, Zuspitzung das wollen die Leser*innen, Zuhörer- und Zuschauer*innen – das kann zu Lasten der Korrektheit gehen. Personalisierung ist ein gern verwendetes Mittel, um komplexe Sachverhalte darzustellen (Gefahr der Ad-Hominem-Argumentation), Analogien können irreführend sein, mehrdeutige Begriffe können anders interpretiert werden.

    U steht für unerfüllbare Erwartungen: zum Beispiel an die Wissenschaft.
    Warum Journalist*innen hier anfällig sind: Ein aktuelles und vor allem relevantes Thema bringt Aufmerksamkeit, Klicks, Traffic, Abos, also braucht es immer wieder neue Drehs, Wendungen, Argumente. Wissenschaftler*innen können im Fall der Corona-Pandemie nur gebetsmühlenartig wiederholen, was die geeignete Maßnahmen sind. Doch der immer gleiche Hinweis auf AHA-Regeln und Co. bringt ebendiese Aufmerksamkeit nicht.

    R steht für Rosinenpickerei: Informationen werden bewusst lückenhaft ausgewählt, so dass sie die eigene Position zu stützen scheinen.
    Warum Journalist*innen hier anfällig sind: Auch hier kommen wirtschaftliche Interessen zum Tragen – verkürzt: je besser die Geschichte, desto mehr Aufmerksamkeit, desto mehr Umsatz.

    V steht für Verschwörungsmythen: Geheimbünde, Komplotte, abstruse Zusammenhänge werden konstruiert.
    Warum Journalist*innen hier anfällig sind: Im Kampf um Aufmerksamkeit werden immer wieder neue Drehs, neue Aspekte gesucht – Hauptsache die Story stimmt. Zudem: In vielen Redaktionen gilt das Credo bei Geschichten um eine Person: Auch keine Reaktion ist eine Reaktion. Menschen, die hier nicht so erfahren im Umgang mit Medien sind, können hier ganz schnell in Ecken gestellt werden, in die sie ganz und gar nicht reingehören.

    Warum ich das aufschreibe? Weil ich hoffe, dass sich Journalist*innen gerade jetzt ihrer Verantwortung bewusst sind, auch wenn sie monetäre Interessen verfolgen.

    Grafik kennst du, oder?

    Dieser Text war Teil meines wöchentlichen Newsletters. Hier kannst du ihn abonnieren.

    Quelle: Internet – oder: Wie medienkompetent bist du?

    Wie gut können Menschen selber einschätzen, ob ein Post bei Facebook von einer vertrauenswürdigen Quelle kommt? Wie gut können sie unterscheiden, ob sie es mit einer Nachricht. einem Kommentar oder gar Werbung zu tun haben? Diese und weitere Fragen zur Medien- und Nachrichtenkompetenz hat die „Stiftung Neue Verantwortung“ mit Hilfe eines dafür konzipierten Tests untersucht und ist zu erstaunlichen und durchaus beunruhigenden Ergebnissen gekommen (Den Test kannst du hier übrigens selbst mal machen – schreib mal in die Kommentare, was bei dir herausgekommen ist!):

  • Mehr als die Hälfte der Teilnehmenden hält ein Advertorial für eine Information und gerade einmal 7 Prozent erkennen den Hinweis „Advertorial“ als Werbekennzeichnung auf einem Nachrichtenportal.
  • Ein Drittel hält einen Kommentar für eine tatsachenorientierte Berichterstattung.
  • Immerhin 35 Prozent erkennen nicht, dass ein Geschäftsführer eines Flugreiseportals bei seiner Berichterstattung über Flugreisen evtl. einen Interessenkonflikt haben könnte.
  • Nur 50 Prozent der Befragten weiß, dass Nachrichten über einen Bundesminister ohne die Genehmigung des Ministeriums veröffentlicht werden dürfen.
  • Nur die Hälfte der Befragten weiß, dass Bundestagsabgeordnete nicht darüber entscheiden, worüber der öffentlich-rechtliche Rundfunk berichtet.
  • Bei 46 Prozent derjenigen, die den Test gemacht haben, liegt die digitale Nachrichten- und Informationskompetenz im (sehr) geringen Bereich – wobei Jüngere tendenziell kompetenter sind als Ältere, auch die politische Grundhaltung ist hier ein entscheidender Faktor: Die besten Ergebnisse erzielen FDP- und Grünen-Anhänger*innen, die schlechtesten AfD-Sympathisanten.
  • Liest man das alles, bleibt auch für die Studienmacher*innen nur ein Fazit: Es gibt viel zu tun. Drei Punkte werden hier vor allem genannt: eine bessere digitale Schul- und Erwachsenenbildung (oh well), mehr Transparenz im Journalismus (und mehr transparenten Journalismus) sowie bessere Plattformarchitekturen und klarere Kennzeichnungen.

    Doch ein paar Fragen bleiben noch unbeantwortet und auch ich habe da derzeit noch keine befriedigenden Antworten gefunden: Wie erreiche ich die Erwachsenen und vor allem die Älteren (noch)? Und wie vermittle ich, dass Kompetenzen fehlen bzw. Defizite vorliegen und dass es ein Gewinn wäre, diese Lücken zu schließen? Gutes Storytelling ist hier sicherlich hilfreich und ein solcher Test ist wohl keine schlechte Idee. Besser wäre es, direkt im Anschluss Angebote zu erhalten, die eigenen Kompetenzen zu verbessern.

    Also: Wer hat Interesse, seine Medienkompetenz zu verbessern? Ich helfe gern – einfach Mail schreiben! :)

    (Der Text war Teil meines wöchentlichen Newsletters. Hier kannst du ihn abonnieren.)

    Die Nominierten für die Goldenen Blogger 2021 oder Kommt, lasst uns schöne Dinge angucken

    „Kommt, lasst uns schöne Dinge angucken“, diesen Satz schrieb eine ehemalige Kollegin von mir am Montagabend auf Twitter und sprach damit genau meine Gefühlslage an, wenn ich an die kurzen Nächte der vergangenen Wochen dachte. Denn obwohl es natürlich jedes Mal ein Riesending ist, rund 2000 Vorschläge zu sichten, sind es doch oft schöne Dinge, die Daniel, Thomas, Feli und ich da zu Gesicht bekommen haben.

    Wer werden die Goldenen Blogger 2021? Diese Frage wird am 26. April 2021 entschieden – diesmal zwar nicht per Gala und ausgiebiger After-Show-Party in Berlin, sondern per virtuellem Pre-Dinner und Gala aus Bonn. (Hier kannst du dich schon mal für die Gala anmelden!)

    In 16 Kategorien werden in diesem Jahr die Preise verliehen, plus zwei Sonderpreisen an das NDR Coronavirus-Update und die Wissenschaftsjournalistin Mai Ngyuen-Kim für ihren Youtube-Kanal „Mailab“. Die Pressemitteilung zitiert mich wie folgt: Wer wollte, war in Deutschland über die Pandemie so gut informiert wie in keinem anderen Land. Das verdanken wir diesen beiden herausragenden Formaten.
    Und wie in jedem Jahr gab es beim Sichten der unterschiedlichen Projekte viel zu entdecken – das ist wirklich jedes Mal das allerschönste und wenn hier irgendwer nochmal behauptet, dass Blogs tot sind, der hat wirklich keine Ahnung.

    Hier ein paar Gedanken zu der diesjährigen Shortlist.

    Neue Kategorien

    In jedem Jahr machen wir uns viele Gedanken, welche Kategorien wir vorgeben wollen und schmeißen diese meistens dann doch nochmal um. Denn mit den Kategorien wollen wir jedes Jahr auch bestimmte Trends abbilden – die das Jahr geprägt haben. Lockdown-Tröster ist beispielsweise so eine Kategorie. Und beim Sichten der vielen Vorschläge entdecken wir alle dann immer noch weitere Trends: Comedy war so einer in diesem Jahr, Politik haben wir so wiederentdeckt. Ein paar Klassiker sind aber in jedem Jahr dabei: Newcomer*in, Einzelbeitrag und Blogger*in des Jahres.

    Wissenschaft wird auf populären Kanälen sichtbar

    Deshalb gibt es in diesem Jahr eine eigene Rubrik dafür, unter den Nominierten der „Blogger*in des Jahres“ befindet sich der renommierte Wissenschaftsjournalist Lars Fischer. So viel Wissenschaft war wirklich noch nie. Und wie toll lässt sich eigentlich die Schönheit von Mathematik vermitteln?

    Medizin und Pflege ebenfalls

    Wir haben so viele – auch neue – kreative Projekte in diesem Bereich angeschaut. Und auch wenn es nicht viele auf die Shortlist geschafft haben, hier tut sich gerade wirklich viel und das vor allem auf tiktok. Sanitäter auf tiktok – noch so ein Hype.

    Trend Berufsbotschafter

    Beinahe den größten Spaß hatte ich beim Sichten der Vorschläge in dieser Kategorie – und das lag vor allem daran, dass ich hier viele Projekte neu entdecken konnte (Das Bocholter Landschwein!). Und auch hier überrascht es nicht, dass zwei der nominierten Projekte auf tiktok beheimatet sind. Und DB Cargo auf Twitter passt hier auch irgendwie ein bisschen dazu.

    Politik wird endlich auch für jüngere Zielgruppen toll erzählt

    Die Journalistin und Moderatorin Eva Schulz war hier mit „Deutschland3000“ eine der Pionierinnen, aber auch hier gibt es auf vielen Plattformen tolle neue Projekte, die zeigen: Politik kann verständlich und konstruktiv vermittelt werden!

    Podcasts helfen uns durch diese schwierige Zeit

    In diesem Jahr sind in vielen der Kategorien wahnsinnig tolle Podcast-Projekte nominiert und ich behaupte einfach mal: so viele wie noch nie zuvor. Ich bin fest davon überzeugt, dass auch das ein Corona-Phänomen ist. Von Max-Jacob Ost, über Rice&Shine, Geschichten aus der Geschichte, Apokalypse&Filterkaffee, die Realitäter*innen , das Discovery Panel oder Hazel Brugger.

    Es gibt mittlerweile so viele tolle und kreative tiktok-Kanäle

    Ja, sagte ich schon, aber irgendwie muss ich jetzt doch nochmal loswerden, Fan von Iris Gavric und Matthias Renger zu sein. Und von Vica Reich und Elisa Valerie sowieso. Und den anderen auch. Herrjeh.

    Die Preise werden wie in jedem Jahr per Online-Voting und unserer Goldenen Blogger Akademie vergeben, die aus den Gewinner*innen der vergangenen Jahre bestehen. Sprich: Du kannst entscheiden, wer das Ding nach Hause bekommen soll.

    Nicht zu vergessen: Es gibt ein paar Unternehmen, die uns dabei helfen, auch in diesem Jahr für alle Nominierte einen besonderen Abend zu gestalten: Deutsche Post DHL, Xing, Mumm – und in den nächsten Tagen gibt es hier bestimmt noch ein Update.

    Du willst die gesamte Shortlist sehen? Dann empfehle ich dir unsere Webseite.

    In der Pandemie leidet das Netzwerk der meisten – aber du kannst etwas dagegen tun

    Wie geht es dir? Wann wurdest du das in den vergangenen Tagen so gefragt? Und wann hattest du die Gelegenheit, offen und ehrlich und nicht nur mit einem „Muss ja“ zu antworten?

    Dabei ist diese Form von persönlichem Austausch wichtig und ein elementarer Faktor, wie wir Beziehungen halten und pflegen können. Auch jetzt, wo wir uns nicht bei irgendwelchen Veranstaltungen begegnen können. auf denen wir lose Kontakte auffrischen können. Im „Harvard Business Review“ schreibt Marissa King, wie sich die Pandemie auf unsere beruflichen und persönlichen Netzwerke auswirkt: Laut Studien hat sich das berufliche und private Netzwerk um ca. 16 Prozent oder ungefähr 200 Personen verkleinert.

    Warum? Weil wir unsere Aufmerksamkeit eher auf die Stärkung der Beziehung zur eigenen Familie, engen Freunden und engen Kollegen gerichtet haben. Darunter leiden andere Kontakte, die aber gerade dann nützlich sein können, wenn es um Kreativität, neue Jobs oder den nächsten Karriereschritt geht. Ein spannender Aspekt: Die Netzwerke von Frauen leiden nicht so sehr wie die von Männern, da sie häufig anders netzwerken. „Instead of talking, men „do things together.“

    Die Lösung? Jetzt verstärkt auf die Wiederherstellung loser Verbindungen fokussieren. Ihr Rat: „Make a list of three people you haven’t seen in a while and reach out. Your day will be better and your work will benefit.“

    Der Tipp ist natürlich sehr hilfreich und ich würde mich freuen, wenn allein die Lektüre dieses Textes dazu führt, dass auch du diese Liste angehst und Termine machst. Zum Telefonieren oder vielleicht ja sogar zum Spazierengehen. Und ich möchte Marissa Kings Rat gerne um einen weiteren Gedanken ergänzen: Digitale Kanäle wie Newsletter, Social Media und Co. können dich dabei unterstützen, mit Menschen in Kontakt zu bleiben. Wenn du sie nicht nur zum Senden von Botschaften, sondern als echtes Kommunikationsinstrument nutzt.

    (Dieser Text war Teil meines Newsletters. Hier kannst du ihn abonnieren.)

    Woran ich denke, wenn ich zu lange auf Clubhouse war

    Am Samstag bin ich auf Instagram auf die App „Clubhouse“ aufmerksam geworden und diese App hat mich am Wochenende dann doch ziemlich beschäftigt.

    Clubhouse?

    Clubhouse ist eine audiobasierte App, auf der du dich ziemlich einfach mit allen möglichen Menschen zu kleinen Gesprächen, größeren Diskussionsrunden oder anderen Livetalks treffen kannst. Du kannst, wie in einer Fishbowl, Menschen aus der Runde aufs „Podium“ holen“ oder auch einfach alle wild diskutieren lassen. Seit Samstag wächst die Zahl der deutschsprachigen Nutzerinnen und Nutzer – wobei die App bisher nur auf iOS-Geräten verfügbar ist und der Hype sich zusätzlich verstärkt, weil jeder immer nur zwei Menschen dazu laden kann und das auch nur funktioniert, wenn du mal eben deine Kontakte freigibst.

    Es gibt mittlerweile ziemlich viele Artikel, Meinungen und Empfehlungen zu dieser App, die auf das Für und Wider eingehen. Und bei all den negativen Seiten, die diese App hat (z.B. grenzt sie große Personengruppen aus, Datenschutz ist ein Problem etc.), trifft sie den Nerv der Zeit: Zufällige Begegnungen, nach denen wir uns wieder sehnen, überhaupt Begegnungen, macht sie auf unkonventionelle Art und Weise möglich, Smalltalk, ich fühle mich dort ein bisschen wie auf einem Schulhof, auf dem Grüppchen zusammenstehen und ins Gespräch kommen. Manchmal gibt es dort tiefe Gespräche, manchmal aber auch nur Herumgealber oder belangloses Zeug.

    Aber darum soll es eigentlich gar nicht gehen.

    Denn ich möchte teilen, dass die Beschäftigung mit der App mir noch einmal klar machte, warum ich zwar zahlreiche Podcasts höre, warum ich Audio manchmal sehr schätze und manchmal auch wieder gar nicht.

    Denn: Audio bremst. Das ist gut: Endlich mal ein bisschen langsamer, sich wirklich auf eine Sache konzentrieren! Es ist aber dann nicht gut, wenn es schnell gehen muss oder ich eine Information nicht erst in drei Stunden, sondern möglichst schnell haben möchte. Das Gefühl habe ich übrigens oft bei langen Podcasts (Die aktuelle Folge Drosten ist auch schon wieder länger als eine Stunde!). (Und auch bei Clubhouse, denn dieses Herumwandeln, hier ein bisschen Quatschen, da mal ein bisschen Zuhören – das kostet Zeit, die gerade jetzt mit den Herausforderungen zwischen Job, Homeschooling und Co. sorgfältig verteilt werden will.)

    Und da wären wir auch schon bei dem kleinen Gedanken, den ich in dieser Woche mit dir teilen wollte und der mir durch den Clubhouse-Hype bewusst wurde: Text kann oft auch echt super sein. Schnell, scanbar, asynchron – um nur einige Vorteile zu nennen.

    (Der Text war Teil meines wöchentlichen Newsletters. Hier kannst du ihn abonnieren.)

    Wir suchen die Goldenen Blogger 2021!

    Die Verleihung der Goldenen Blogger 2019 am 9. März war meine letzte große Veranstaltung. Ich erinnere mich noch an die Tage davor und unsere Diskussionen: Können wir das noch machen? Und ich erinnere mich an den Morgen danach, als wir in Tegel am Gate saßen, müde, aber voller Adrenalin und mit uns nur wenige andere warteten, weil wir eben schon mitten in der Pandemie waren. Nun, knapp ein Jahr später, sind wir startklar: Wir suchen wieder die Goldenen Blogger! Diesmal die Goldenen Blogger 2021, denn da die Verleihung erst im April stattfinden wird und es vermutlich niemand mehr verstehen würde, wenn wir dann immer noch mit dem Jahr 2020 herumhantieren und das Jahr 2020 bei vielen ja eh nicht soooo super Assoziationen weckt, suchen wir als die Goldenen Blogger 2021.

    Blogger? 2021? Ernsthaft?

    Erst vor ein paar Monaten sprach ich mit Moritz Meyer für eine Kolumne zu genau diesem Thema: Blogger – ist das denn noch zeitgemäß? Ich finde: Auch wenn sich in den vergangenen Jahren viel geändert hat – neue Plattformen sind entstanden, diejenigen, die die Plattformen nutzen, tun dies nicht mehr nur aus dem Lass-mal-was-probieren-Gefühl heraus, sondern verfolgen dabei meist ernsthafte Ziele, ja, bauen gar Unternehmen auf: Aber diese Technik des Bloggens, die lebt.

    Eine Preisverleihung in der Pandemie?

    Wir hätten natürlich sooo gerne wieder mit euch allen bei Microsoft in Berlin gefeiert. Für uns stand ziemlich schnell fest: Auch wenn das immer noch unsere erste Wahl wäre, derzeit ist nicht die Zeit für Live-vor-Ort-Veranstaltungen in dieser Größe. Ausfallen lassen? Nö. Dafür ist die Verleihung für viel zu viele Menschen einfach ein zu großer Spaß, können wir so viele Menschen mit einem Preis für ihre Arbeit glücklich machen, also werden wir gibt es in diesem Jahr eine digitale Ausgabe der Goldenen Blogger. Und nein: Wir kehren nicht auf unser Sofa zurück, das Bügelbrett ist eh nicht mehr im Einsatz. Wir werden euch sehr bald sagen, wie wir das alles gerade planen, wer uns in diesem Jahr unterstützt (Wer noch mitmachen möchte, bitte ganz schnell Kontakt aufnehmen!), aber im ersten Schritt brauchen wir jetzt erst einmal Nominierte!

    Wer kann einen Goldenen Blogger gewinnen?

    Prinzipiell jeder, der hier nominiert wird! Die Zahl der Kategorien liegt derzeit bei 22 – das formuliere ich so, weil sich daran immer nochmal was ändern kann, denn wenn in einer Kategorie gar keine Vorschläge sind oder so viele Kandidaten zu einem bestimmten Thema, das wir bisher nicht vorgesehen haben, nominiert werden, dann nehmen wir uns die Freiheit, ein paar Anpassungen vorzunehmen.

    22 Kategorien. Darunter natürlich Klassiker wie „Newcomer“, „bester Text“, „beste*r Blogger*in ohne Blog“, „Podcast, „Instagram“, „Twitter“. Aber natürlich gibt es auch wieder ein paar Veränderungen: Wir greifen neue Themen auf: Mobilität, Wissenschaft, Storyteller*in (wegen Storys oder Fleets oder so, you know), Lockdown-Versüßung, Telegram-Channel, Youtuber*in – sind nur einige der neuen Kategorien. Und nach dem großen Erfolg wird es auch in diesem Jahr die WTF-Kategorie geben, wir sind schon jetzt gespannt, wer sich da nominiert ;)

    Also: Ran an die Tasten! Hier könnt ihr noch bis zum 31. Januar eure Vorschläge posten! Und denkt dran: Je mehr Vorschläge, desto mehr Arbeit für Daniel, Feli, Thomas und mich ;)

    Tiktok, Neues Lernen und Arbeiten, Podcasts und Fokussierung auf noch mehr Digital

    Ich hoffe, dass du gut ins neue Jahr gestartet bist. Was wird uns ins 2021 beschäftigen? Jedes Jahr mache ich mir dazu ein paar Gedanken. Das Jahr 2020 war in vielen Dingen sicherlich so nicht vorhersehbar. Manches aber schon: Über Purpose wurde gesprochen, die Bedeutung von Diversität immerhin diskutiert und in neuen Studien belegt, Linkedin, Instagram und Tiktok waren die Kanäle des Jahres. Was kommt also 2021? Zehn Punkte, die im weiten Sinne was mit Medien und Kommunikation zu tun haben.

    Neues Arbeiten | Ich glaube nicht daran, dass die meisten von uns nach dieser Pandemie, wann immer das auch sein wird, wieder jeden Tag ins Büro fahren werden oder für Meetings mal eben durch Deutschland jetten. Vieles von dem, was derzeit selbstverständlich ist, wird bleiben. Aber einiges wird eben auch wieder zurück kommen. Denn wie wertvoll zufällige Begegnungen, persönlicher Austausch, aber auch der informelle gemeinsame Kaffee in der Küche sein können, das wissen wir jetzt noch viel besser. Weil sie nicht mehr selbstverständlich sind.

    Neues Lernen | Schon jetzt boomt das digitale Lernen – jederzeit und überall kann ich mich digital weiterbilden. Ich hoffe, dass auch Lehrende in den nächsten Monaten in der Lage sind sind, auf diese Art und Weise mit ihren Schülerinnen und Schülern in Kontakt zu bleiben und ihnen Wissen zu vermitteln. Und in der Erwachsenenbildung? Ich glaube, dass die Scheu vor digitalen Seminaren und Workshops weiter abnehmen wird. Wenn Begegnungen wieder leichter möglich sind, werden diese sicherlich wieder in Präsenz stattfinden. Die Hürde für digital begleitete Trainings on the jobs könnte allerdings deutlich niedriger geworden sein.

    Diversität | Ich lasse das Thema „Diversität“ auf der Agenda, denn ich gehe fest davon aus, dass wir auch hier einen Schritt weiter kommen werden. Weil wir es müssen. In allen Bereichen fehlt es an unterschiedlichen Sichtweisen – ja, auch in 2021 wäre es schon ein Gewinn, Geschlechterdiversität zu erreichen. Das gilt vor allem auch für die Medienbranche. Der Kollege Thomas Baekdal hat dazu einen ganzen, sehr lesenswerten Newsletter geschrieben.

    How | In 2020 wurde viel über „Purpose“ diskutiert und da war ziemlich viel Buzzword-Bingo dabei. Dafür werden wir 2021 keine Kapazitäten haben. Denn am Ende muss umgesetzt werden. Keine große Reden schwingen, sondern umsetzen, Prozesse definieren, Best Practises entwickeln – darauf wird es 2021 ankommen.

    Polarisierung | Die Polarisierung der Gesellschaft wird weiter zunehmen – sicherlich auch durch die Corona-Pandemie befeuert und das wird sich auch auf Kommunikationsformen jedweder Art auswirken. Dabei spielen die Medien leider eine nicht unerhebliche Rolle – im Kampf um Aufmerksamkeit und Umsätze.

    Fragmentierung der Medienmarken | Anfang 2020 hatte ich vorhergesagt, dass die Fragmentierung der vierten Gewalt fortschreiten wird. Gleichzeitig haben wir gesehen, dass gerade in Krisenzeiten auch die klassischen Medien eine wichtige Informationsquelle sein können. Nur leider hat hier nicht überall auch das Geschäftsmodell profitiert. Entlassungen, Effizienzprogramme und Co. werden dafür sorgen, dass die Fragmentierung sich verstetigen wird. Mit zweierlei Effekten: Es werden neue Medienmarken entstehen – spezialisierter, mit einer größeren Fokussierung auf Nischen. Und wir werden sehen, dass es auch hierzulande weitere journalistische Personenmarken geben wird, die ihr eigenes Ding aufziehen. Wer es versäumt, dabei eine Community aufzubauen und diese auch zu pflegen, wird keine Chance haben.

    Newsletter | Kann man das 2021 noch als Trend bezeichnen? Wenn ich meine letzten Seminare zu diesem Thema Revue passieren lasse: ja. Noch immer haben vor allem viele Medienmarken und Journalisten nicht erkannt, welche Kraft Newsletter entwickeln können. Und damit meine ich nicht die „Listletters“, in denen einfach nur wild irgendwelche Links verschickt werden. Im Lokalen aber auch für Fachmarken sind Newsletter sehr geeignet: Sie können vielseitig eingesetzt und automatisiert werden, um Säulen für digitale Erlösströme aufzubauen.

    Podcasts | Bleibt Trend. Ich empfehle hierzu den Text von Philipp Westermeyer beim Medieninsider.

    Socialmedia | Linkedin, Tiktok und Instagram – das sind die Namen der Plattformen, die 2020 zu den Gewinnern zählen werden, habe ich 2020 geschrieben. Würde ich auch für 2021 so sehen und ergänzen: Messenger. Ich gehe fest davon aus, dass sie im Wahlkampf 2021 eine größere Rolle spielen werden als dem einen oder anderen lieb ist.

    Digital first | Auch wenn es wie ein Nobrainer klingt: Ende 2021 wird sich kaum einer NICHT mit digitalen Strategien auseinander gesetzt haben. Schon gar nicht in Sachen Kommunikation. Scott Galloway, der Prognosepapst, spricht schon eine Weile von dieser Streuung – denn zusätzlich durch den Pandemie-Effekt ist es noch schwieriger geworden, Menschen auf EINEM Weg zu erreichen – es ist noch notwendiger geworden, verschiedene Wege zu gehen, um seine Zielgruppen zu erreichen. 

    Und bei mir: Ein paar Dinge bleiben, wie sie sind: Ich werde meine Kunden in ihrer Digitalstrategie beraten, coachen und unterstützen, ich werde weiter meinen Newsletter schreiben (Hier abonnieren!) und auch wieder öfter hier im Blog und die Goldenen Blogger (Gerade ist die Nominierungsphase gestartet). Ich werde meine Akademie auf- und mein Team ausbauen. Um dann noch ein paar andere Dinge umzusetzen, über die ich zu gegebener Zeit auch hier berichten werde.

    Und was meinst du? Was kommt bei dir in 2021?

    (Dieser Text war auch Teil meines wöchentlichen Newsletters. Hier kannst du ihn abonnieren.)

    Jahresendzeitfragebogen 2020

    Traditionen soll man nicht brechen. Auch nicht in diesem doch insgesamt besonderen Jahr. Doch war das Jahr wirklich so schlecht? Es war anstrengend, ja. Weil wir alle viele Routinen brechen mussten. Dinge, an die wir uns gewöhnt hatten, die wir lieb gewonnen haben: Arbeitswege, Urlaub woanders, Kinderbetreuung, Kontakte zu anderen. Erst im Verzicht bzw. kompletten Wegfall wurde mir klar, wie wichtig diese Dinge mir eigentlich sind. Einige davon konnte ich kompensieren. Ein Beispiel: Als ab März plötzlich alle beruflichen Reisen wegfielen, wurde mir klar, dass diese für mich nicht nur berufliche Reisen waren, sondern auch Ich-Zeiten. Zeiten, in denen ich mich nur um mich kümmern musste und die ich zum Lesen, Inspirieren, Nachdenken und Nixtun nutzte. Erst als mir das bewusst geworden war, konnte ich mir diese Ich-Zeiten wieder zurück erobern. Zum Beispiel durch eine erhöhte Zahl an Joggingrunden, abendlichen Podcastsessions. Doch eines war gar nicht so leicht zu kompensieren: der Austausch mit anderen, zufällige Begegnungen.

    Alles in allem war 2020 ein gutes Jahr. Trotz allem. Aber auch wegen allem. Denn durch diese Ausnahmesituation habe ich auch viel gelernt. Einiges, was auf den ersten Blick selbstverständlich scheint, schätze ich nun wieder wert und bin dankbar.

    Aber wie gesagt: Traditionen soll man nicht brechen und daher der alljährliche Fragebogen. (Für alle Leser, die erst in den vergangenen Monaten dazu gestoßen sind: Früher (siehe unten) wurde dieser Fragebogen von ziemlich vielen Bloggerinnen und Bloggern ausgefüllt. Einige machen das immer noch. Ich gehöre dazu.)

    Zugenommen oder abgenommen?

    Dank regelmäßiger Jogging-Runden, einigen Yoga- und Freeletics-Betüchtigungen und zahlreichen Spaziergängen weitestgehend gleichgeblieben.

    Haare länger oder kürzer?

    Mehr oder weniger gleich geblieben. War zwar im November schon da, aber noch hält’s.

    Kurzsichtiger oder weitsichtiger?

    Ich befürchte, dass sich altersbedingt was verändert hat. Habe aber erst im Januar einen Augenarzttermin. Bin gespannt.

    Mehr ausgegeben oder weniger?

    Weniger Urlaubsreisen, also weniger.

    Der hirnrissigste Plan?

    Pläne, die im Januar noch völlig langweilig klangen, erschienen im April plötzlich hirnrissig. Flugreisen, die Bahncard abfahren, Zeit alleine zu verbringen, sowas. In die Kategorie „hirnrissig“ fiel dann auch der Plan, das letzte Fortbildungswochenende im Dezember in Köln in einem Hotel zu verbringen. Und hielt daran bis drei Wochen vorher fest. Tja.

    Die gefährlichste Unternehmung?

    Fällt Weihnachten mit der Mutter zu verbringen da mit rein? Ich befürchte es.

    Die teuerste Anschaffung?

    Ich habe in diesem Jahr ins Office investiert – Videoseminare und -konferenzen zollen ihren Tribut.

    Das leckerste Essen?

    Ich bin ein bisschen stolz darauf, dass die Gänsekeule am 1. Weihnachtstag samt Soße ziemlich gut gelungen ist.

    Das beeindruckendste Buch?

    Am meisten beeindruckt hat mich „Im Grunde gut“ von Rutger Bregman. Was ich sonst noch so gelesen habe – hier steht’s.

    Der berührendste Film?

    Ich habe sehr wenige Filme geschaut. Wenn überhaupt dann Serien.

    Das beste Lied?

    Es gibt so viele gute Lieder, die das 2020er-Gefühl eingefangen haben. Cat Ballou, Bernd Begemann, Die Ärzte, Tocotronic, sogar Scooter haben mich berührt in diesem Jahr.

    Das schönste Konzert?

    Ich habe am 28.12. ein bisschen in das traditionelle Jahresendkonzert von Bernd Begemann reingehört, was schön war, aber auch ein bisschen traurig. 2020 war kein gutes Jahr für Konzerte. Nächste Frage bitte.

    Die meiste Zeit verbracht mit?

    Den Jungs.

    Die schönste Zeit verbracht mit?

    Den Jungs. Und der wenigen Zeit auch mal allein.

    Vorherrschendes Gefühl 2020?

    Nee, oder?

    2020 zum ersten Mal getan?

    Im Februar noch schnell mit meiner Mutter gewellnesst. Homeschooling und dabei versucht, zu arbeiten. Seit März jeden Donnerstag eine virtuelle Kneipe besucht. Fortbildung digital durchgeführt und selbst besucht (Also über ganze Wochenenden am Stück und über Monate hinweg). Masken genäht und getragen. Das zweite Kind in einer Pandemie eingeschult. Webinare gehalten, sowieso die ganzen virtuellen Seminare. Daran gedacht, dass bestimmte Übungen in der virtuellen Version sogar besser funktionieren als vor Ort.

    2020 nach langer Zeit wieder getan?

    Ein Kind eingeschult. Um den Beerster See gelaufen. In Cuxhaven am Strand gewesen. Urlaub an der niedersächsischen Nordsee. Kafka gelesen. Gedacht, dass es im Norden echt schön ist.

    Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?

    Die Sorge um die Angehörigen, die diese Pandemie gebracht hat. Das ständige Rumgehadere, was denn jetzt geht und was nicht. Die Unplanbarkeit dieses Jahres.

    Drei Dinge, auf die ich nicht hätte verzichten wollen?

    Dazu gezwungen worden zu sein, mal richtig intensiv darüber nachzudenken, was wirklich wichtig ist. Unplanbarkeit hat auch was Feines. Zu merken, wie viel dann doch immer noch geht. So viel Familienzeit. Die Ukulelen-Abende im Sommer. Uups, das waren sogar fünf Dinge und wenn ich noch ein bisschen länger darüber nachdenke, fallen mir bestimmt noch mehr Sachen ein.

    Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?

    Kriegen wir hin.

    2020 war mit einem Wort?

    Kräftezehrend.

    Wer sich nochmal durch die vergangenen Jahre klicken will: 2019,
    2018, 2017, 2016, 2015, 2014, 2013, 2012, 2011, 2010, 2009, 2008, 2007, 2006, 2005, 2004, 2003

    Twitter ist beides – Nische und große Party

    „Mich macht Twitter viel zu oft wütend“, sagte Sascha Lobo in seinem Podcast „Realitätsschock“ zu Jan Böhmermann. Der wiederum sagt: „Twitter ist die wichtigste Quelle für Journalisten“ und attestiert dem Netzwerk, der Ort zu sein, an dem derzeit gesellschaftlicher Diskurs stattfindet. Auch wenn Twitter noch immer eine Nischen-Veranstaltung ist, wie auch die jüngsten Zahlen der ARD/ZDF-Onlinestudie andeuten. Oder gerade deswegen. 

    Denn auch dazu liefert Böhmermann in diesem hörenswerten Podcast einen Gedanken: Gesellschaftlicher Diskurs sei schon immer eine Angelegenheit von wenigen gewesen, die sich als Multiplikatoren ausgetauscht haben. Und da würde ich ihm zustimmen. Einzig anzweifeln würde ich, dass auf Twitter ein echter Diskurs stattfindet. Zu einigen Themen sicherlich, doch es gibt auch viele, bei denen allenfalls viele Seiten ihre Meinung äußern – echten Diskurs, indem man auf den anderen hört, Argumente abwägt, ins Verhältnis stellt usw. vermisse ich häufig. 

    Muss deshalb jeder auf Twitter sein? Sicherlich nicht. Aber jeder, der Teil dieses Diskurses sein möchte, der Essentielles in diese Debatten beitragen möchte, sollte auch auf Twitter sein. Deshalb ist Twitter für mich zweierlei: Nische und große Party, bei der alle durcheinander reden und auf der man sich auch einmal verloren fühlen kann. Wer jedoch kommuniziert, etwas von sich erzählt, zuhört, zum Beispiel um das Gehörte aufzugreifen, der wird bei dieser großen Sause auch Spaß haben. 

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